Mit diesen geheimen Maschinen kriegt Apple kaputte iPhone-Screens wieder heil
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Mit diesen geheimen Maschinen kriegt Apple kaputte iPhone-Screens wieder heil

Motherboard zugespielte Aufnahmen bieten einen seltenen Blick hinter die Kulissen der Genius Bar.
27.3.17

Vor zwei Wochen konnten wir erstmals einen Blick auf Apples mysteriöse Kalibriermaschine werfen, die im Hinterzimmer jedes Apple Stores steht. Nun sind uns neue Bilder zugespielt worden, die mehr darüber verraten, was hinter den Kulissen der Genius Bar passiert und welche Tools dort noch so herumstehen. Die Bilder und das Video eines anonymen Apple-Mitarbeiters geben einen Eindruck davon, mit welchen Mitteln Apple einen wichtigen Reperaturservice für sich zu einem Monopol macht: Die Reparatur von kaputten Displays.

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Verschiedene Quellen haben uns bestätigt, dass die Geräte, die auf den Fotos zu sehen sind, zumindest in allen Apple Stores in den USA stehen und dass sie auch von autorisierten Apple Service Providern zur iPhone-Reparatur verwendet werden. Doch Informationen über diese Maschinen werden von Apple streng geheim gehalten. Da einige US-Bundesstaaten ein sogenanntes „Recht auf Reparatur" (Right to Repair) einführen wollen, könnte Apple jedoch bald gezwungen sein, seine Reparatur-Tools auch an unabhängige Anbieter zu verkaufen.

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Ein ehemaliger Apple-Mitarbeiter beschreibt uns, wie die Reparatur abläuft: Nachdem das defekte iPhone in die Halterung geschoben wurde, ziehen zwei Saugknöpfe den Bildschirm hoch und fixieren ihn in einem 90 Grad Winkel. In dieser Position trennt der Mitarbeiter die Kabel, die den Digitizer, Bildschirm, Home-Button und die Kamera mit dem Logic Board des Smartphones verbinden.

Bilder von der Reparatur-Halterung gelangten erstmals 2013 an die Öffentlichkeit, als Cult of Mac Fotos und GIFs der Maschine leakte. Da unabhängige Dienstleister Apples Reparatur-Tools bisher nicht nutzen können, haben sie versucht, die Halterung nachzubauen, wie beispielsweise iFixit mit dem iSclack Opening Tool.

Unsere anonyme Kontaktpersonen konnte uns allerdings auch Aufnahmen einer Maschine zeigen, die bisher den Augen der Öffentlichkeit verborgen geblieben ist: Eine Presse, die die Bildschirme wieder auf das iPhone 6S und iPhone 7 setzt. Bei diesen iPhone-Typen werden die Screens durch einen Klebstoff am Gerät befestigt. Apples Reparaturspezialisten nutzen die Presse, um den Klebstoff zu erneuern und einen neuen Bildschirm anzubringen. Um die Identität des Apple-Mitarbeiters zu schützen, der uns das Video geschickt hat, haben wir einzelne Bildabschnitte geschwärzt und den Ton durch Untertitel ersetzt.

Ein Mitarbeiter erklärte uns, dass viele Apple-Mitarbeiter das iPhone vor dem Bildschirmtausch erwärmen, damit der Klebstoff besser haftet. Dann wird das iPhone 15 Sekunden lang dem Druck der Presse ausgesetzt. Nachdem der Bildschirm ausgetauscht wurde, wird das Telefon in die iPhone-Kalibriermaschine gelegt, um dort den Touch-ID-Sensor neu einzustellen und zu überprüfen, ob die Reparatur erfolgreich war.

Momentan müssen sich unabhängige Reparaturdienste mit Tricks behelfen, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen: „Viele Leute klemmen das Smartphone ganz vorsichtig zwischen zwei Bücher", erklärte jemand, der sich mit unabhängigen Reparaturanbietern auskennt, gegenüber Motherboard. Sollte es tatsächlich eines Tages „Recht auf Reparatur"-Gesetze geben, könnten solche behelfsmäßigen Tricks jedoch der Vergangenheit angehören – und Techies können ihre Kreativität anderen Entwicklungen widmen.