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Mächtiger Zelda-Hack eröffnet Möglichkeiten, die ihr euch nicht mal vorstellen konntet

Bananenregen oder gegen alle Bossgegner auf einmal kämpfen: Das alles und noch viel mehr geht jetzt auf dem Abenteuerspielplatz Hyrule – zwei Gamern sei Dank.
18.5.17
Screenshot: YouTube

Von all den Vorzügen, die The Legend of Zelda: Breath of the Wild bereits jetzt zu einem modernen Klassiker der Videospielgeschichte gemacht haben, sind die schier unüberschaubaren Möglichkeiten der Spielwelt der vielleicht größte Pluspunkt: Was in der Theorie plausibel klingt, funktioniert meist auch in der Praxis. Keine Lust, leitfähige Boxen so zu verschieben, dass sie einen Stromkreis schließen? Kein Problem, das Rätsel lässt sich problemlos umgehen: Auf den Boden geworfene und zu einer Kette aneinander gelegte Waffen auf Metallbasis erfüllen denselben Zweck, auch wenn das so nie von den Entwicklern vorgesehen war. Die Welt von Hyrule ist ein riesiger Spielplatz – ein neuer Hack multipliziert dessen Verrücktheit aber nochmal um ein Vielfaches.

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Der "Accio Master Code" erlaubt es, nahezu alle Spielobjekte in beliebiger Anzahl im Spiel erscheinen zu lassen, von gewöhnlichen Gegenständen über Charaktere bis hin zu Bossgegnern. "Mit ein bisschen Recherche konnten wir herausfinden, wie das Spiel Objekte manifestiert", schreibt der User MrBean35000vr unter seinem YouTube-Video, in dem er die irrwitzigen Möglichkeiten seiner Entwicklung demonstriert. Gemeinsam mit dem Nutzer Chadderz habe er schließlich einen Weg gefunden, um diesen Trick für alle Spieler nutzbar zu machen. Das Ergebnis: Etliche Zeilen Code, die mithilfe eines Cheat-Programms, das via SD-Karte in die Wii U geladen wird, schließlich ihren Weg ins Spiel finden.

Der Accio-Code befindet sich bislang noch in der Beta-Phase und ist ausschließlich mit der Wii-U-Version kompatibel, läuft aber bereits weitestgehend stabil. Wichtig war dem Duo eigener Aussage zufolge, den Hack möglichst einfach zu halten, um auch unerfahrenen Spielern dieses skurrile Erlebnis zu gewähren. Ist der Code eingerichtet, muss man lediglich eine beeindruckenden Liste nach Objekten durchforsten, die gleich im Spiel erscheinen sollen, und die entsprechenden Begriffe eintippen. Technisch versiertere Gamer können zudem zahlreiche Parameter ändern und sogar eigene Änderungen am Code vornehmen.

Wofür man diesen Aufwand überhaupt auf sich nimmt? Hierfür:

In seinem 18-minütigen Video demonstriert MrBean35000vr, welche Absurditäten sein Code und ein bisschen Kreativität erlauben. Bananenstauden können ebenso vom Himmel regnen wie Kreise von Metallkisten, die alles zerquetschen, was sich Link in den Weg stellt. Oder eher: Fast alles. Stehen dem spitzohrigen Prinzessinnenretter nämlich sämtliche Bossgegner des Abenteuers auf einmal gegenüber, helfen selbst Mogeleien nicht mehr weiter.

Neben kruden Szenen liefert das Video aber auch einige interessante Erkenntnisse. Der Versuch, so viele Rubine (die Währung des Spiels) wie möglich erscheinen zu lassen, verrät etwa letztlich Links Tragelimit, das bei 999.999 funkelnden Edelsteinen liegt – eine Summe, die beim normalen Spielen kaum zu erreichen ist. Auch den wertvollen Herzteilen entlockt MrBean35000vr ein kleines Geheimnis: Normalerweise erhält Link die Gesundheits-Upgrades lediglich an entsprechenden Schreinen. Tauchen sie aber frei in der Spielwelt auf (was im normalen Spielverlauf nie geschieht), schweben sie wie von Geisterhand in der Luft.

Rubine, so weit das Auge reicht? Mit diesem Hack kein Problem. Screenshot: YouTube

Experimente am Leistungslimit: Die Wii U kommt mit der gehackten Welt gut klar

Überraschend bei zahlreichen Versuchen: Trotz einer Vielzahl darzustellender Objekte kommt die Wii U vergleichsweise wenig ins Stocken und stürzt auch nicht ab. Zwar geht die Bildrate bisweilen deutlich unter die magische Grenze von 30 Bildern pro Sekunde, ab der das menschliche Auge einen "flüssigen" Film zu sehen glaubt. Doch unspielbar wird die dadaistische Welt nie – eine erstaunliche Leistung für eine Konsole, die bereits zu ihrem Erscheinen im November 2012 technisch überholt war.

Mit einem speziellen Experiment soll die Leistungsgrenze der Nintendo-Konsole endgültig ausgelotet werden: Der Gamer beschwört kontinuierlich Dutzende Tauben, bis der Himmel vollständig von den Vögeln bedeckt zu sein scheint. Wieder geht die Bildrate deutlich zurück, diesmal stärker als in allen anderen Szenen zuvor. Doch bevor es zum Stillstand kommt, aktiviert das Spiel den sogenannten Blutmond: Ein automatisch wiederkehrendes Ereignis, das alle besiegten Gegner wiederbelebt, um zu verhindern, dass es irgendwann zu einer völlig ausgestorbenen Spielwelt kommt. Normalerweise tritt diese Situation in festen Zyklen auf, in diesem Fall jedoch lässt sich der Blutmond durch ein Überlasten des Systems auch manuell provozieren.

Die Implikationen des Accio-Codes reichen aber über bloße Spielereien hinaus, da auf dessen Basis eigene Rätsel und Dungeons von der Modding-Community entwickelt werden könnten. Dessen ist sich auch MrBean35000vr bewusst, der mit seinem Projekt längst nicht abgeschlossen zu haben scheint: "Wir hatten eine großartige Zeit beim Entwickeln des Codes und vermutlich werden wir ihn künftig weiterhin verbessern. Einige Features (Rotation, [Gegner-]Verhalten und andere Spawn-Parameter) haben wir bislang noch nicht integriert", schreibt der Gamer im Video-Beschreibungstext. Bis es soweit ist, bietet der jetzige Hack aber fürs Erste genug Wege, sich auszutoben.