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Reisen

Billy geht in den Irak

14.7.10
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Vor einigen Wochen ist Billy Rohan in den Irak gereist, um den Truppen vor Ort nötige Abwechslung und Unterhaltung zu bringen. Er war gerade in „Camp Woodward" in Peking, als er zustimmte, als einziger Skater bei einem BMX-Trip mitzufahren, der „Bikes Over Bagdhad" hieß. Als er zurückkam, hatte er Photos von zerfallenden Gebäuden und Plätzen, und gigantischen Bikerrampen im Gepäck. Ich traf mich mit ihm, um mit ihm über sein Abenteuer zu reden.

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Vice: Hi Billy, wo hast du dort eigentlich geschlafen und wie seid ihr gereist?

Billy: Als es losging, flogen wir nach Kuwait, wo einer der Hauptbasen des US Militärs ist. Kuwait ist unbeschreiblich heiß, also im Durchschnitt fast 20 Grad heißer als im Irak. Ich hatte mir am Anfang eigentlich so etwas wie Zelte oder etwas sehr minimalistisches vorgestellt, aber wir wurden dort in Militärgebäuden untergebracht, die eigentlich echt schön und vor allem klimatisiert waren. Während des Trips sind wir dann zu verschiedensten Plätzen geflogen worden - einer der kühlsten Orte war Saddams Palast in Bagdad. Er nannte den Palast damals noch „Camp Victory Over America" weil wir ihn nach dem Kuwaitkonflikt nicht rauswarfen und er das als Sieg ansah.

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Wie waren die Soldaten so drauf? Was hast du über sie gedacht, als du mit ihnen zusammen warst?

Die Soldaten waren natürlich richtig heiß auf die Show. Die Jungs mit denen ich dort war, waren halt Motorradfahrer und machten auf monströsen Rampen riesige Backflips über Panzer und Hummer. Die Rampen waren so hoch, dass ich als Skater fast nicht hochkam, also bin ich einfach ein bisschen herum gefahren und habe so die Menge aufgeheizt. Die Soldaten sind ganz normale Menschen, die du überall, zum Beispiel in Williamsburg, Manhattan, oder irgendwo in New York triffst nur, dass sie sich halt einen anderen Job ausgesucht haben. Das war schon sehr beeindruckend, weil normalerweise stellst du dir Soldaten immer als superstramme Jungs mit Waffe und in in voller Montur vor, aber am Ende ist es nur deren Job und sie sind auch nur Menschen wie wir.

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Sind einige von denen auch geskatet?

Ja auf jeden Fall, ich erinnere mich daran, zwei Soldaten zu filmen, während sie „Skate" spielten und der eine sprang aufs Board und zog einfach mal einen „Nollie Tre-Flip" in seinen riesigen Armeestiefeln. Als ich denen zusah merkte ich, dass die natürlich auch gerne den ganzen Tag lang skaten würden, aber es natürlich nicht dürfen, weil wenn sie sich verletzen könnten und sie nicht mehr im Krieg eingesetzbar wären.

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Hast du den Truppen irgendwas mitgebracht?

Wir hatten tonnenweiße Supreme, Vans, Element, und Acapulco Gold T-Shirts dabei, dazu kamen noch ein paar Boards, von denen einige extra mit dem offiziellen Präsidentenwappen bedruckt waren. Das ganze freie Zeug hat sie richtig gefreut.

Konnten sie in ihrer Freizeit dann auch mal bisschen Party machen?

Ja! Es ist halt wie jeder Job, indem man nach 9 Stunden Arbeit auch Freizeit bekommt.

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Auf deinen Photos kann man sehen, dass ihr während eurer Tour auch die ganzen Basen und Waffen gesehen habt. Wie war das so?

Während der Tour wurden wir durch alle möglichen Orte geführt, auch dorthin wo alles angefangen hat. Uns wurden solche Sachen gezeigt, wie das zerbombte, irakische Hauptquartier und so. Es war ziemlich verrückt. Ich würde sagen, dass Saddams Geschmack dem eines Trailer-Park Bewohners ähnelt, der plötzlich die Lotterie gewonnen hat. Alles sieht ein wenig kitschig aus, und das meiste ist auch noch schlecht gemacht, aber es ist einfach krass anzuschauen. Doch als ich dann die ganzen Militärbasen mit ihren Helikoptern, Flugzeugen, und Waffen gesehen habe, konnte ich überhaupt nicht verstehen, wer überhaupt einen Streit mit Amerika anfangen würde. Zuhause sehen wie nie wirklich was das Militär alles so rumstehen hat, aber die Maschinen und Dinge, die das Militär zur Verfügung hat, haben mich echt erstaunt.

Noch irgendwelche letzen Worte an alle Skater, die hier im luxuriösen Schoß des Westend rum sitzen?

Ja, geht am heißesten Tag des Jahres Skaten und dann bindet euch einen Fön vors Gesicht und dann wisst ihr wie es sich in Bagdad anfühlt. Natürlich kann man in New York besser skaten, aber es war ein unglaubliches Gefühl, die Truppen richtig zum rasen zu bringen und sie vom Krieg um sie herum bisschen abzulenken. Und darum ging das ganze ja auch. Ich finde, dass jeder, der Musiker oder Entertainer ist, ein, zwei Wochen aus ihrem Leben nehmen sollte und in den Irak oder Afghanistan fliegen sollten um vor den Truppen dort zu spielen. Es ist etwas was sie wirklcih zu schätzen wissen. Sie sind genau wie wir und egal wo du bist wirst du gut behandelt. Man muss nicht für den Krieg sein um für die Soldaten zu sein.

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FOTOS VON BILLY ROHAN