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Airhorns, Trillerpfeifen und Spraydosen-Feuer – Die österreichische Dancehall-Szene

Ihr denkt, ihr hört keinen Dancehall? Sagt, Reggae und Dancehall sind scheiße? Wir beweisen euch das Gegenteil.

von Lukas Adam
22 November 2017, 4:07pm

Alex Zakhar

Adam Bassrunner ist DJ, Labelbetreiber und Radiohost. Der Bassrunner Reggae Corner ist Österreichs einzige Reggae-Dancehall Sendung im öffentlich-rechtlichen Radio und läuft jeden 1. Donnerstag, 23:30-24:00 auf FM4 . Seine Mixes, Produktionen und Sendungen gibt es hier nachzuhören.

Im Moment führt an Dancehall kein Weg vorbeiangeführt von Ed Sheerans "Shape Of You", folgt gefühlt jeder zweite Song in den Charts dem charakteristischen Groove der kleinen Karibikinsel mit dem Namen Jamaika. Sean Paul erlebt momentan seinen zweiten oder gar dritten Frühling und auch Major Lazer reiten seit einigen Jahren mit Dancehall auf der Erfolgswelle. DJ Khaled, Migos, Justin Bieber und ja, auch Jay-Z auf seinem letzten Album bedienen sich am Sound, der Attitüde und dem Lifestyle der Insel. Die österreichischen Tanzstudios werben mit Dancehall-Kursen, Dancehall-Choreos sammeln auf YouTube problemlos fünf- bist sechsstellige Klicks und Twerk-Contests sind nicht nur am Frequency ein Ding.

In der Großraumdisco, auf jedem HipHop-R'n'B-Jam und auf Urban- oder Bass-Partys laufen Dancehall-Tracks. Aus den Autos in der Hood pumpen Bonez MC, Raf Camora mit Palmen aus Plastik oder die KNM Gang oder meinetwegen auch Drake – alles Dancehall. Seit den Nullerjahren ging es Dancehall nie besser als heute. Auch in Österreich gedeiht nach langer und bewegter Geschichte endlich wieder eine Szene, mit launigen Protagonisten und unberechenbarem Clubleben – aber immer voller Vibes.

Dancehall History – Ein Schnelldurchlauf

Foto: Invasion Sound

Man glaubt es kaum, aber auch in Österreich hat Dancehall eine lange Tradition. Angefangen in miefigen Kellerclubs (wer erinnert sich noch an das Subzero?) und illegalen Partystätten, ist die Musik nach vielen Ups and Downs in Clubs wie The Legend, Volksgarten, Praterdome und vielen mehr angekommen.

Allen Kontroversen zum Trotz gehen die ersten austro-jamaikanischen Lebenszeichen und damit die Begründung der Szene auf den ehemaligen DJ, Radiomacher und Labelbetreiber Mickey Kodak zurück. Mit seiner Rebel Radio-Brand war Hottaflex Kodak der Erste, der Reggae ins öffentlich-rechtliche Radio gebracht hat. Zuerst bei Ö3, dann bei FM4, später dann zum offenen Radio Orange. Seine Mixtapes und CDs, haben eine ganze Generation an Dancehall-Heads geprägt. Rebel Radio waren auch die ersten vollgepackten Dances mit Airhorns, Trillerpfeifen und Spraydosen-Feuer. Rebel Radio stand für pure Dancehallvibes.

Leider aber auch für den unreflektierten Import eines reaktionären und homophoben Wertekatalogs, der im Rahmen der jamaikanischen Gesellschaftsstruktur im besten Fall zu erklären, aber im europäischen Kontext (und da leben wir nun mal) keinen Platz hat. So endet die Ära Rebel Radio mit einer gekaperten Radiosendung, Partyabsagen, öffentlichen Rundumschlägen und gipfelt in der öffentlichen Tortung Kodaks durch die rosa Antifa (wer erinnert sich noch an das Subzero?).

Foto: Alex Zakharov

Auch wenn er damit in vielen Augen für das kommerzielle Ende des Dancehall-Hypes Anfang der Nuller Jahre mitverantwortlich ist, in Folge dessen die wichtigsten Wiener Clubs Reggae und Dancehall aus ihrem Programm gestrichen haben, war er es auch, der zu einem maßgeblichen Teil zur Etablierung des Genres in Österreich beigetragen hat.

Nicht ganz so explizit, aber deswegen nicht weniger heiß, ging es beim legendären Top Shotta Club, einem der ersten Regulars Wiens, zu. Ein Treffpunkt für alle Dancehall-Fanatics und Upcoming-Artists der Crew rund um Produzent O$$ Bo$$, Jah Power Sound, Kiki Reloader und Camel. Aus diesem Dunstkreis ist später auch eine Flut an Selectors, Sounds, und Artists entsprungen. Mit dabei an vorderster Front waren auch der Wiener Treasure Isle Sound, der mittlerweile einer der Foundation-Sounds mit der dicksten Dubplate-Box Österreichs ist. Vitamin Sound von Cutty Mello und die Linzer Soundsgood Family angeführt von Selector Bert, haben als erster österreichischer Sound regelmäßig Deutschland, die Schweiz und Italien betourt. Einen großen Beitrag zur Szene haben die Jungle-Crews Wickedsquad/Spaceant, Synergetic und Subotron mit ihren erfolgreichen Ausflügen und Verknüpfungen zwischen D'n'B und Reggae geleistet, um die prägendsten Protagonisten der Dancehall-Frühzeit abzuschließen.

"In Linz gibt es schon seit Jahren eine kleine Dancehall-Szene. Den Samen dafür säte damals SoundsGood – meines Wissens auch das erste richtige Soundsystem in Linz in den 90er Jahren/Anfang 2000er. Also fast schon 20 Jahre her. Durch die urbane Szene hier – Linz war ja damals die HipHop-Hauptstadt Österreichs – fiel das Ganze auf fruchtbaren Boden", bestätigt Paul Krackowitzer die Entwicklung. Krackowitzer selbst ist Drummer der österreichischen Reggae-Backing-Band Fireman Crew und Veranstalter in Linz.

Foto: G-Spot

Rund um die Jahrtausendwende geht es dann so richtig los – volle Dancehall-Partys und motivierte Crews in jeder größeren Stadt Österreichs, stundenlange Dubplate-Sessions mit internationalen und nationalen Live-Artists. Erfolgreiche CD- und Vinyl-Releases inklusive. In dieser Zeit wurden Mono Nikitaman groß, der umtriebige Entrepreneur Christoph Moser (RIP!) veröffentlichte ganze fünf Teile der bekannten Dancehall Fieber-Serie und die heute noch aktiven Sounds wie G-Spot (Wien), Boomerang (St. Pölten), Sugarcane (Innsbruck), Ithopia (Graz) und mein eigenes Baby, Bassrunner (Wien), prägen die jeweils lokalen Szenen. Oft sind es die Sounds, die in Personalunion die Dances und Live-Shows organisieren und veranstalten.


Video: Die LGBT-Dancehall Szene in London:


Mit Bunfire Squad hat sich dann eine DJ- und Promoter-Crew formiert, die Wiens Szene eine gute Zeit lang geprägt hat, bis – sagen wir einmal juristische Herausforderungen die Arbeit des Squads kurzfristig einstellen sollten. Mittlerweile ist Bunfire zurück im Konzert-Business und hat eine eigene Modelinie mit Namen Bunfire Wear gestartet. "Zu unserer Zeit damals hatten Mikey Kodak, Bassrunner und Bunfire Squad die Szene geleitet. Mittlerweile hat ein kleiner Generationenwechsel an der vordersten Front stattgefunden. Es gibt aber nach wie vor alle bekannten Gesichter", weiß Reggae-Sänger Rekall über die goldenen Jahre zu berichten.

Nach dem Zusammenfall des großen Hypes sorgte in der nächsten Welle die neue Generation mit OSF Sound, Irie Sound und das Veranstalterkonglomerat der Ready2Rumble-Reihe rund um Sherwin Yamuti für den Bestand der Szene. Sie paarten hype Dancehall-Floors mit heimischen Elektronikern und sorgten damit für Warteschlangen vor dem Leopold und der Pratersauna. Mit einer Symbiose aus Drum'n'Bass und Dancehall sorgen die Regulars City of Bass in St. Pölten und Wien für volle Häuser. Zeitgleich nimmt in Innsbruck der Invasion Sound seine Arbeit auf und legt gemeinsam mit der Riverhouse Crew aus Fieberbrunn den Grundstein für den bis heute anhaltenden Dancehall-Boom im gesamten Bundesland. In keiner anderen Provinz tut sich mehr als in Andreas Hofers Heimat.

Langsam findet in dieser Zeit auch der Soundclash seinen Weg nach Österreich. Beginnend mit spontanen DJ-Battles und Selectors-Clashes mit Publikumsvoting, finden in Folge musikalische Auseinandersetzungen mit internationaler Beteiligung und Resonanz, wie beispielsweise King of Europe, Live and Let Die oder King of the Mountain, statt.

After all – Die aktivsten Crews, die besten Partys und Festivals

In dieser Aufbruchstimmung tut sich viel in Österreichs Dancehall – Sounds/DJs kommen und gehen, Clubs sperren auf und wieder zu, Party-Veteranen gehen nicht mehr aus, dafür nimmt ein frischer Schwung an Dancehall-Fanatics die Clubs ein und sorgt dafür, dass ge-wined, ge-twerked und vor allem abgefeiert wird.

Einer der momentan aktivsten und erfolgreichsten Heads ist sicher DJ Smo. Ursprünglich musikalisch sozialisiert bei der Kärntner Four Star Foundation, wurde er vergangenes Jahr vom internationalen renommierten Jugglerz Sound abgeworben und bespielt seitdem Dances in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Vorallem seine Remixes und Produktionen sorgen für Furore. "Aus meiner Sicht, ist fast alles besser geworden: jamaikanische Musik hat sich im Mainstream und der Popmusik etabliert und Künstler wie Sean Paul, Shaggy, OMI oder Charly Black sind in den Billboard Charts zu finden. Drake kollaboriert mit Popcaan, Ed Sheeran macht unwissend Dancehall und Kranium hält mit Ty Dolla Sign Vibes, während Meska von Jugglerz mal mit Zuna, Miami Yacine und aktuell Bausa ("Gib mir mehr davon" Anm. d. Verf.) in Deutschland und Schweiz vor Kendrick auf die #1 geht. Natürlich sehnt man sich ab und zu nach den knallenden Riddims der Neunziger, aber mittlerweile sind jedes Jahr mehr Leute bei Dancehall-Events zu finden und noch nie war der Drang so groß, den Dancehall-Lifestyle zu erleben wie heute", schätzt Smo die Situation ein.

Bestätigt wird das Ganze, wenn man sich die Urban Affairs Events in Linz ansieht, bei denen es egal ob bei LNZ got Vibes oder Jammin ab Mitternacht proppenvoll oder ausverkauft ist. Salzburg hat mit seinem Ras Sound von Selekta Mykal und DJ/MC C-Black, eine authentische Crew, die an gefühlten sieben Tagen in der Woche die Stadt an der Salzach im Soda Club oder im Jazz it mit jamaikanischen Vibes versorgt. In Tirol sorgen neben den bereits erwähnten Invasion, Sugarcane und das Riverhouse, befreundeten Sounds wie Innfaya, Shizzle Sound und Ironshirt für Vibes. Regelmäßigen Partys wie die Riddimz Night im Dachsbau, Light it Up und Rub-a-Dub Invasion bieten ein vielfältiges Programm für Dancehall-Heads und Roots-Liebhaber

DJ Smo

"Die Reggae Dancehall-Szene ist sehr vielfältig in Innsbruck. Die ältere Generation bevorzugt eher den Roots Reggae und Dub Music. Dann gibt es die Hardcore Dancehall-Fans, die die neuesten Produktionen von Popcaan, Alkaline, Mavado etc. abfeiern. Dann gibt es auch noch die Dancers, die natürlich jede Menge Stimmung bei den Partys machen. Es ist aber trotzdem alles eine Szene und man trifft die Roots-Liebhaber genauso auf einer Hardcore Dancehall Night und umgekehrt", erzählt Veranstalter Jocki Köfler. Seit fünf Jahren hat Tirol mit dem Hill Vibes auch sein eigenes Festival, nur einen Katzensprung von Innsbruck entfernt.


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Obwohl Graz die zweitgrößte Stadt Österreichs mit einer großen Studentenschaft ist, findet man außer dem regulären Bass Culture Dance des lokalen Ithopia Sound, nur wenig Karibisches. Qualität wird seit Jahren auch in Villach von der gesundgeschrumpften Szene rund um die Four Star Foundation geboten. Mit der Fourward-Reihe, sowie diversen Kooperationen mit ansässigen Veranstaltern, arbeitet Four Star MC Max seit vielen Jahren für eine bessere Dancehall in Kärnten und sieht die Zukunft positiv: "Es hat sich seit damals schon viel verändert! Die Jugglings werden auch aufgrund des Equipments immer besser. Es ist viel einfacher geworden, an neue Tunes zu kommen. Früher hast du ewig auf deine Plattenlieferung warten müssen. Heute wird ein Tune in Jamaica recorded und am nächsten Tag läuft er in allen Dancehalls der Welt. Partymäßig ist sicher am auffälligsten, dass auch die Tanzszene in Österreich in den letzten Jahren immer größer wird." Seit Jahren ein Garant für ein tolles Programm in einer eher ungewöhnlichen Gegend, ist das Eastrock Festival in Lienz, veranstaltet von Irievibrations Entertainment, das heuer mit u.a. Bonez MC und Raf Camora ein zeitgemäßes und spannendes LineUp geboten hat. Bewegt man sich wieder Richtung Osten findet man in Wiener Neustadt, das SUB, einen Club der mit der Wha gwaan Reihe auch dort für die richtigen Vibes sorgt.


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Und die Bundeshauptstadt? Ist Wien auch die Dancehall-Hauptstadt? Dazu gibt es je nach Blickwinkel unterschiedliche Meinungen. Von einem vorsichtigen: "Es gibt in Wien definitiv eine Dancehall-Szene. Ich würde sagen, sie ist überschaubar," des G-Spot Selecta´s Koolbreak bis zu der schlichten aber euphorischen Antwort von Veranstalter Paul Krackowitzer: "Wien!" Aktuell wird hier von wöchentlichen Regulars über monatlich veranstaltete Clubnächte mit unterschiedlicher Ausrichtung alles geboten, was Spaß macht – Hardcore Dancehall, Dancers Editions, Mottoabende, Roots Culture und auch Dub. So wird im Ride Club gleich bei mehreren Nächten wie Shake the City mit dem Veteran DJ 3gga und den Exil-Salzburgern von Ras Sound zu jiggy Vibes abgetanzt.

Alex Zakhar

Die beiden Promoter hosten auch das gefragte So mi like it im Loft am Gürtel. Der Kultclub Flex hat sich nach jahrelangem Boykott wieder dem karibischen Lifestyle geöffnet und Wiens einziger weiblichen Dancehall-Veranstalterin Pandora die Möglichkeit gegeben, bei ihrer monatlichen Tun Ova-Partyreihe den besten Bass der Stadt zu bieten. Mittlerweile ist das Vienna Tun Ova in den wiedereröffneten Camera Club übersiedelt. Nicht zu vergessen ist eine der dienstältesten noch aktiven Crews, G-Spot Sound, die mit ihrem Maaad Jamaican Juggeling im Roxy, stets neue Gäste präsentieren und musikalisch am Puls der Zeit sind.

Ein weiterer neuer Club von G-Spot und OSF Sound mit Namen Bruk off yuh back der in jeder Ausgabe ein neues Motto featured, findet ebenfalls in der legendären Camera seine neue Heimat. Und seit kurzem hat sogar die Juicy Crew international bekannte Gäste wie beispielsweise den UK Radio-DJ Robbo Ranx auf dem LineUp, bei dem HipHop, Trap und Dancehall partytauglich gemischt werden. Vor allem in den intimeren Clubs wie Roxy oder Auslage treffen sich gerne auch Tänzerinnen und Tänzer und sorgen bei diesen Geheimtipps mit ihren Tanzeinlagen für regelmäßige Highlights.

Dancehallqueen und Choreographin Janet Phönix ist bei diesen Battles immer wieder mit dabei und meint: "Unser Tanzen bei den Partys ist mehr ein Teilen als ein Battlen. Was meiner Meinung nach die Szene verbessern würde, ist die Zusammenarbeit von Tänzern und Party-Veranstaltern. Ich denke, es würde die Partys noch besser machen, es heißt ja nicht umsonst 'Dance-hall'".

Starbwoy – Live Artists, Bands und Produzenten

Foto: Invasion Sound


Doch Reggae und Dancehall lebt nicht nur von der Party alleine. In Jamaika sind sogenannte "Stageshows", kleinere und größere Festivals mit Auftritten der beliebtesten Sänger und Deejays (jamaikanisch für MCs), essentieller Bestandteil der Ausgeh- und Feierkultur. An fast jedem Wochenende findet man auf der Insel diese Live-Happenings. Mit dabei sind neben den Selectors auch die Live-Bands oder Backing Bands, die gleich einen ganzen Abend lang die unterschiedlichen Künstler begleiten. Auch wenn schon sehr im special interest zu Hause, findet man ähnliches auch in Österreich. Zwei der bekanntesten Bands, House of Riddim aus St. Pölten und die Fireman Crew aus Linz, konnten sich mittlerweile als verlässliche Adresse und Partner für jamaikanische und europäische Top-Acts wie Anthony B, Chuck Fender, Perfect Giddimani, Konshens, Jah Mason und Cali P behaupten. Ihr Festivalkalender spricht Bände.


Video: Ed Sheeran trifft Stormzy



Ein ebenso hohes Level hält House of Riddim-Mastermind Sam Gilly bei seinen Produktionen und Releases, die im eigenen Studio komponiert und aufgenommen wurden, mittlerweile dreistellige Katalognummern tragen und die Stimmen fast aller relevanten europäischen und in Europa beliebten, jamaikanischen Reggae-Acts beheimaten. Ähnlich fleißig ist das Label Irievibrations Records rund um Producer Syrix, das kürzlich seinen hundertsten (100!) Release mit dem großartigen Album Dubstation gefeiert hat. Bis dato hat das Produzententeam mit ihren Produktionen u.a. Superstar Konshens zum Durchbruch in Europa verholfen, Reggae-Urgestein Luciano auf Albumlänge aufgefrischt und Bonez MC Raf Camora zu Platin verholfen.

Syrix ist außerdem Teil des Duos Iriepathie, den bislang einzigen Gewinnern eines "Reggae"-Amadeus-Awards und einer der wenigen österreichischen Reggae-Acts, die es geschafft haben, auch außerhalb des Landes Gehör zu finden. Am weitesten gekommen ist in dieser Hinsicht mit Sicherheit die Sängerin Mono von Mono Nikitaman, die nach 6 Studioalben seit über 15 Jahren Fixstarter bei allen relevanten Reggae- und Alternative Festivals in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind. Natürlich gab es außer diesen beiden immer wieder vielversprechende Talente und interessante Künstler wie Thaistylee, für den eine internationale Karriere möglich gewesen wäre, oder auch El Condorsito, Cheese Vibes, Raggamaffia, Emiliano, Milkman, die tolle Shows gespielt und einzigartige Songs recorded haben. Schlussendlich aber, wie im Original, entweder an ihren inneren Dämonen oder der fehlenden Anerkennung und der daraus resultierenden Wertschöpfung gescheitert sind.

Kevin Rieseneder

Momentan tut sich neben den Clubs auch in den Studios und auf den Live-Bühnen viel. Eine Gruppe von frischen und motivierten Acts versorgt das Land mit unverbrauchten und originären Vibes. Ob in Mundart und in voller Bandbesetzung wie bei Rebel Musig aus Tirol, die gerade ihr zweites Album released haben, oder dem Trap- und Dancehall-Lord C-Black aus Salzburg der nach seiner HipHop-EP, in den kommenden Wochen sein Dancehall-Projekt dropped, dem hardest-touring Linzer Kinetical mit neuem Mixtape, dem niederösterreichischen Talent Bandulu oder dem Wiener Shootingstar Rekall, der nach seinem erfolgreichen From Vienna to the World Mixtape derzeit eine neue EP mit dem programmatischen Titel Vibes Ambassador veröffentlicht – Austria got vibes!

Es sieht also gut für euch aus, wenn ihr in den kalten Tagen diesen spannenden Sound auch live genießen wollt. Das weiß auch Rekall: "In den 18 Jahren, in denen ich jetzt Reggae und Dancehall höre, hat sich natürlich sehr viel entwickelt. Ich denke, dass Dancehall im Augenblick einen Trend erlebt. Vielleicht sogar einen Kommerz-Hype. Damals hatte es Sean Paul wie kein anderer verstanden, die breite Masse mit jamaikanischer Musik zu unterhalten. 2017 gibt es einige, die einfach Hits produzieren und somit das Interesse beziehungsweise die Aufmerksamkeit von US-Stars gecatched haben. Allen voran Konshens, Busy Signal, Charly Black, Spice uvm. Mittlerweile repräsentieren Drake, Rihanna, Chris Brown Dancehall im Mainstream und das hilft der Szene sehr."

Highest Level – Wie sieht es aus und wohin geht es

G-Spot Sound

Dancehall auf der Straße, Dancehall im Club, Dancehall auf der Bühne. Jeder, der den karibischen Lifestyle liebt oder mit dem sexy Flair liebäugelt, kann im Moment zufrieden sein, muß aber auch das vielfältige Angebot nutzen, ausgehen, tanzen, Musik kaufen. Ein wichtiger nächster Schritt wäre es, die vielfältigen Veranstalter-Persönlichkeiten an einen Tisch zu bekommen, um das Überangebot zu koordinieren und weiterzuentwickeln. Dann könnte sich Wien tatsächlich als eine DER europäischen Dancehall-Metropolen etablieren, oder wie Selekta Mykal von Ras Sound meint: "Natürlich sehnt man sich als Dancehall- und Jamaika-Fan nach einigen Sachen, die dort auf den Partys üblich sind, wie gutes Essen direkt auf dem Dance, meterhohe Boxentürme, die teilweise die ganze Nachbarschaft beschallen oder als DJ natürlich insbesondere Money Pull Up’s als Trinkgeld oder der Hustler von dem man über Erdnüsse, Feuerzeuge, Zigaretten bis hin zu Weed alles kaufen kann. Aber Spaß bei Seite, was mir in Deutschland vor allem aufgefallen ist, ist dass sie es dort wirklich geschafft haben die Szene wirklich zu verbreitern und viele Leute auf den Dances sind die jetzt nicht nur unbedingt eingefleischte Dancehall-Fans sind. Da ist Dancehall in der ganzen Clubkultur einfach schon viel etablierter. So etwas wäre natürlich auch für Österreich wünschenswert." Oder wie auch Selecta Koolbreak bestätigt: "Es müssten endlich alle anfangen, an einem Strang zu ziehen. Dann wäre vieles leichter." Schlussendlich läuft es also auch in der manchmal roughen und oft exzessiven Dancehall-Szene – wie im echten Leben auch – auf jenen Punkt hinaus, auf den es ankommt: One Love.

Alex Zakharov

Anm. des Verfassers: Der vorliegende Text ist als Analyse und Einblick in eine komplexe Szene zu verstehen, die keinesfalls den Anspruch erhebt chronologisch und inhaltlich alle Geschehnisse bzw. Protagonisten abzubilden. Bei einer Zeitachse dieses Umfangs mit entsprechend vielen Namen, ist das in dieser Form nicht möglich. Was jedoch keinesfalls die Errungenschaften Nicht-Genannter schmälern oder als respektlos verstanden werden soll. Big Up Lady BK, Pezo Fox, Badfish, Südmassiv, Tu-Gedda, Fireclath, Mountain Top High Power, Three Lake, Soundtank and Red Bull Sound sameway. It´s just love for the music, Peace!

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Bonez MC Raf Camora zu Platin verholfen.

Wiens einziger weiblichen Dancehall-Veranstalterin Pandora die Möglichkeit gegeben

das gefragte So mi like it im Loft am Gürtel.

Die Reggae Dancehall-Szene ist sehr vielfältig in Innsbruck

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ußer dem regulären „Bass Culture“ Dance

Innsbruck

Die Reggae Dancehall-Szene ist sehr vielfältig in Innsbruck

Die Reggae Dancehall-Szene ist sehr vielfältig in Innsbruck

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