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Reisen

Gefährliche Käsefresser

27.9.10

Amerikaner hassen Franzosen, weil sie denken, dass Franzosen Amerikaner hassen. Darum freut sich jeder Pariser einen Ast ab, wenn er einem Ami die falsche Wegbeschreibung gibt und ihn um fünf Ecken zum Ziel schickt. Ich habe den August in Südfrankreich verbracht, umgeben von den Cowboys, die ihr Genick für eine der kränksten Sportarten der Welt, Carmargue, riskiert haben.

Fliegen zu können, kann bei dieser Sportart ziemlich hilfreich sein.

Jetzt, wo traditioneller spanischer Stierkampf in Katalonien ab 2012 verboten sein wird, ist die Zeit für Spanier gekommen sich dem Carmargue zu widmen. Für eine dermaßen blutrünstige Nation wie Franzosen (Aristos, Foie gras, die Liste der Unmenschlichkeiten ist endlos), ist es überraschend großzügig, die blutigen Stierkämpfe für die Bullen so sicher wie möglich zu gestalten. (Aber vielleicht macht ja auch nur die Gefahr für die Kämpfer den ganzen Reiz aus).

Jedes Event fängt mit fürchterlicher traditioneller französischer Musik und Tanzeinlagen an. Ohne das wäre Frankreich nicht Frankreich.

Das Spiel ist ziemlich einfach. Man nehme 14 ziemlich athletische Männer, nenne sie Raseteurs, stecke sie in eine Arena und packte einen wütenden Stier dazu. Dann schaut man zu, wie acht von ihnen, vier rechts und vier links, versuchen, mit einer Metallkralle einer Rose von den Hörnern des Stiers zu reißen. Es ist einfach und dumm zugleich. Jede Rose bringt eine gewisse Menge an Geld. Aber je länger es dauert die Rose abzureißen, um so mehr Geld wird vom Publikum zugeworfen, was gleichzeitig die Einsätze erhöht.

Sonst befinden sich sechs andere Typen in der Grube, die hin und her laufen, und den Bullen in Rage bringen. Sie schreien und werfen ihm Sand in die Augen. Üblicherweise sind es ehemalige Kämpfer, die bereits zu müde für richtige Kämpfen sind.

Eine Raseteur Karriere kann ziemlich kurz sein und Verletzungen stehen an der Tagesordnung. Der Typ auf dem Bild ist Michael Matray, Er ist ein ehemaliger Camarguise Champion. Vor zwei Jahren wurde er von einem Stier schwer verletzt, wobei sechs seiner Rippen gebrochen, die Milz gerissen und das Becken ausgerenkt wurde. Er hat aber trotzdem weiter gekämpft.

Dennoch sind die Stars des Camargue Kurs die Stiere. Plakate für bevorstehende Ereignisse tragen nicht die Gesichter der erfolgreichen Raseteurs, sondern der Bullen. Auch die Innenstädte haben keine Statuen von berühmten Raseteurs, sondern der berühmten Stiere, die eine lange und glorreiche Karriere hatten.

Der Typ mit dem Cap hat eben gerade dem Bullen Sand in die Augen geworfen. Ehhh…

Nachdem die Veranstaltung vorbei ist, sieht jeder den besten Cowboys der Stadt zu, wie sie durch die Hauptstraße reiten und eine Herde Bullen vor sich her treiben, die durch die Menge stapft. Ich habe keine Ahnung, warum sie das machen, aber witzig wurde es, als dieser Mann sein Kind nahm und "Angsthase" mit den Bullen spielte.

Danach gehen die Leute zurück ins Stadium und die Kinder kommen an die Reihe, mit den Bullen zu spielen. Das Ziel dieses gefährlichen Irrsinns ist es, einen Eimer mit soviel Wasser wie nur möglich zu füllen, während man vor einem sehr gereizten Bullen flüchtet.

Der Bulle mochte dieses Kind nicht, also hat er ihm sein Horn in den Arsch gerammt. Pech gehabt.