Safer Use

Was die Polizei im Fall des Drogentoten von Essen falsch gemacht hat

Bis heute werden Informationen zurückgehalten. Beratungsstellen sind darüber nicht erfreut.
11 November 2016, 2:51pm

Eine Auswahl von sichergestellten Pillen der Drug Enforcement Administration (DEA). Foto: Via Wikimedia Commons/By DEA (DEA, US)/Public Domain

Es war offenbar doch keine verunreinigte Pille, die zum Tod des 27-jährigen Essener Clubgängers in der vergangenen Woche geführt hat. Das geht aus einer Pressemitteilung der Polizei Essen/Mülheim an der Ruhr hervor. Demnach gab es "keine Hinweise auf Beimischungen oder Verunreinigungen." Die Beamten weisen außerdem darauf hin, "dass der Reinheitsgehalt von Partydrogen seit den letzten Jahren ständig steigt." Das legt nahe, dass es sich um eine Ecstasypille mit hohem MDMA-Gehalt gehandelt haben könnte. "Nahe", weil die Behörde genauen Inhalt, Konzentration und Aussehen der Pilleweiterhin zurückhält. Stattdessen gibt es nur eine generelle Warnung: "Finger weg von illegalen Rauschgiften jeglicher Art!"

Die Polizei hält Informationen über das Aussehen und die Zusammensetzung der Pille also absichtlich zurück. André Frohnenberg von der Drogen- und Jugendberatung Krisenhilfe e.V., befindet diese Strategie gegenüber THUMP für problematisch. "Wir machen eine akzeptanzorientierte Drogenberatung. Das heißt, wir gehen davon aus, dass Menschen sich nicht vom Konsum abbringen lassen. Für uns geht es darum, den Schaden von Konsumenten abzuwenden." Deshalb sei es "wichtig, dass Informationen wie das Aussehen und die genauen Bestandteile der Pille weitergegeben werden." Die gefährlichen Pillen könnten in verschiedenen Städten in Deutschland im Umlauf sein, daher sei es von zentraler Bedeutung, möglichst genau zu wissen, um welche es sich handelt. Außerdem wäre es wichtig, das sogenannte Drug Checking endlich zu erlauben.

Die Informationspolitik der Polizei gefährdet somit ohne Not die Gesundheit von Drogenkonsumenten. Zwar gibt es viele Informationsseiten, die regelmäßig Pillenwarnungen veröffentlichen. Möglicherweise ist die Pille, die der Essener Clubbesucher genommen hat, auch auf einer dieser Seiten zu finden. Oder eben nicht. Im Sinne des Safer Use wäre es aber wichtig, darüber mehr zu erfahren.

Doch daran scheint weder dem Gesetzgeber, noch der Polizei gelegen zu sein. Als Intention hinter der Kommunikationsstrategie bleibt da nur Folgendes möglich: Konsumenten sollen abgeschreckt werden und nie wieder zu "illegalen Rauschgiften jeglicher Art" greifen. Dabei haben die letzten Jahrzehnte gezeigt, dass genau diese Verbotspolitik gescheitert ist.

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