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Musik

MUSIKREVIEWS

18.9.10

Hier sind unsere Reviews zu Gurumaniax, Parlovr, Matula und People Like us & Wobbly

GURUMANIAX
Psy Valley Hill
Bureau B/Indigo

In Erwartung der nahenden Krautrock-Renaissance hatte ich vorsorglich bereits ein paar herablassende Rezensionen verfasst, um dann nur noch die entsprechenden Namen einsetzen zu müssen. Denn nichts brauchen wir heute weniger als einen Haufen senil bekiffter Wohlstandsrentner, die nachträglich ihr großes Vermächtnis von damals verschandeln. Ich wollte also gerade zu einer umfassenden Schimpftirade ansetzen, da fiel mir auf, dass der damalige Guru Guru-Gründer Mani Neumeier mit 70 Jahren immer noch einer der besten Schlagzeuger des Landes ist, im Leben alles richtig gemacht hat und somit jegliche Form unkonstruktiver Kritik automatisch an ihm abprallt.

GOLDEN WAX

PARLOVR
Parlovr
Dine Alone/Soulfood

Heute Morgen lagen zwei Dinge in meinem Postkasten: Ein Drohbrief mit Absender „Moskau Inkasso GmbH“ und die Platte einer neuen Indierockband aus Montreal. Ich wollte den unangenehmen Teil schnell über die Bühne bringen und legte die CD ein. Leider entsprach sie genau meinen Erwartungen und somit bleibt das Rätsel ungelöst, wie eine Stadt mit gerade mal anderthalb Millionen Einwohnern eine gefühlte Trilliarde Musiker hervorbringen kann, die alle wie eine Mischung aus Arcade Fire, den Talking Heads und Kate Bush klingen. Das ist gefährliche Blasenbildung, und wenn schon sehr bald die kanadische Nationalökonomie in einem Loch aus dunkler Materie implodiert, soll man nicht wieder behaupten, niemand hätte das vorhersehen können.

ERICH RUMMECKER

PEOPLE LIKE US & WOBBLY
Music for the Fire
Illegal Art

Dies ist ab jetzt die einzig relevante Platte aller Zeiten, gemacht von wirklich klugen Menschen. Du wirst verstehen, was ich meine, wenn Du sie gehört hast. Die Hölle unseres irdischen Daseins ist darauf eingefangen, die grässliche Wahrheit über unsere Existenz. Von hier aus gibt es kein Zurück mehr.

CHEESE TO EXIST

MATULA
Blinker
Zeitstrafe

Wenn die Jungs vom Dorf, die das Abi haben, über den Zivildienst hinaus Musik machen, die nicht zum Tanzen gedacht ist, kann eigentlich nur irgendeine Postpunk-Variante dabei herausspringen. Wenn sie auch noch was zu sagen zu haben glauben (Deutsch-Leistungskurs), nannte man dies früher Hamburger Schule. Aber irgendwann geht auch die zu Ende, und man wird ins echte Leben gespuckt, mit dem man dann klarkommen muss, alle Peergroup-internen Coolness-Boni gelten da nichts. Das ist dann der Moment, wo sich die meisten für ein linksliberales Bürgerdasein im Speckgürtel der Vororte um die Hansestadt entscheiden, um dort dann im Home-Office den Kindern von Papas wilder Band-Zeit zu erzählen, derweil das Telefon klingelt, der Kunde möchte noch mal einen neuen Entwurf, und, ach ja, Mamas Smart muss auch noch aus der Werkstatt abgeholt werden.

ETHISCH FEIN RAUS