Wie es ist, in einer Beziehung zu sein und keinen Sex zu haben

Laut einer Studie haben junge Erwachsene heute weniger Sex als Menschen, die in den 1960ern auf die Welt gekommen sind. Also haben wir uns mit ein paar Leuten in ihren Zwanzigern unterhalten, die sexlose Beziehungen führen.
21.10.16
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Du hast nicht wirklich gelebt, wenn du noch keine Trockenphase durchmachen musstest. Irgendetwas an so einer Periode des unfreiwilligen Zölibats bringt nämlich den wahren Charakter deiner Existenz zum Vorschein. Jedenfalls versucht Josh Hartnett, uns das in 40 Tage und 40 Nächte weiszumachen.

Aber nach all den Berichten über den zurückgehenden Alkohol- und Tabakkonsum unter Jugendlichen, die sich mit 25 wahrscheinlich wie aufgeweckte 40-Jährige verhalten werden, scheint jetzt auch noch in Beziehungen immer weniger gevögelt zu werden. Im August kam eine amerikanische Studie jedenfalls zu den Ergebnis, dass auffällig viele Milliennials in den USA sexuell inaktiv sind. Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was die ganzen Mahner in den letzten Monaten über die vermeintlich grassierende Kultur an der Schnittstelle von Online-Dating und unverbindlichem Sex in die Welt gesetzt haben.

Solche Trockenphasen betreffen aber offensichtlich nicht nur Singles. Wir haben uns mit eine paar Menschen darüber unterhalten, warum sie in einer sexlosen Beziehung gelandet sind und wie sie damit umgehen.

"Ich wäre für mehr zu haben, wenn er besser im Bett wäre"

Ich wäre für mehr als ohnehin schon zu haben, wenn der Typ, mit dem ich gerade zusammen bin, besser im Bett wäre. Jedes Mal, wenn wir loslegen, ist das Vorspiel ziemlich beschissen. Also habe ich angefangen, Ausreden zu erfinden. Er leckt mich auch nie. Ich war richtig schockiert, als wir das erste Mal Sex hatten. Er kam aus einer Langzeitbeziehung, also ging ich davon aus, dass er sehr erfahren sein muss. Ich redete es mir damit schön, dass es daran liegen muss, dass ich in der Vergangenheit ein paar wirklich gute Sexpartner gehabt hatte. Aber ich kann es noch nicht einmal ansprechen, weil seine Ex ihn betrogen hat und er einfach nicht auf Kritik klar kommt. Er hat sogar geweint, als ich mit ihm Schluss machen wollte. Jetzt vermeide ich es einfach aktiv, mit ihm Sex zu haben. Ich bin mir nicht wirklich sicher, wie lange das noch läuft mit uns.

—Laura, 24

"Wenn ich ehrlich bin, dann vermisse ich den Sex gar nicht wirklich"

Ich habe vor etwa einem Jahr meinen Job verloren und danach einen Haufen Gewicht zugelegt. Sex war dementsprechend das Letzte, woran ich gedacht habe. Mein Freund wurde wenig später in eine andere Stadt versetzt und so haben wir uns nur noch alle zwei Wochen gesehen. Nicht miteinander zu schlafen war also kein großes Problem.

Seitdem haben wir allerdings kaum noch Sex gehabt und, wenn ich ehrlich bin, vermisse ich es auch nicht wirklich. Ich hatte ohnehin nie einen besonders hohen Sextrieb. Jetzt erfinde ich Ausreden, damit wir uns nicht so oft sehen. Ich weiß, dass er Sex möchte. Wenn ich ihn doch sehe, versuche ich den Zeitpunkt auf meine Periode anzupassen. Komplett komme ich damit aber auch nicht durch. Es ist schon vorgekommen, dass ich es einfach getan habe, nur um einen weiteren Streit zu vermeiden. Danach bereue ich es aber immer. Wenn wir uns über so etwas banales wie den Abwasch streiten, kommt er immer wieder drauf zu sprechen. Ich weiß also, dass es ihn viel mehr stört, als er zugeben möchte.


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Aber ehrlich? Ich bin einfach nicht scharf drauf. Ich glaube nicht, dass ich ihn noch so begehre wie früher. Es hat ein paar Situationen gegeben, in denen ich in Versuchung gekommen bin. Das war aber nie mit ihm, sondern mit Kollegen oder einem Kumpel. Mein schlechtes Gewissen hat am Ende aber immer gesiegt.

Das reicht für mich allerdings nicht aus, um mit ihm Schluss zu machen—jedenfalls noch nicht. Wir haben eine Menge zusammen durchgemacht und ich könnte nicht einfach wieder von vorne anfangen. Ganz zu schweigen davon, dass ich ernsthaft bezweifle, einen Typen zu finden, der monatelang ohne Sex mitmacht. Ich hoffe, dass ich irgendwann mal wieder Lust habe. Aber in nächster Zeit? Ich bezweifle es.

—Steph*, 25

"Heute kann ich froh sein, wenn sie mir einen runterholt"

Ich konnte es kaum fassen, als ich mit Emma* zusammengekommen bin. Ich kannte sie schon länger und wenn wir betrunken waren, hatten wir immer mal wieder was miteinander. Sie hatte aber gerade erst eine beschissene Beziehung hinter sich und meinte, dass sie nicht wirklich auf der Suche nach etwas Neuem sei. Zu meiner Überraschung (und Überraschung aller meiner Freunde) war sie es aber doch. Ein paar Monate später machten wir die Sache dann offiziell.

Wir hatten am Anfang ein großartiges Sexleben. Manchmal war sie auch diejenige, die die Initiative ergriff. Nachdem wir mit der Uni fertig waren und sie zurück nach Hause zu ihren Eltern gezogen ist, wurde unser Sexleben allerdings langweilig und quasi nicht-existent. Manchmal kann ich froh sein, wenn sie mir einen runterholt. Ich weiß, dass Emma mit Depressionen kämpft, also habe ich versucht, es nicht zu persönlich zu nehmen. Es fühlt sich aber nicht gerade toll an, wenn deine eigene Freundin keinen Sex mit dir haben möchte.

Ich habe jetzt meine eigene Wohnung, aber immer wenn Emma vorbeikommt und ich versuche, ihr näher zu kommen, verläuft sich die ganze Sache ins Nichts. Ich hätte nichts dagegen, wenn sie etwas mehr Initiative zeigen würde. Ich kann aber noch warten, wenn das bedeutet, dass ich weiter an ihrer Seite bleiben kann.

—Jack*, 24

Screenshot aus einer Folge unserer Serie "People Who Just Had Sex"

"Vielleicht bin ich einfach nicht so scharf auf Sex mit ihm"

Der Großteil meiner Freunde ist inzwischen verlobt oder verheiratet. Es ist also kein großes Geheimnis, dass ich selbst den Druck verspüre, sesshaft zu werden. Meinen aktuellen Freund habe ich über eine Dating-App kennengelernt. Auf dem Papier stimmt auch alles: Er hat einen tollen Job, ist gut angezogen und überhaupt ein toller Mensch. Allerdings haben wir seit unserem ersten Sex kaum miteinander geschlafen. Ich habe deswegen auch ein schlechtes Gewissen, aber irgendwie hat es nie eine Phase gegeben, in der ich wirklich scharf darauf gewesen bin.

Allerdings habe ich vor etwa einem Monaten einen Typen in einer Bar kennengelernt, der ein paar Jahre jünger ist. Wir haben wochenlang über WhatsApp miteinander geflirtet und am Ende ein Date ausgemacht. Im letzten Augenblick ist es dann doch geplatzt. Ich habe dadurch aber erkannt, dass es nicht der Sex ist, an dem ich kein Interesse habe. Vielleicht stehe ich einfach nicht so sehr auf ihn. Ich sollte es beenden, aber der Winter wird lang und, wenn ich ehrlich bin, habe ich keine Lust, ihn allein zu verbringen.

—Georgie, 26

"Wir haben es nie 'richtig' gemacht—er war verheiratet"

So klischeemäßig wie es auch sein mag, aber ich hatte mich in einen verheirateten Mann verknallt. Obwohl wir etwa sechs Monate "zusammen" waren, haben wir es nie richtig miteinander getrieben. Auch wenn das bescheuert klingt, aber ich hatte wirklich das Gefühl, dass genau das ein Schritt zu weit gewesen wäre. Er hatte anscheinend kein Problem damit und wir haben dann eben andere Dinge getan, was mir auch gut in den Kram gepasst hat.

Am Ende ist so eine sexlose Beziehung aber einfach nichts für mich. Bei uns hat es das Zusammensein extrem angespannt gemacht, weil wir beide pausenlos geil aufeinander waren, ich mich aber partout nicht umstimmen ließ. Und er hatte definitiv doch ein Problem damit: Es war vorbei, als ich bei einem Abendessen durch sein Handy stöberte und herausfand, dass er mit nicht weniger als fünf Mädels anzügliche SMS austauschte. Ich bin so froh, dass ich standhaft geblieben bin.

—Olivia*, 22

*Name geändert.

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