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Stealing Sheep brauchen mehr Groupies

Stealing Sheep sind fürchterlich brav, außer wenn sie nackt schwimmen gehen.
27.7.12

Stealing Sheep kommen aus Liverpool. Was macht man, wenn man aus Liverpool kommt? Man fügt sich seinem Schicksal und macht Musik. Wer denkt, drei Frauen zusammen auf Tour könnte Stress bedeuten, der kennt diese entspannten Mädchen noch nicht. Die sind mit drei Lead-Stimmen und ihren zahlreichen Instrumenten höchstens Stress für den Soundtechniker. Doch wenn dieser sie im Griff hat, dann klingt ihr elektronisch-psychedelischer Folk-Pop so romantisch wie verträumt und erinnert einen an herbstliche Ausflüge in den Wald und andere Dinge, die zu mögen wir niemals zugeben würden. Zwar haben wir während des Interviews immer wieder versucht, ihre wilde Rock'n'Roll Seite hervorzuholen, aber am Schluss mussten sie sich dann doch eingestehen, dass sie eigentlich ganz schön brav sind und manchmal sogar heulen müssen, wenn sie ein trauriges Lied hören.

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Noisey: Ihr kommt aus Liverpool. Ihr werdet also quasi gezwungen ein Band zu sein?
Becky: Ja quasi. Alle, die wir kennen, sind in einer Band.

Was hat es mit dem Bandnamen auf sich?
Emily: Ich weiß gar nicht, warum wir so heißen. Wir heißen einfach Stealing Sheep.
Becky: Es gibt schon eine Geschichte dazu: Eine Black-Metal-Band aus Norwegen das Schaf eines Politikers gestohlen hat. Sie wollten den Free-Download von Musik legalisieren. Die Band hieß Enslaved.

Ihr hört Metal?
Becky: Nein, nein. Aber das war die Schlagzeile, als wir gerade unsere Band gründeten. Also haben wir den Titel übernommen.

Wenn Typen auf Tour gehen, kann ich mir genau vorstellen, was für tolle männliche Sachen sie machen. Groupies, Alkohol und so weiter. Mädchen machen aber auch coole Sachen, oder?
Emily: Wir schwimmen in Seen.
Becky: Nackt.
Lucie: Und wir machen leckeres Essen.
Becky: Lucie macht Salat im Auto.
Emily: Wir klingen ganz schön langweilig. Aber wir trinken auch. Gelegentlich. Und wir haben manchmal auch Groupies.
Becky: Meistens Frauen.

Echt jetzt?
Becky: Nein, nein.

Groupie sein ist aber eh mehr so eine Mädchen-Sache.
Emily: Ich glaube auch. Wir kriegen die Leute zwar dazu, zu uns zu kommen und zu sagen „Das war echt gut“ und so weiter. Aber niemand bleibt noch da und wartet darauf, dass wir zu ihnen kommen und sagen „Komm mit mir mit“.
Becky: Ich hab heute einen Liebesbrief von einem Fan bekommen.

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Und was stand drin?
Becky: Es war ein Gedicht, darüber Türen zu öffnen für neue Möglichkeiten oder so.
Emily: Die Hoteltüre öffnen?
Becky: Und es stand dabei „Bitte ruf Tito an“.
Lucie: Falls ich jetzt was sexistisches sage, sagt mir Bescheid, aber ich denke es gibt immer Mädchen, die sagen „Wow, das war so toll“ und Männer in einer Band genießen solche Schmeicheleien bestimmt. Aber wenn man eine Frau in einer Band ist, dann kann das ein bisschen einschüchternd auf Männer wirken. Sie kommen ganz sicher nicht rüber und sagen „Wow, das war so toll“.
Emily: Außerdem sehen wir auch nicht so aus, als ob wir mit jedem schlafen, der zu uns sagt, dass unser Auftritt toll war.

Das ist dann Männersache.
Lucie: Ja, so sind wir einfach nicht.
Emily: Aber wir haben ein paar Groupies. (alle lachen)
Becky: Roger.

Werft einfach mit ein paar Namen um euch.
Becky: Roger gibt es wirklich. Er ist ein 60-jähriger Mann…

Ihr seid in die Abbey Road Studios eingebrochen? Kommt man da so einfach rein?
Becky: Wir wurden von den Toningenieuren reingelassen. Mitten in der Nacht. Also es war ziemlich leicht. Aber wir haben Paul McCartney verpasst, weil wir im Stau standen, so wie heute.
Emily: Aber wir haben Liam Gallagher gesehen, wie er den Flur lang lief. Er hat einen sehr anständigen Gang.

Schafe klauen und in Studios einbrechen. Ganz schön krass.
Becky: Ja und die ganzen Groupies.

Das würde man ja nicht von euch denken, vor allem wenn man eure Musik hört.
Becky: Ja, wir sind auch eigentlich nicht so. Wir sind ganz brav.

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Ihr habt gerade euer Album fertig aufgenommen.
Lucie: Ja, unser erstes Album. Noah & The Paper Moon war eher eine Compilation, eine Sammlung von allen Titeln, die wir mal aufgenommen haben.
Emily: Und das neue ist jetzt wie ein klassisches Album geschrieben.
Becky: Wir hatten echt eine gute Zeit. Es war auch gut, diesen Zeitdruck zu haben. Unser Studio war mitten im Zentrum von Liverpool, direkt unter einem Café, das wir sehr gut kennen. Deswegen war es einfach sehr schön, die Tage so zu verbringen: ins Studio gehen, im Café darüber zu essen, Tee zu trinken. Wir hatten auch ein paar Aufnahme-Sessions in der Nacht mit ein paar Gläsern Whiskey. Es war richtig gut.

Also habt ihr doch nicht in der Charlie Chaplin Villa aufgenommen.
Becky: Nein, haben wir nicht. Wir hatten das eigentlich geplant. Aber unsere Musik ist so sehr von unserer Heimatstadt beeinflusst, dass wir das erste Album auch in Liverpool aufnehmen wollten.
Emily: Das machen wir nächstes Mal.

Wie seid ihr denn auf Charlie Chaplin gekommen?
Becky: Das ging über einen irischen Freund von uns, Richard. Er ist mit dem Neffen von Charlie Chaplin befreundet, der diese Villa geerbt hat. Er macht Filme und wollte eine Dokumentation über uns und den Aufnahmeprozess machen. Es war gar nicht unsere Idee, es war mehr eine Möglichkeit, die sich anbot.

Und wie sähe dann eure Idee von einem Ort aus, an dem ihr ein Album aufnehmt?
Emily: Ich würde gerne auf dem Land aufnehmen, irgendwo in England.
Lucie: Ich glaube, dass sich der Ort, an dem man aufnimmt, immer in der Musik widerspiegelt. Man nimmt die Atmosphäre des Ortes auf. Deswegen ist es wichtig, dass man sich an dem Ort wohl fühlt. Eine befreundete Band von uns namens „All We Are“ hat ihr Album in einer Kirche aufgenommen und das hört man auch. Es ist schon sehr wichtig. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn man ganz verschiedene Orte wählt und jeder Track anders klingt.

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Ihr wirkt wirklich so, als würdet ihr euch schon ewig kennen, aus dem Kindergarten oder so.
Lucie: Wir haben uns tatsächlich alle erst vor zwei Jahren kennengelernt. In Liverpool gibt es ja eine ziemlich große Musikszene. Wir haben alle in Projekten gearbeitet und bei den Projekten unserer Freunde mitgemacht. Und im Prinzip gibt es jeden Abend ein Auftritt. Alle unsere Bands haben irgendwann gespielt und so haben wir uns getroffen.
Emily: Und wir mochten die Sachen der anderen. Deswegen dachten wir, wir passen bestimmt gut zusammen.

Wer von euch spielt Drum-Kit?
Lucie: Ich spiele Stand Up Drum Kit. Ich wollte kein Schlagzeug, sondern etwas, das man mit sich herum tragen kann, auch auf Festivals. Und außerdem kann ich dann auch stehen.
Emily: Meistens ist der Schlagzeuger im Hintergrund und hält alles zusammen. Aber nicht bei uns. Es ist schön, dass man dich auch sehen kann.

Bei euch gibt es ja auch keine Frontfrau.
Emily: Nein, wir drei eben.
Lucie: Wir schreiben auch alle drei die Lyrics. Da übernimmt automatisch immer jemand anderes die Führung.
Emily: In unseren Liedern übernimmt immer diejenige die Lead-Stimme, die den Text geschrieben hat. Wir sind wirklich ein Albtraum für den Soundtechniker.

Ein Lied von euch heißt „Your Saddest Song“. Was ist denn euer traurigstes Lied?
Lucie: Das traurigste auf der ganzen Welt?

Ja.
Lucie: Beach Boys mit „God Only Knows“.
Becky: Meins ist Eric Satie. Ich weiß nicht genau, wie das Lied heißt, aber es geht so… (fängt an zu singen)
Lucie: Ah das, aber ich kenn den Namen auch nicht.

Soll ich Shazam anmachen?
Becky: Haha, nein. Emily, wie ist deiner?
Emily: Ich mag das Lied, das wir letztens gefunden haben. Mit dem Meer und dem Himmel, ich kann mich nicht mehr an den Namen erinnern.
Lucie: Ja, das ist wirklich schön. Es heißt „Little Wings“.
Emily: Genau, aber ich weiß nicht mehr von wem es ist. Und noch ein Song, der wirklich traurig ist, ist „Trouble“ von Cat Stevens.
Lucie: Was ist mit dem traurigen Lied von deinem Freund?
Emily: Ja, ein Freund von mir macht Musik und als ich ihn einmal spielen sah, musste ich anfangen zu weinen. Das war mir echt peinlich. Ich hab so getan, als ob ich total stark bin und meine Freundin hat mich nur gefragt: „Weinst du?“ und ich nur so: „Nein, nein“. (alle lachen)

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Stealing Sheeps Into The Diamond Sun ist bei Heavenly Recordings/Cooperative Music erschienen.