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Space is the Place

John Kleckner ist irgendwie auf der gesamten Welt vertreten. Zumindest hängen seine Bilder in den großen Galerien und Museen mit den noch größeren Namen—von der Saatchi Gallery bis zum Museum of Modern Art.
13.1.11

John Kleckner ist irgendwie auf der gesamten Welt vertreten. Zumindest hängen seine Bilder in den großen Galerien und Museen mit den noch größeren Namen—von der Saatchi Gallery bis zum Museum of Modern Art ist er überall vertreten. Da seine neue Ausstellung morgen bei Peres Projects Vernissage feiert und er wie wir in Berlin lebt, dachten wir uns, dass wir ihn mal besuchen sollten.

VICE: Wie bist du in Berlin gelandet? Wo kamst du her?

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John Kleckner: Anfang 2007 habe ich in New York City gelebt. Ich hatte das Gefühl, weggehen zu müssen und machte Pläne, nach Los Angeles zurück zu kehren, als mein Galerist, Javier Peres, mir vorschlug, für ein paar Wochen zum Abhängen nach Berlin zu kommen. Das tat ich, und aus diesen paar Wochen wurden drei Jahre und …

Welche Auswirkungen hat Berlin auf dein Werk gehabt? (Wenn überhaupt?)

Berlin ist ein großartiger Ort, um meine Arbeit zu machen. Hier habe ich ein geräumiges und bezahlbares Studio, einen interessanten und kreativen Freundeskreis und ein lässiges Lebenstempo gefunden. Ich denke, deshalb schwirren hier so viele Künstler herum. Die größte Schattenseite ist das Winterwetter. Grau und kalt.

Beschreibe deinen Schaffensprozess.

Der variiert sehr stark von Werk zu Werk. Generell würde ich ihn einfach als eine Periode der „Recherche“ beschreiben, gefolgt von einer viel längeren Periode des mühsamen/ akribischen Zeichnens. Wie die meisten bildenden Künstler dieser Tage verbringe ich viel Zeit damit, im Internet nach Bildern zu suchen. Ich gehe meine Sammlung auf der Suche nach etwas durch, das mir wirklich ins Auge sticht. Dann fange ich damit an, Tinte auf dem Papier rumzuschieben.

Wenn du dein Werk einem Fremden in einem Satz beschreiben müsstest, was würdest du sagen?

"Space is the place."

Wer und was inspiriert dich momentan?

Bruce Conner, das Thrones Album "Sperm Whale" von vor ungefähr zehn Jahren und der Cronenberg Film "Videodrome."

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Erzähl ein bisschen von deiner bevorstehenden Show.

Vielleicht ist es am Einfachsten, wenn ich etwas aus der Pressemitteilung zitiere: „Die Arbeiten dieser Ausstellung handeln von menschlichen Figuren, die sich ins Leere und in die Abstraktion auflösen, ferner handelt sie von Gestaltwandlungen zu festen Strukturen. Transformation, Transzendenz und Vergänglichkeit sind die Kernkonzepte, die in einer 2- und 3-dimensionalen materiellen Dauerhaftigkeit in jedem der ausgestellten Werke fixiert sind. In seinen neuesten Arbeiten kann man John Kleckners Übergang von akribisch wiedergegebenen verrottenden Nasen und sich wandelnden Höhlenmenschen zu poetischen Anspielungen/ Illusionen des unendlichen (kontemplativem) Raum erkennen. Gestalten erscheinen noch und lassen die Werke sicherlich beim Betrachten erkennen, doch mit dieser neuen Ausrichtung und einigen neuen Techniken hat Kleckner sich gänzlich der Abstraktion zugewandt. Diese Arbeiten mit Tinte auf Papier stellen eine meditative Einheit von sorgfältig geplanten Unfällen und willkürlichen Intentionen dar.“

Was ist mit dir und den Bärten los? Ist das eine Art Fetisch von dir? Was gefällt dir an verrotteten Nasen?

Ich werde diese drei Fragen auf einmal beantworten. Nein, es ist kein Fetisch. Es macht mir einfach Spaß, meine winzigen Stifte für dieses tausendfache Kabelgewirr zu benutzen, woraus Haar wird. „Verrottete Nasen“ oder anderes faulendes Fleisch zu zeichnen ist auch erfüllend, weil diese Art von schmelzendem Geschmiere so abstrakt ist, dass man nichts wirklich falsch machen kann, wenn du verstehst?

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Wieviele Stifte verbrauchst du, wenn du ein Bild malst? Wie stark sind deine Hände?

Ich passe gut auf meine Stifte und Utensilien auf, also halten sie auch eine Weile. Ich verbrauche aber eine Menge Tinte! Meine Hände sind stark, aber das hat mehr damit zu tun, dass ich viel mehr Zeit mit Bowling zubringe als mit Zeichnen.

Wenn du schätzen müsstest, wieviele Punkte hast du in der Gesamtheit deines Schaffens gemalt?

12,141,978,226 (Ich zähle mit).

Warum ziehen dich Punkte so sehr an? Was kann ein Punkt aussagen, was eine Linie nicht ausdrücken kann? Was fasziniert dich am Detail?

Ich beantworte diese drei Fragen zusammen, die Antworten stehen miteinander in Bezug. Ich stehe darauf, sehr detailierte Werke zu schaffen, da ich harte Arbeit mag. Ich mag es auch, lächerlich viel Zeit in etwas zu investieren, das jemand anderem vielleicht nicht einmal auffällt. Ich denke, dass ich etwas masochistisch veranlagt bin. Eine Reihe einzelner Punkte zu malen, so dass sie eine Linie ergeben, anstatt einfach eine Linie zu zeichnen, ist genau die Art von harter Arbeit, von der ich spreche. Nachdem ich aber nun in dieser Form einige Jahre gearbeitet habe, fühle ich mich mehr und mehr zu neuen und anderen Herangehensweisen ans Zeichnen hingezogen. Viele Experimente im Atelier… In meinen neusten Werken gibt es immer noch tonnenweise detailierte Zeichnungen, aber zusätzlich gibt es auch viel verwischte Farbe. Das sind die „sorgfältig geplanten Unfälle und die Willkürlichkeit“ von der ich gesprochen habe.

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Wie bewahrst du dir deine Konzentration im Atelier?

Ohrstöpsel und/oder extrem laute Musik helfen mir dabei. Ich denke, was ich außerhalb des Ateliers mache, ist essentiell für das, was darin passiert. Trainieren, meditieren und so viel wie möglich draußen sein ist wichtig.

Was bedeutet das Wort „brutal“ für dich?

Verrottende Nasen und gammelndes Fleisch, schmelzendes Schmalz.

Was kommt als nächstes?

Morgen.

Mehr von John Kleckner gibt es am Freitag, den 13.01. ab 19 Uhr bei Peres Projects Mitte zu sehen.