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​Die Champions League-Hymne ist die konstruierte Gänsehautgarantie

Im Borussia-Park erklingt heute zum ersten (richtigen) Mal die CL-Hymne. Sie ist der wichtigste Bestandteil für den Mythos Champions League und ihre Einführung die beste Entscheidung der UEFA bis zum heutigen Tag.
30 September 2015, 2:00pm
Screenshot Youtube

Wenn sich heute Abend Borussia Mönchengladbach und Manchester City in der Champions League gegenüberstehen, dann wird vor Anpfiff ein Raunen durchs Stadion gehen. Die Zuschauer und ihr gesamter Haarwuchs werden sich voller Ehrfurcht erheben. Die Hymne der Champions League wird das erste (richtige) Mal im Borussia Park erklingen und ist Balsam für eine jahrelang geschundene Gladbacher-Fanseele.

Als die UEFA im Jahr 1992 die Champions League erfand, wollte der europäische Fußballverband aus dem altbackenen Europapokal der Landesmeister ein Medienspektakel für die Mitte der Gesellschaft produzieren. Es sollten Millionen fasziniert werden, damit noch mehr Millionen fließen. Und die Marke „Champions League" brauchte eine unverkennbare melodische Kennzeichnung, nachdem man die Idee „We Are the Champions" von Queen zu verwenden doch nicht so gut fand.

Inspiriert von den in den frühen 90er Jahren sehr populären „Drei Tenören" Plácido Domingo, José Carrerasund Luciano Pavarotti wurde der britische Komponist Tony Britten beauftragt eine klassische Hymne zu komponieren. Sie sollte das Massenpublikum nicht abschrecken, sondern ergreifen. Es sollte von den Besten der Besten handeln. Mit ein wenig Inspiration von Georg Friedrich Händels Stück „Zadok the Priest" entstand die bis heute nirgendwo zu kaufende Hymne der Champions League.

Eigentlich erklang die Hymne schon ein mal im Borussia Park. Es war ein Dienstag irgendwann Ende August vor drei Jahren. Meine verrückte Fohlen-Familie nahm mich mit in den Borussia-Park zum Champions League-Qualifikationshinspiel gegen Dynamo Kiew. Ich bin kein Gladbach-Fan, doch was damals gegen Kiew beim Abspielen der Hymne mit den über 45 000 Zuschauern passierte, war zutiefst ergreifend. Als sie ertönte, stieg eine gewaltige Gänsehaut aus den Tiefen der Hautporen empor und versetzte ein ganzes Stadion in ein kollektives Gefühl voll Stolz, Genugtuung und purer Befriedigung vor Glück. Die meisten Fans im Stadion kannten die glorreichen 70er der Fohlenelf mit glamourösen Auftritten im Europapokal, Star-Spielern und diversen Meisterschaften nur aus Erzählungen. Und plötzlich gehörte man wieder zu den ganz Großen.

Der Text der Hymne wird in den drei Sprachen der UEFA gesungen: Englisch, Französisch und Deutsch. Der ursprünglich Originalsong ist rund drei Minuten lang und besticht vor allem durch holprige deutsche Sätze wie „Es sind die allerbesten Mannschaften" oder „Eine große sportliche Veranstaltung". Im Stadion wird die nur knapp 40-sekündige Version mit den für Fußballfans so bekannten drei Zeilen zu Beginn abgespielt:

Ils sont les meilleurs, Sie sind die Besten, These are the champions.

Es klingt ein wenig grotesk, doch ein von der UEFA in Auftrag gegebener Song für den zukünftigen kommerziellen Erfolg einer durchgeprobten Initiierung des Fußballs verpasst den europäischen Fußballfans ein Gefühlschaos. Da kann auch mal ein Bräutigam vor dem Traualtar noch endgültig zum Ja-Wort euphorisiert werden.

So richtig gehörte die Borussia gegen Kiew an diesem Abend im späten August 2012 dann doch nicht dazu. Sie verloren mit 1:3 gegen die Ukrainer und verpassten den Einzug in die Champions League. Doch egal, wie das Spiel heute Abend gegen Manchester City ausgeht: Borussia gehört nach 37 Jahren Abstinenz in diesem Jahr für mindestens drei Heimspiele wieder zu den Besten, den grandes equipes, den champions. Für dieses Gefühl wird auch eine Hymne sorgen, denn dafür wurde sie geschaffen.

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