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Die Hölle liegt in Norwegen

Hell ist nicht die Hölle, sondern ein idyllisches 1.600-Seelen-Dörfchen in Norwegen—sogar mit einer Kirche.
18.11.13

Ein Bahnhofsvorsteher vor dem Bahnhof von Hell

Hell ist ein idyllisches 1.600-Seelen-Dörfchen in Norwegen mit rot gedeckten Häuschen, einer Post, einem Lebensmittelladen und sogar einer Kirche. Im Winter friert es buchstäblich zu, was ein weiterer Grund dafür ist, warum sein (zumindest im Englischen) zu Wortspielen verleitender Name das ganze Jahr über Touristen anzieht. „Hell“ bedeutet zwar auf Norwegisch nicht „Hölle“, sondern „Glück“, doch die Einwohner bevorzugen die höllische Assoziation. So grüßt schon bei der Einfahrt in den Bahnhof ein Schild mit der Aufschrift „HELL GODS – EXPEDITION“, und die berühmteste Einwohnerin des Dorfes, Mona Grudt, die Miss Universum 1990, nennt sich stolz die „beauty queen from Hell“.

Dann wäre da noch das jährliche Blues Hell Festival, gegründet von Kjell Inge Brovoll, bekannter als „Hell Boss“. In diesem Jahr hat das Festival eine ganze Reihe amerikanischer Blueslegenden in das friedliche Dörfchen eingeladen, darunter Sugar Pie DeSanto, die sich am besten als eine noch verschrobenere und modernere Version ihrer verstorbenen Duettpartnerin und Kindheitsfreundin Etta James beschreiben lässt.

Sugar Pie war mein „ticket to hell“. Zum ersten Mal sah ich die heißblütige, 1,50 Meter große 78-Jährige an Silvester 2012—sie hüpfte auf die Bühne, schleuderte ihre Stöckelschuhe von sich und überzeugte mit der Intensität einer Frau, die mindestens 55 Jahre jünger war.

Als ich darum bat, ein paar Fotos von Sugar Pie schießen zu dürfen, lud ihr Manager mich ein, sie nach Detroit zu begleiten, wo sie auf Aretha Franklins Weihnachtsparty spielen sollte. Ein Jahr später bekam ich die Gelegenheit, mit Sugar Pie nach Hell zu fahren. Was hätte ich anderes antworten können, als „Hell, yeah“?

Diesen Monat könnt ihr auf VICE.com in das höllisch kalte Herz des norwegischen Hell und sein ganz besonderes Bluesfestival eintauchen.

Hier entlang zur Hölle.

Zwei Türen in einem Hell-Hotel.

Hells berühmtes Schild. Es war eine Zeitlang verschwunden, und laut einer Dorflegende soll ein langjähriger Bahnhofsvorsteher und frommer Christ nach seiner Pensionierung das Schild gestohlen und verbrannt haben. Was auch immer mit dem Originalschild geschehen ist, es wurde mittlerweile ersetzt.

Mona Grudt, die berühmteste Frau, die Hell hervorgebracht hat, gewann 1990 die Krone der Miss Universe und nennt sich immer noch die „Schönheitskönigin aus der Hölle“. Während des Schönheitswettbewerbs las ihr eine Mitbewerberin eines Morgens beim Frühstück die Zukunft aus der Hand und prophezeite ihr, dass sie an einem Hirntumor sterben würde.

Sugar Pie DeSanto und ihre Band beim Proben in einem ihrer Hotelzimmer.

Kjell Inge Brovoll, alias „Hell Boss“, Gründer des Blues in Hell-Festivals.

Wie diese Welpen belegen, kommen nicht alle Hundebabys in den Himmel.

Bei jedem Konzert sucht sich Sugar Pie im Publikum einen Mann aus und nimmt ihn in ihre berüchtigte Beinzange. Sie behauptet, ihre Wahl habe nichts mit Attraktivität zu tun—ihr Kriterium sei lediglich der Körperbau.