Wie der Tod des thailändischen Königs den Muay-Thai-Sport bis ins Mark erschüttert
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Wie der Tod des thailändischen Königs den Muay-Thai-Sport bis ins Mark erschüttert

Im Zuge der Staatstrauer wurden Muay-Thai-Kämpfe in Thailand verboten. Wichtige Einnahmen bleiben aus und der Nachwuchs verliert Geduld und Interesse.
2.12.16

Am 13. Oktober verstarb Thailands geliebter König Bhumibol, und die Junta-Regierung rief unverzüglich die Staatstrauer aus. 30 Tage lang sollte die Bevölkerung Schwarz tragen, Konzerte und Clubs wurden geschlossen und auch Sportevents, wie Muay-Thai-Wettkämpfe, wurden verboten. Trotz der finanziellen Einbußen warteten die Kämpfer, Promoter, Buchmacher und Zocker brav, bis das Verbot aufgehoben wurde. Die Sportwelt versank logischerweise dennoch im Chaos: Events wurden kurzfristig umgebucht oder eben abgesagt.

Weil Thailands König starb, mussten zwei Vereine zwangsabsteigen

Das beliebte Loi Kratong-Festival sollte die verheißungsvolle Rückkehr des Muay Thais einleiten—aber natürlich fiel das Fest auch dieses Jahr ruhiger aus als in den vergangenen Jahren. Man trauerte ja schließlich noch. Trotzdem versuchte man den gewohnten Feierlichkeiten nachzugehen, allerdings schwebte über allem eine gewisse Unsicherheit, weil niemand wirklich wusste, was sie dort erwarten würde. Die traurige Stimmung wird wohl noch bis Neujahr anhalten, da die meisten thailändischen Events abgesagt bleiben.

Die großen Stadien in Bangkok nehmen nun langsam wieder den Betrieb auf—genauso wie die größeren Veranstalter in Isaan. Während bei größeren Veranstaltungen alles wieder die gewohnten Formen annimmt, gefährdet die Staatstrauer aber weiterhin die Existenz kleinerer Shows. Dass die Wirtschaft erst wieder in Fahrt kommen muss, betrifft—abgesehen von der Modeindustrie—alle Branchen. Ein Kleiderhändler aus Buriram meinte: „In erster Linie kaufen hier Lehrer und Regierungsbeamte ein. Aber mittlerweile verkaufe ich auch viele schwarze Shirts an die einfache Bevölkerung. Wir können der hohen Nachfrage kaum nachkommen."

Welchen Lauf die Entwicklung nehmen wird, wird sich wohl erst zeigen, wenn Vajiralongkorn, der Sohn des Königs, dessen Thron übernimmt. Diese langen Trauerphasen sind in Thailand übrigens nichts Besonderes: Als 2008 die Schwester des Königs starb, trauerte das Land für 100 Tage.

Normalerweise sind Festivalkämpfe der Startschuss für fast jede thailändische Kämpferkarriere. Auch wenn die Bezahlung schlecht ist, kann man hier die eigenen Kampfkünste präsentieren, ohne dass dabei viel Geld im Spiel ist. In Isaan gibt es sogar ein Sprichwort, welches besagt, dass man seine Knöchel gar nicht erst tapen muss, wenn man keine Nebenwette (sprich: jede Menge Geld) am Laufen hat. Bei größeren Turnieren ist das natürlich immer der Fall.

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Für kleinere Gyms ist es beinahe unmöglich, bei diesen Beträgen mitzuhalten, weshalb die Kämpfer in der Umgebung selbst nach Gegnern suchen. Bei diesen kleinen Events besteht nämlich die Möglichkeit, von lokalen Sponsoren oder Buchmachern entdeckt zu werden, die einen dann für größere Wettkämpfe vorschlagen. Wenn man sich bei solchen Veranstaltungen einen Namen macht, darf man auf der großen Bühne in Bangkok antreten. Durch die Absage der Festival-Kämpfe können dementsprechend auch keine neuen Talente von sich reden machen. Kämpfer, die am Anfang ihrer Karriere stehen, sind daher zur Pause gezwungen—so wie die Kinder in der Kampfschule Wor.

Thanit Watthanaya, Besitzer und Headcoach von Wor, meint zu den Problemen, die die Staatstrauer verursacht hat: „Ich trainiere jede Menge Kinder, die bereit sind, zu kämpfen, aber jetzt—durch das Fehlen von Wettbewerben—geht ihr Interesse langsam verloren. Meine anderen beiden Nachwuchsboxer sind noch nicht bereit für dieses Kampfniveau. Seitdem die Sperre aufgehoben wurde, habe ich für sie drei Kämpfe gebucht. Das ist für uns super teuer: Wir müssen weit reisen, Geld für die Nebenwette ausgeben und den Familien der Kämpfer den Eintritt für die Shows zahlen, weil sie nicht mehr umsonst sind und sie ihn sich daher nicht mehr leisten können."

Es sind nicht mal mehr 30 Tage bis zum neuen Jahr und danach nochmal 40 Tage, bis die hunderttägige Trauer beendet ist. Die Muay-Thai-Community wird auch das überleben. Es ist einfach nur ein bisschen schwieriger als zuvor.