Ägyptens Militär tötet 51 Mursi-Anhänger

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Ägyptens Militär tötet 51 Mursi-Anhänger

Das Militär und die Pro-Mursi-Anhänger trafen zuerst friedlich aufeinander, bis eine der beiden Seiten den ersten tödlichen Schuss abfeuerte. Beide Gruppen behaupten nun, dass die jeweils andere das Blutbad mit Absicht provoziert hätte.
9.7.13

Am frühen Montagmorgen erschoss die ägyptische Armee in Kairo mehr als 50 Unterstützer von Ex-Präsident Mohamed Mursi. Mehr als 300 Menschen wurden verletzt. Es war der blutigste Vorfall seit vergangenem Mittwoch, als das Militär Mursi seines Amtes enthob.

Während einer Sitzblockade, bei der Demonstranten die Rückkehr des islamtreuen Ex-Präsidenten forderten und die Gläubigen das Morgengebet abhielten, begannen Armee und Polizei, sie von hinten mit Tränengas zu beschießen, erzählten einige Zeugen.

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Ob die Demonstranten die Armee zuvor provoziert haben, ist unklar. Auf einer Pressekonferenz am späten Montagabend behaupteten Armee und Polizei, dass die Demonstranten zum Angriff übergegangen seien und das Gebäude der Republikanischen Garden stürmen wollten.

Allerdings waren zehn Demonstranten, die ich interviewt habe und die Augenzeugen der Morde waren, anderer Meinung. Sie sagten aus, dass es vor der ersten Tränengassalve keine Gewalt gab.

Fotos von Tom Dale und Justin Wilkes

Foto von Justin Wilkes

Der Student Ahmed el-Sayyed, 21, stand in der vordersten Reihe, als ein Soldat Kugeln in den Boden feuerte. „Er wollte uns zurückdrängen“, sagte Ahmed.

Das nächste, was er sah, war, dass der Soldat erschossen wurde. Dann sagte Ahmed, begannen die Soldaten, mit scharfer Munition in die Menge zu schießen. Zudem feuerten sie mit Tränengas und Schrotflinten.

Ahmed sagte, dass keiner der Demonstranten, mit denen er gesprochen hatte, gesehen hat, wer den Soldaten erschossen hatte. Er glaubt, dass der Soldat von seinen Kameraden erschossen wurde, weil er sich geweigert hatte, direkt in die Menge zu feuern. „Es muss einer von ihnen gewesen sein. Wir waren es nicht und wir würden so etwas nicht tun“, sagte er. Vor allem weil zu diesem Zeitpunkt „Frauen dabei waren.“

Ahmeds Annahme scheint weit hergeholt. Logischer scheint wohl, dass ein Demonstrant seine Nerven verloren hat und den Soldaten erschoss. Beweise liegen dafür jedoch keine vor.

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Aber die meisten Menschen, mit denen ich gesprochen hatte, waren sich sicher, dass beide Seiten bewaffnet waren. Einige sagten, dass es Demonstranten gab, die, nachdem die Armee Tränengas abgefeuert hatte, mit Schrotflinten in die Luft geschossen haben, was allerdings nur in sehr wenigen Fällen zum Tod führt.

Foto von Tom Dale

Falls die Armee jedoch wirklich kaltblütig das Feuer eröffnet hat, dann wäre es nicht das erste Mal. Ein VICE-Team wurde Zeuge, als die Armee am vergangen Mittwoch während einer Sitzblockade nach Einbruch der Dunkelheit in die Menge schoss. Offenbar wurden dabei eine Person getötet und drei weitere verletzt.  Bei einem Massaker vor dem Gebäude des Staatsfernsehens im Oktober 2011 töteten Soldaten 28 Menschen. Die meisten von ihnen waren Christen.

Berichte aus den provisorischen Lazaretts und aus dem Leichenschauhaus sagen aus, dass die meisten der Toten von hinten erschossen wurden. Vielleicht weil sie sich umdrehten und versuchten zu fliehen.

Die Fotos zeigen die Leichenhalle eines örtlichen Krankenhauses, dessen Etagen alle blutverschmiert sind. Die Patronenhülsen auf dem Asphalt tragen die arabischen Anfangsbuchstaben der ägyptisch-arabischen Armee.

Justin Wilkes

Justin Wilkes

Tom Dale

Justin Wilkes

Justin Wilkes

Justin Wilkes

John Wilkes

Justin Wilkes

Justin Wilkes

Tom Dale

Justin Wilkes

Tom Dale

Tom Dale

Justin Wilkes

Justin Wilkes

Tom Dale

Tom Dale

Justin Wilkes

Tom Dale

Justin Wilkes