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Noisey Blog

"Endlich cooler Metal" – Eine umfassende Geschichte über die Wiener Drum'n'Bass-Szene

Den ersten Kontakt zu Drum'n'Bass hatte ich über eine CD, die ich mir beim Saturn gekauft habe: Pendulum – 'Hold Your Colour'. Damaliges Fazit: Endlich mal cooler Metal.

von Shifty und RAVEAEL
09 Februar 2016, 8:40am

Wir sind Patrick und Raphi, zwei Vollblut-DJs aus Wien und arbeiten momentan zusammen an unserer Webradio-Show namens ÆØN auf drumandbass.fm, die den Fokus auf die Präsentation österreichischer D'n'B-Producer legt. Raphi, 28, aka RAVEAEL ist insbesondere durch sein Mitwirken bei den City Warriors Vienna als Allround-DJ bekannt und hat als professioneller Veranstaltungstechniker und Lichtdesigner einen weitreichenden Einblick auf die facettenreiche elektronische Musikszene in Österreich. Patrick, 20, aka Shifty hingegen kommt aus der Nu School Jump Up-Ecke und vertritt als Resident DJ bei Switch! gerade den schrillen Sound. Als einer der jüngsten bekannten Wiener D'n'B-DJs bildet er die Brücke zum jüngeren Publikum im Duo.

Erstkontakt mit der Szene

Für jemanden wie mich, der aus der Sauproleten Gürtelbögen-House-Szene kommt, in welcher man für 50 Euro Gage den ganzen Abend Remixes der Ö3 Austria Top 40 runterspielt, war die erste Drum and Bass-Party fast wie Woodstock.

Foto: Sammy Kreutz

Seas. Den ersten Kontakt zu Drum'n'Bass hatte ich über eine CD, die mich im Saturn angesprungen ist: Pendulum—Hold Your Colour. Damaliges Fazit: Endlich mal cooler Metal. Als mich meine Freunde dann kurz nach meinem 16. Geburtstag zu Mainframe in die Arena schleiften, hat mich die D'n'B-Sucht erwischt. Februar 2012 Mainframe feat. The Prototypes: Ich war erstmal baff von der Größe, definitiv etwas anderes als die Playy Bar, in der ich damals als Resident DJ arbeitete. Da komme ich also in die große Halle und hab ein Wunder erlebt. Da legt eine Frau auf. Mit Platten. Seit diesem ersten Eindruck hat mich DJ Pandora mit dem Jump Up-Fluch belegt. Alles muss hart und schrill sein. (Patrick)

Zu Drum'n'Bass bin ich 1999 über Slipknot gekommen. Ich war als junger Punkrock-Schlagzeuger geradezu besessen von dem damals aufkommenden Nu-Metal/Crossover. Slipknot haben auf ihrem Debutalbum viele Jungle- & Drum'n'Bass-Elemente sowie Scratch Samples verwendet, unter anderem etwa im Intro von dem Song „Eyeless“. 2001 war ich dann zum ersten Mal auf einer Drum'n'Bass-Party—Wicked im Flex. Ich kann mich noch ganz genau an das Gefühl erinnern. Der ganze Raum war sehr dunkel und nur minimal in Blau getaucht, viel Nebel und immer wieder das Blitzen der Strobos. Dazu kein für heute typischer Wicked-Sound, sondern atmosphärischer, dunkler Neurofunk Drum'n'Bass, wie ein altes Black Sun Empire-Album aus dieser Zeit.

Ich war von der ersten Sekunde, die ich den Dancefloor betreten habe, bis zum Ende der Party kein einziges Mal am Heisl, Bier holen oder habe mit irgendjemandem gesprochen, sondern habe einfach nur durchgetanzt. Gefesselt von der Musik, der Atmosphäre und der damals extrem lauten, scheppernden Flex-Anlage. (Raphael)

Der Ursprung

Die musikalischen Elemente des Drum’n’Bass waren in dessen Anfangszeit—in England um 1992—alle von anderen Genres übernommen und wurden abgeändert, um den passenden Eindruck zu vermitteln. So wurden die Breaks vom HipHop übernommen und stark beschleunigt (genannt Doubletime). Die Chords wurden direkt vom House übernommen, der zu dieser Zeit in den USA immer mehr an Bedeutung gewann. Die Sounds und Samples orientierten sich stark am britischen Techno, dessen mechanisches und industrielles Sounddesign stark vom Klang der Maschinen im Industriegebiet um Manchester und Sheffield inspiriert wurde. Die Basslines, die den Drum'n'Bass schon damals auszeichneten und ihn heute immer noch stark von anderen elektronischen Musikrichtungen abheben, wurden direkt vom Reggae und Dub übernommen. Dessen Basslines sind schon in der Originalfassung als Sub-Bass (20-85Hz) zu bezeichnen und haben kaum Eigenklang, sondern erzeugen vorrangig Druck und Vibrationen. Die Lyrics wurden wiederum vom britischen Dancehall, sowie aus bekannten Horrorfilmen übernommen, was dem Drum'n'Bass zu seiner Popularität bei, sowohl der Jugend, als auch der „Caribbean Society“ verhalf. DJ Storm beschrieb diese Mischung einst als „The bastardisation of all musics“.

Foto: Jascha Süss

Szeneentwicklung in Wien

Die ersten Jungle- und D'n'B-Partys waren vorrangig in Locations wie dem Flex (Wicked & Sub, 1995 und trife.life!, 1997), im Kunstwerk (Jungle Fever, 1998), WUK (Jungle Fever & Bass Infection aus Linz, der Vorreiter des heutigen Mainframe) sowie im Subzero (Melt!, 2002) zu finden. Der Inbegriff für die D'n'B-Location in Wien ist das Flex mit bis zu zehn Drum'n'Bass-Veranstaltungen pro Monat. Auch sehr bekannt—durch das stadtweite Plakataufgebot vom monatlichen Mainframe—ist die Arena. Da bei Drum'n'Bass der Standard für Musikproduktion sehr hoch gesetzt ist, braucht es für eine gute D'n'B-Party vor allem eins: Ein außergewöhnliches Soundsystem. Daher findet man Clubs, in denen D'n'B gespielt wird, normalerweise eher ab vom Schuss. Beispielsweise die Grelle Forelle, das Werk, die Fluc Wanne oder die Pratersauna eignen (oder eigneten) sich hierfür perfekt, da es in der näheren Umgebung kaum Anrainer gibt, die sich beschweren könnten. Auch temporäre Pop-Up-Clubs wie die kürzlich geschlossene Kantine oder das Marx Project wurden schnell vom Drum'n'Bass und der tanzwütigen Crowd erobert. Ebenfalls sind einige kleinere Kellerclubs ein Fixbestandteil der Szene. Dazu zählen unter anderem das Loft, Weberknecht oder das Roxy. Ähnlich wie in der mittlerweile aufgelassenen Camera, machen hierbei vor allem das alte Kellerflair die auch für Newcomer leistbare Raummiete, sowie die Verrufenheit den Reiz aus. Frisch auf den Plan getreten ist 2015—nach ihrer Renovierung—die Auslage am Gürtel, in der sich mittlerweile schon Mind The Gap und Switch! eingenistet haben.

Foto: Julia Wojtkiewicz

Die Partys

Woran erkennt man eine Drum'n'Bass-Party? Am Eingang wird Gehörschutz verteilt. Drum'n'Bass-Events werden in der Regel von jungen und jung gebliebenen Leuten besucht. Ähnlich wie in der Punk-Szene, hat die Veranstaltung etwas Rebellisches. Die Musik ist oft aggressiv, es wird exzessiv getanzt. Viele Locations, in denen D'n'B-Events stattfinden, sind bei der Elterngeneration in Verruf geraten. Gerade dieses Verbotene übt auf viele junge Gäste einen Reiz aus. Die Veranstaltungen finden üblicherweise am Wochenende statt und haben sich auf oft eine Nische spezialisiert. Switch! steht für Jump Up, Contrast für den deepen Sound, Daily One Hour für den Mellow-Sound und Push 4 DnB im Werk präsentiert die Hardcorevarriante des Neurofunk. Auf der anderen Seite gibt es die großen Events wie zum Beispiel Mainframe in der Arena oder Futurebeatz im Flex, die mit ihren Neurofunk-lastigen LineUps auf die breite Masse abzielen.

Wöchentlich wird Wien am Donnerstag von Beat it im Flex mit allen Arten von Drum'n'Bass versorgt und auch das relativ frische Mittwochs-Clubbing Highscore in der Fluc Wanne präsentiert gemischten Sound mit dem Ziel, gerade den Oldschool Jungle-Vibe wieder aufleben zu lassen.

Die Wiener Szene ist sehr gut organisiert. Es kommt kaum vor, dass an einem Tag mehrere D'n'B Events stattfinden, dafür könnte man aber, wenn man möchte, an fast jedem Tag des Monats eine D'n'B-Party besuchen. Wenn das aber doch mal der Fall sein sollte, sind sie mit hoher Wahrscheinlichkeit trotzdem alle voll. Durch dieses große Angebot an Events ist das Publikum fast schon verwöhnt. Man geht nicht, wie früher, zu einer Drum'n'Bass-Party, weil grad eben eine ist. Die Leute wissen was sie hören wollen und wo sie den gewünschten Sound finden. Aus diesem Grund kratzen die Nischenevents regelmäßig an den Kapazitätsgrenzen von Wiens größten Clubs.

Für mich übte gerade die Größe der Partys einen Reiz aus, da ich überhaupt nicht tanzen kann. Nachdem fast alle Locations immer gut gefüllt waren, konnte ich anonym feiern, in der Crowd untertauchen und einfach mein Ding machen. Die österreichische Drum'n'Bass-Szene ist, nach dem Bigroom-House, der von David Guetta, Steve Aoki und vielen mehr vertreten wird, die zweitgrößte Musikbewegung der Jugend in Österreich. In jedem Bundesland finden monatliche Veranstaltungen statt, wie zum Beispiel das strictly Beats in Graz, die Green Club Labelnight in Salzburg, City of Bass in Niederösterreich und in Wien, Audio Cortex und Ruhestörung in Tirol, sowie das Pusztabeats im Burgenland.

Foto: Daniel Willinger

Die Hauptstadt Wien ist jedoch mit großem Vorsprung an der Spitze, wenn es um die Dichte der Drum'n'Bass-Veranstaltungen geht. Laut den DJs Pandora und Doree ist Wien, nach London, die Stadt, welche die meisten Drum'n'Bass-Künstler bucht, und diese von überall um den Globus einfliegen lässt, was den Fans die Möglichkeit gibt, nahezu jedes Wochenende internationale Künstler in Wien live zu erleben. Dies liegt vor allem an der hohen Quantität der Veranstaltungen.

Es werden immer die Jungen sein, die in der ersten Reihe die ganze Nacht feiern. Partygäste auf aufputschenden Drogen gehen ab und zu aufs Klo, aber nicht die Szenefrischlinge. Sie sind es, die die Szene am Leben halten. Sie promoten die Partys, zu denen sie gehen, aus freien Stücken, laden Freunde ein, sind immer die ersten, die kommen und die letzten, die um 6:00 Uhr morgens immer noch motiviert aus dem Club kommen, während die alten Hasen nach dem Mainact schon längst im Bett liegen. Einige von ihnen werden den Hype irgendwann verlieren und zu „erwachseneren“ Musikrichtungen wie Techno wechseln, andere bleiben dabei und werden die nächsten DJs, Veranstalter und ähnliches. Die Szene ist sehr familiär, man kennt sich. So spricht es sich schnell herum, wenn jemand einen coolen Mix auf Soundcloud geladen hat und die Wahrscheinlichkeit, schnell die Möglichkeit auf einen Club Gig zu bekommen, ist sehr hoch.

Die meisten größeren Festivals mit elektronischer Musik haben mittlerweile auch Drum'n'Bass-Stages, welche von Future Beatz, Mainframe oder Urban Art Forms gehostet werden. Urban Art Forms selbst ist auch ein Festival, welches ursprünglich in Wiesen beheimatet war und eine große Rolle in der Entwicklung der österreichischen Szene gespielt hat. Es gab vielen österreichischen und internationalen Acts die Möglichkeit, vor der versammelten österreichischen Drum'n'Bass-Szene zu performen. Andere Festivals, die Drum'n'Bass zumindest teilweise präsentieren, sind das Beatpatrol Festival, das FM4 Frequency Festival und das weltbekannte Donauinselfest. Heuer kommen auch das Nu Forms Festival und das Royal Bass Festival als Festivals dazu, welche ausschließlich Drum'n'Bass präsentieren.

Des Weiteren findet jährlich im September in der Arena Wien die Veranstaltung Bass City statt, die ein Battle der Wiener Drum'n'Bass-Crews darstellt. Dort spielen meist um die 40 DJs auf zwei Floors kurze Sets, in denen sie ihre Crews repräsentieren und deren jeweilige Stilrichtungen bewerben. Jährlich vertreten sind unter anderem Mainframe, Switch!, Future Beatz, Highscore, Vollkontakt, Wicked, City of Bass, City Warriors Vienna und viele weitere.

Ein Überblick über die aktuellen Veranstaltungen

Switch! ist seit 2007 Wiens einzige reine Jump Up-Crew und seit Jahren auch ein autonomes Label. Die Veranstaltung unter der Leitung von DJ Pandora und DJ Coda gastiert jeden zweiten Freitag im Monat in der Auslage. Am Mainfloor wird Jump Up Drum'n'Bass von internationalen, sowie lokalen DJs und MCs präsentiert. Am Secondfloor spielt es Reggae und Dancehall.

Mainframe ist unter der Leitung von Disaszt inzwischen Österreichs größte monatliche D'n'B-Veranstaltung und somit auch für den Großteil der Fangemeinde die erste Gelegenheit, bei der sie mit der Musik und der Szene in Kontakt kommen. Es findet immer am ersten Samtag des Monats in der Wiener Arena statt und bietet dabei Musik auf drei der vier Floors mit einer Kapazität von bis zu 4.500 Personen. Schon nach kurzem Bestehen wurde auch ein eigenes Label mit dem Namen Mainframe Records gegründet, welches sich auf die beiden massenkompatibelsten Subgenres Liquid und Neurofunk spezialisiert hat und die Geburtsstätte einiger bekannten Acts, wie etwa auch Camo & Krooked ist.

Foto: Nedim Husicic

Vollkontakt hatte seine Anfänge 2005 im Röda in Steyr und gastiert seit 2008 Zwei Mal im Monat in der Wiener Fluc Wanne und präsentiert dabei vor allem die Subgenres Liquid und Neurofunk. Zusätzlich hält Vollkontakt seit 2012 jährlich die so genannte Vollkontakt Summerseries ab, die innerhalb der Sommerferien wöchentlich dienstags stattfinden und bereits vom frühen Abend an Programm im Fluc und auf dessen Terrasse inklusive Grill bieten.
City of Bass gastiert unter der Leitung von Boomarang Sound monatlich sowohl im Wiener Loft, als auch im St. Pöltner Warehouse und ist stark vom Ragga-Jungle geprägt. Highscore entstand als reiner Drum'n'Bass-Nachfolger Ende 2014 aus der genreübergreifenden Veranstaltungsreihe Club Panda, die von 2012 an wöchentlich am Mittwoch in der Fluc Wanne mit allen Variationen der Bass Music bespielte. Der Fokus liegt hier eindeutig darauf, Newcomer eine Plattform zu geben, sowie das umfangreiche Reportoire der Residents von Oldschool bis Rave—was dem Jungle in Wien ein Revival verschafft hat.

Beat it! findet seit 2004 unter der Leitung von IllSkillz wöchentlich donnerstags im Flex statt. Trotz des für jüngere ungünstigen Termins unter der Woche ist Beat it! eine von Wiens am Besten besuchten Drum'n'Bass-Veranstaltungen, wodurch ermöglicht wird, dass ein Mal pro Monat ein internationaler Top-Act gebucht wird. Unter den vielen Headline-Acts waren unter anderem schon DJ Marky, Goldie, Camo & Krooked, Skream, Dub Fx, Borgore, High Contrast, Pendulum und Asian Dub Foundation, was zeigt, welche enorme Diversität innerhalb des Genres Drum'n'Bass durch diese Veranstaltung geboten wird. Durch die enorme Beliebtheit dieses Events findet es zusätzlich auch immer öfter an einem zweiten Wochentag statt.

Future Beatz findet seit 2001 monatlich im Flex statt. Unter der Leitung von Body & Soul steht Future Beatz für die angesagtesten Künstler der Szene und wartet stets mit qualitativ sehr hochwertigen Bookings auf. Zusätzlich werden hier ebenso wie am Beat it!-Newcomer als Support Act vorgezogen, die dadurch die Möglichkeit erhalten, mit Szenegrößen vor großartigem Publikum zu spielen.

Foto: Sam Colombo

Was ist der Unterschied?

Bei Drum'n'Bass gibt es wie bei allen anderen elektronischen Musikrichtungen eine Hauptschiene. Major Player in Sachen Genre-Bezeichnung sind zum Beispiel Jungle, Jump Up, Neurofunk, Step und Liquid. Aus allen ergeben sich durch die ständige Durchmischung immer wieder neue, nicht immer klar definierbare Subgenres (zum Beispiel: Wobble Jump Up, Raggajungle, Techstep, Jazzstep, Drumfunk). Liquid, Mellow, Atmospheric und wie all die sanfteren Subgenres nun heißen, decken zusammen ein sehr breites Spektrum der Musik ab und sind oft von einer melancholischen Pianomelodie mit etwas Bass und soulful Vocals durchzogen. Der typische RAM Sound (eines der bekanntesten Label, welches Anfang 2016 an Sony verkauft wurde) ist zum Beispiel eine ausgeklügelte Mischung aus Pop, Neurofunk und Jump Up. Seit einiger Zeit erlebt gerade in Zentral- und Osteuropa eine neue Form des Neurofunk einen sehr großen Aufschwung. Der heutige Neurofunk hat allerdings nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem Neurofunk von früher.

In England und Belgien hingegen boomt momentan die Jump Up-Szene. Bei Events wie Invents Invaderz hat zur Zeit die Crème de la Crème des Jump Up ihr zweites Wohnzimmer. Gerade bei Drum'n'Bass fällt es auf, dass das jüngere Publikum die härtere Schiene bevorzugt. Events, bei denen Neurofunk oder Jump up im Vordergrund steht, weisen oft einen relativ jungen Altersdurchschnitt im Vergleich zu anderen D'n'B-Partys auf. Das letzte Subgenre, das den größten Beitrag zu der Entwicklung von Drum'n'Bass beigetragen hat, trägt den bezeichnenden Namen Jungle. Straight outta the concrete Jungle in und um London Anfang der 90er, war diese Mischform einiger anderer Gattungen der Startschuss für Drum'n'Bass. Jungle doesn’t die, und so gibt es auch heute noch Produzenten wie Bladerunner, Voltage, Serum oder die kommerziell erfolgreichen Sigma, die mit ihrer Musik dort anknüpfen.

Sigma, Rudimental & Beyoncé—die kommerzielle Schiene des D'n'B

Als Vorreiter haben Chase & Status mit ihrem Liveband Konzept und Songs wie „Alive“ 2012 den Grundstein für eine neue Variante von Drum'n'Bass gelegt. Ende 2014 sind auch Acts wie Rudimental, Sigma, Netsky oder Wilkinson mit der kommerziellen Variante von Drum'n'Bass durchgestartet. Der Fokus liegt hier eindeutig auf herausragende Vocalisten mit großteils schnulziger Aussage, gezielt gesetzter Percussion und einem äußerst klarem Sounddesign. Die Acts treten in so einem Fall dann üblicherweise als Bands auf, wo diese entsprechend softere Variante ganz anders aufgenommen wird, als bei einem üblichen Drum'n'Bass-Rave. Gagen bis zu 35.000 Euro sind keine Seltenheit mehr und eine neue Zielgruppe hat sich gebildet. Drum'n'Bass ist in dieser Form auf einmal in Radio und Fernsehwerbungen vertreten und auch Beyoncé ist im September 2015 mit „Runnin’“ auf den Jungle-Zug aufgesprungen.

Prinzipiell finde ich die Entwicklung in diese Richtung nicht schlecht, ich mag Veränderung und Facettenreichtum. Es hat sich wieder ein Subgenre aus schon oft verwendeten Elementen gebildet und ich persönlich höre diese Art von Drum and Bass zu Hause oder im Auto sehr gerne. Auf dem Dancefloor funktionieren solche Tunes vor allem als kurze Verschnaufspause zwischen „Es muaß scheppan“ und „Guade Nocht“.

Österreichische Drum'n'Bass-Producer

Kaum eine österreichische Szene trifft so sehr auf internationale Beachtung wie die Komponisten der österreichischen Drum'n'Bass-Szene. Als Vorreiter gelten etwa Kruder und Dorfmeister, die 1998 einen Drum'n'Bass-Remix von Count Basic’s „Speechless“ auf ihrem Album The K&D Sessions veröffentlichten, sowie D.Kay, der 2003 mit dem Hit „Barcelona (feat DJ Epsilon & Stamina MC)“ auf Platz 14 der UK Charts landete und vom Knowledge Magazin zum Best Breakthrough Producer ausgezeichnet wurde. Camo & Krooked waren schon in den Top 10 der britischen Charts, gewannen den Amadeus Award und touren regelmäßig durch Europa und die USA. Mefjus wurde 2012 mit dem DNB Arena Award als Best Newcomer und 2015 für sein Album Emulation mit dem Award für Best Album ausgezeichnet.

Viele einheimische Produzenten haben schon den Sprung zur internationalen Aufmerksamkeit geschafft, wie etwa Ill.Skillz, Body & Soul, Disaszt & Kimyan Law. Aber auch eine Menge an Newcomern stehen in den Startlöchern wie etwa, Phentix, Dorian, Phlage und Disturbo und österreichische Labels (zum Beispiel Mainframe Recordings, In-Deep Music, Switch! Recordings) überschwemmen die Szene geradezu mit qualitativ hochwertigen Tunes.
In Österreich selbst wird Drum'n'Bass von den großen Radiosendern ignoriert. Ganz typisch nach österreichischem Vorbild werden nicht die junge Talente und Kreativität gefördert, sondern Massenabfertigungs-Musik und Austropop bis zum letzten Groschen ausgeschlachtet. Durch dieses Unterdrücken erhalten Webradios immer mehr Beachtung. Auch für unseren Podcast ÆØN auf drumandbass.fm ist diese Blockade der Indikator und wir stellen in unsere Show deshalb auch heimische Produzenten ins Rampenlicht, um ihnen die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken.

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