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Video Games Killed the Radio Star

Heiner, der wohl älteste Battlefield-Krieger

Während andere Rentner es lieber ruhiger angehen lassen, ballert Heiner aus Magdeburg mit seinen 74 Jahren mit großem Erfolg Jugendliche im Spiel Battlefield über den Haufen.

von Basiliko Brenner
20 Oktober 2013, 8:37am

Mit seinen 74 Jahren und 8000 Spielstunden wird Heiner oft als „Battlefield-Veteran" bezeichnet. Mehrmals die Woche kämpft er sich mit seinem Team „The Chaos Company" über die virtuellen Schlachtfelder im Internet. Als dienstältester Battlefield-Spieler bekam er deshalb eine prominente Rolle im neuen offiziellen Trailer zur neuesten Auskopplung des virtuellen Schlachtenepos.

VICE: Woran liegt es, dass ältere Menschen eher schwer für Computerspiele zu begeistern sind?
Heiner: Schwer zu sagen. In meinem Umfeld sehen viele Computerspiele und Elektronik als etwas Dubioses an. Bei mir ist es ja so, dass ich beruflich mit der Impulstechnik zu tun hatte, und Elektronik schon während meines Studiums ein Hobby für mich war. Andere konnten gerade mal das Radio ein- und ausschalten.

Wann hast du angefangen zu zocken?
Ich komme ja aus der DOS-Zeit. Ich habe also alles von den Anfängen des Computers bis heute mitbekommen. Die reinen Spiele, so wie man sie heute kennt, sind ja eher so um 2000 aufgekommen, aber anfangs haben mich Adventure- und Arcade-Games interessiert, bis Shooter aufkamen. 2002 kam dann Battlefield 1942, da ging es dann bei mir so richtig los. Ich möchte diesen Ausdruck eigentlich vermeiden, aber „Kriegssimulationen" haben mich einfach fasziniert. Nicht weil dort Krieg simuliert wird, sondern weil das Spielen Spaß macht, und was mich zudem angezogen hat, war die Entwicklung der Spiele. Es geht nicht mehr nur darum, möglichst viele Leute in kürzester Zeit um die Ecke zu bringen, sondern dass man auch mit List und Tücke zum Erfolg kommen kann.

Du hast den 2. Weltkrieg ja noch selber miterlebt. Gibt es da nicht einen Konflikt mit eigenen Erlebnissen, wenn man ein Spiel mit so einem kriegerischen Thema spielt?
Ne, gar nicht. Ich wurde 1939 geboren, aber die Erlebnisse damals am Ende des Krieges—Bombengeräusch—kenne ich zwar, hatten aber ansonsten keinen Einfluss. Mir machen das Spielen und der Umgang mit Waffen, Fahrzeugen und Technik am Bildschirm einfach Spaß. So wie andere Briefmarken sammeln oder ins Theater gehen, Skat spielen, ist das einfach mein Hobby.

Ballerspiele haben ja den Ruf, dass sie Aggressionen verstärken. Ist dir das mal aufgefallen?
Nein, überhaupt nicht. Bei mir und den Teams, in denen ich spiele, steht so etwas überhaupt nicht zur Debatte. Ich sehe da überhaupt keinen Zusammenhang mit so etwas wie zum Beispiel Amokläufen. So etwas muss meiner Meinung an etwas Anderem liegen.

Merkst du, dass die Reflexe mit dem Alter langsam nachlassen?
Ja, doch, das merke ich schon. Hier und da lassen sie nach, aber bei mir persönlich ist es so, dass durch dieses ständige Spielen und Trainieren meine kognitiven Fähigkeiten sogar besser geworden sind. Ich merke das im täglichen Leben, vor allem beim Autofahren. Zum Beispiel reagiere ich schneller auf irgendwelche Erscheinungen als zum Beispiel mein Sohn.

Du spielst ja auch mit einem Team online. Wie reagieren Spieler, die halb so alt sind wie du, wenn du sie ausschaltest?
Seitdem es Online-Spiele gibt, war ich mit dabei. Ohne Vorbehalte und Schwierigkeiten bin ich mit eingestiegen. Viele wussten auch gar nicht, dass da plötzlich so ein alter Knacker mitspielt. Ich spüre heute noch, dass einige derartig verblüfft sind, es gar nicht fassen können, wenn sie das mitbekommen.

Hast du beim Online-Spielen mal jemanden getroffen, der in deinem Alter ist?
Da bin ich noch am suchen. Ich habe bislang niemanden getroffen ...

Was geht bei Battlefield 4 ab? Du tauchst ja auch im Trailer auf und hast es schon gespielt. Kannst darüber schon etwas sagen?
Da würde die Zeit gar nicht ausreichen. Es ist eine gewaltige Weiterentwicklung. Bei Battlefield 4 ist der große Unterschied, dass eine neue Engine verwendet wird und das Spiel auf ein ganz anderes Level stellt. Auch wenn man sich auf den ersten Blick in Battlefield 3 versetzt fühlt, merkt man beim Spielen die vielen, vielen anderen Dinge, die dort mitentwickelt wurden. Es ist ein ganz anderes Spiel als der Vorgänger. Das Gameplay unterscheidet sich ganz deutlich, was die Möglichkeiten des Einzelnen betrifft. Als Letztes zu erwähnen ist der Sound. Da wurde sich große Mühe gegeben. Wenn man in den Heli steigt oder die Panzerkanone schießt, das ist Musik in den Ohren.

Battlefield 4 erscheint am 31. Oktober 2013

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