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Wie oft solltet ihr wissenschaftlich gesehen pro Woche duschen?

Die tägliche Dusche ist nicht nur erfrischend, sondern hat auch ganz schön viele Nachteile.
12.4.16
Die tägliche Dusche ist nicht nur erfrischend, sondern hat auch ganz schön viele Nachteile. Foto: Imago

Jeden Morgen erst mal eine ausgiebige Dusche, und der Tag kann beginnen. Was für viele deutsche Körper mittlerweile feste Routine ist, hat außer einem erfrischenden Gefühl wissenschaftlich gesehen eigentlich nur negative Eigenschaften. Das regelmäßige Entfernen der hauteigenen Fette trocknet vor allem aus und liefert eine wunderbare Brutstätte für Bakterien aller Art. „Dein Körper ist eine von Natur aus gut-geölte Maschine", bekräftigt C. Brandon Mitchell, Dermatologe an der George Washington University in Washington D.C.. Er bringt das moderne Duschverhalten mit einem „Ich denke, die meisten Menschen über-waschen sich" auf den Punkt.

Wer sich also besonders gründlich schrubbt, bezweckt damit möglicherweise genau das Gegenteil. Ein einfaches Händewaschen vertreibt in der Regel alle Bakterien, die dich mit Krankheitserregern infizieren könnten. Wer zusätzlich noch seine Kleidung wäscht, entfernt damit schon eine Menge Schmutz und toter Zellen, die der Körper im Laufe des Tages absondert.

Der Frische-Effekt

Bakteriologisch gesehen hat das tägliche Duschen überhaupt keinen Effekt, auch speziell als besonders anti-bakteriell angespriesene Produkte zeigen keine andere Wirkung als die gute alte Seife. Viele dieser speziellen Duschgels enthalten zusätzlich den gesundheits- und umweltschädlichen Konservierungsstoff Triclosan. Dieser hat nicht nur eine antibakterielle und geruchshemmende Wirkung, sondern kann auch Kontaktallergien auslösen und Antibiotikaresistenzen fördern.

Die Sauberkeit fördert dabei einige schmutzige Tricks zu Tage. Pseudowissenschaftliche Begrifflichkeiten wie „schlechter Atem" und „Körpergeruch" entstanden beispielsweise erst mit dem Aufkommen der Schönheitsindustrie, welche ihre Produkte an die dreckigen Menschen bringen wollte, berichtet Gizmodo. Die propagierte regelmäßige Dusche ist also auch ein erfolgreiches Marketingergebnis der im letzten Jahrhundert aufkommenden Badeschaum-, Seifen- und Shampoo-Industrie.

Auch beim Duschen ist Wasser nur in Maßen gut für euren Körper. Foto: Imago

Die Bakterien-Falle

Wer dennoch nicht auf eine regelmäßige Dusche verzichten kann und nach dem Sport den Schweißgeruch los werden möchte, sollte lediglich Achselhöhlen, Po und den Lendenbereich waschen. „Der Rest deines Körpers muss nicht so oft eingeseift werden", so Mitchell. Ein bis zwei mal die Woche reichen schon, dann werden die natürlichen Hautfette ebenso wie die guten, das Immunsystem unterstützenden, Bakterien erhalten. Diese Frequenz bewahrt auch vor einer allzu trockenen Haut, die sich ablöst und die kleine Lücken im Hautbild entstehen lässt. Dort nisten sich nur zu gern Keime ein, die zu unterschiedlichsten Infektionen führen können. Der nasse Körper sollte außerdem nicht abgerubbelt, sondern nur trocken getupft werden, auch das verhindert Irritationen.

Auch wenn sie auf der Kleidung nicht unbedingt erwünscht sind, stellen tote Hautschüppchen am Körper keinen Grund für ein sofortiges, aggressives Körperpeeling dar. Diese kleinen Absonderungen bewahren die Haut nämlich vor dem Eindringen schädlicher Chemikalien, welche auch andere Bereiche des Körpers schädigen können. Ein aggressives, antibakterielles Duschgel enthält oft sogar selbst ungesunde chemische Inhaltsstoffe.

Warmes Wasser, das die meisten Menschen für ein angenehmes Wohlgefühl bevorzugen, weicht deine hauteigenen Öle auf. Es wäscht dabei nicht nur die Sorgen und den öden Alltag fort, sondern auch diese wichtigen Feuchtigkeitsspender deines Körpers und fördert die Entstehung von Hautirritationen. Klassische unschöne Begleiter wie Rosazea oder Ekzeme können mit einer geringeren Duschfrequenz und weniger toxischen Reinigungsmitteln in den Griff bekommen werden und möglicherweise sogar vollständig verschwinden.

Die Duft-Frage

Falls du bisher kein Glück mit der Partnersuche hattest, könnte das auch an deinem verwaschenen oder von einem starken Deo übertünchten Körpergeruch liegen. Wer weniger duscht, riecht mehr nach sich selbst. Das zieht einerseits die perfekt auf dich abgestimmte Auswahl an Sexualpartnern an, kann wiederum aber zum Ende der Beziehung führen, wie eine Studie über die Ursachen von Trennungsgründen offenbart. Eine gute olfaktorische Selbstwahrnehmung sollte stets vorhanden sein und die Quelle des Geruchs mit einer sanften Seife, mit möglichst wenig Inhaltsstoffen, behoben werden.

Ein Reddit-Selbstversuch dürfte dabei auch den Zweiflern die Angst vor ein wenig Duschabstinenz nehmen: Eine Familie, die sechs Monate lang komplett auf den Gebrauch von Seife verzichtet und statt dessen lediglich Wasser zum Waschen benutzt hatte, erfuhr am eigenen Leib, wie sich die Duschpause auf den Körper auswirkt. Am Ende des Experiments war ihr Körpergeruch komplett eingedämmt, Akneprobleme hatten sich deutlich verbessert und „der Geruch der Lendengegend war signifikant zurückgegangen".

Das Haare-Dilemma

Allerdings gibt es ja auch noch die Haare, welche wiederum noch einmal ganz andere Anforderungen an die Reinigung stellen. „Bei Leuten mit trockener Kopfhaut und Haaren reicht eine Wäsche lediglich alle paar Wochen", so Mitchell.

Wer jedoch unter Schuppen leidet oder seine Haare aus anderen Gründen öfter shampoonieren muss, der darf das auch ein paar mal die Woche machen. Das genügt, so Mitchell.

Wer das Gefühl hat, sein Leben nun noch einmal komplett überdenken zu müssen und auch die Wasserverschwendung beim Duschen und Baden nicht länger in Kauf nehmen möchte, der hält sich am besten an David Whitlock. Der Chemiker hat seit zwölf Jahren überhaupt nicht mehr geduscht und entwickelte statt dessen ein Spray mit Ammonium-oxidierenden Bakterien, welches er zur täglichen Körperhygiene verwendet. Wie er uns letztes Jahr im Interview erzählte, sei er noch nie so glücklich gewesen in seinem Leben.