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Safer Use

Wir haben einen Arzt gefragt, ob Drogentest-Kits auch wirklich funktionieren

Neben den rechtlichen Problemen sind die mobilen Drogentests auch wissenschaftlich nicht ganz unumstritten.

von David Garber
16 Juni 2016, 10:05am

Illustration by Kitron Neuschatz.

Illustration: Kitron Neuschatz. Dieser Artikel ist zuerst bei THUMP US erschienen.

Musikfestivals sind eine Brutstätte schlechter Entscheidungen, aber in einem Versuch, diese schlechten Entscheidungen zumindest etwas kontrollierter zu treffen, verwenden viele findige Feierwütige heutzutage Drogentest-Kits. Diese Kits funktionieren recht simpel: Du nimmst eine kleine Menge der fraglichen Substanz, reicherst diese mit ein paar Tropfen einer chemischen Lösung an und wartest, welche Farbe das Gemisch annimmt. Je nach Erscheinungsbild hast du nun eine ungefähre Vorstellung davon, ob das Zeug halbwegs OK oder potentiell gefährlich ist.

Manche, wie zum Beispiel die US-amerikanischen Aufklärungsorganisationen Bunk Police und DanceSafe, schwören auf diese Kits als schnelles und effektives Mittel, um herauszufinden, was man sich eigentlich einverleibt. Beide Gruppen sind regelmäßig auf Musikfestivals in den Staaten präsent—offen sichtbar oder hinter den Kulissen. Befürworter dieser Tests argumentieren, dass der Konsum nicht nur sicherer wird, sondern auch abnimmt, wenn den Konsumentinnen bewusst wird, wie verunreinigt oder überdosiert ihre Drogen eigentlich sind.

Trotzdem, seit der RAVE Act 2003 in Kraft getreten ist, befindet sich die Praxis des Drogentestens in den USA in einer rechtlichen Grauzone. Wenn Festivalorganisatoren oder Veranstalter Drogentestern einen Stand auf ihrem Gelände genehmigen—egal, ob sie dort Test-Kits verkaufen oder nur Flyer verteilen—, können sie selbst rechtlich zur Verantwortung gezogen werden, sollte jemand auf ihrer Veranstaltung eine Überdosis erleiden oder wegen Drogenbesitz festgenommen werden.

In Deutschland kannst du solche Kits zwar privat kaufen, Drogenberatungsstellen dürfen sie allerdings nicht einsetzen. In Ländern wie der Schweiz, Österreich oder den Niederlanden sind sie hingegen legal.

Von den rechtlichen Problemen mal ganz abgesehen, sind diese Test-Kits auch wissenschaftlich umstritten. Manche Kritiker sagen, dass ihre Wirksamkeit nicht ausreichend belegt ist. Um mehr über den wissenschaftlichen Wert der mobilen Minilabore zu erfahren, haben wir uns mit dem erfahrenen britischen Psychiater, Psychopharmakologen und ehemaligen Regierungsvertreter David Nutt unterhalten, um seine Meinung über die Test-Kits einzuholen.

THUMP: Dr. Nutt, Wie funktionieren diese Test-Kits?
Dr. David Nutt: Drogen sind Chemikalien, die über ihre chemische Wechselwirkung mit anderen Chemikalien angezeigt werden können. Die richtige Chemikalie kann, jedenfalls in der Theorie, mit einer Droge reagieren und ein Signal produzieren—in der Regel eine Farbveränderung—, um zu zeigen, was sonst noch vorhanden ist.

Und funktionieren die auch?
Die Wahrheit ist die, dass keins [dieser Kits] wirklich gut, selektiv und eindeutig ist. Sie zeigen dir vielleicht, was in deiner Pille oder deinem Pulver ist, aber sie zeigen dir nicht alle Bestandteile oder wie viel davon vorhanden ist.

Wofür können sie dann nützlich sein?
Wenn du wissen möchtest, ob dein Ecstasy toxische Substanzen wie [den gefährlichen MDMA-Ersatz] PMA enthält, können sie schon hilfreich sein. Wir werden aber erst richtige Fortschritte sehen, wenn große Clubs Massenspektrometer haben, die die genauen Anteile der Substanzen aufzeigen, die sich in deiner Pille oder deinem Pulver befinden. Aber das ist ziemlich kompliziert. Es ist auch wesentlich aufwendiger, zu analysieren, wie viel von etwas sich in deiner Substanz befindet, anstatt nur was. Du musst die Pille erst abwiegen und dann überlegen, welche Bestandteile der Pille du analysieren willst, was ziemlich kompliziert und teuer ist. Das kannst du nicht mal eben so machen.

Was passiert, wenn du ein Kit zum Testen von MDMA verwendest und dein Pulver eine unbekannte Substanz enthält?
Das ist unmöglich zu sagen. Darum geht es mir ja.

Was hältst du von diesen Kits?
Ich finde, dass sie einem ein falsches Gefühl von Sicherheit geben. Mal eben so eine Substanz zu testen— eine halbe Stunde bevor man sie sich einfährt—, ist absolute Zeitverschwendung. Am Ende schadet das vielleicht sogar mehr, als es hilft. Ich bin absolut für Tests, wie sie in Wales und den Niederlanden gemacht werden. Da kannst du zu einem professionellen Labor gehen und genau herausfinden, was du eigentlich vor dir hast.

Wie kann man diese Drogentest-Kits verbessern?
Diese Kits werben für sicheren Drogengebrauch, was ich absolut unterstützte, aber ich kann nicht sicher sagen, ob sie auch Sicherheit bieten. Die Beweislage ist einfach zu dürftig, um eine Empfehlung auszusprechen. Wenn du Drogen nimmst, versuch sie dir von einer sicheren Quelle zu besorgen. Wenn du etwas zum ersten Mal konsumierst, nimm nur eine kleine Menge. Es wäre großartig, Tests mit einem Massenspektrometer durchführen zu können, und zu sehen, ob sie den Standards entsprechen. So, wie es gerade ist, ist es ein bisschen wie im Lotto. Was wir wirklich tun sollten, ist [diese Drogen] wie Medizin zu behandeln. So könnten wir eine absolute Qualitätskontrolle sicherstellen.

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