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Warum Austrofred der bessere Late Night Act für das Nova Rock als Money Boy ist

Nach dem Turndown im WUK wurde Ex-Moneyboy Why SL Beezy's Auftritt am Nova-Rock abgesagt. Austrofred ist sein Ersatz.

von Markus Höller und Markus Höller
24 März 2016, 9:31am

Nach dem bereits jetzt legendären Meltdown im WUK (ja, ich war auch dort und ja, ich bin immer noch ziemlich angepisst) befindet sich Money Boy aka Why SL Beezy aka Why SL Know Plug immer noch auf einem recht erratischen Kurs. Die Veranstalter des Nova Rock haben praktisch unmittelbar nach WUK-Gate den Plug gezogen (haha) und Meisinger vom vorgesehen Late Night Slot am Nova Rock-Samstag ausgeladen. Was natürlich bei der Festivalgemeinde schnell etliche Fragezeichen und Spekulationen verursachte—schließlich gilt es nicht nur, den nach Freitag mit der EAV eh schon gut besetzten Spaß-Gig zu toppen, sondern auch eine würdige Nachfolge zu den Granaten der letzten Jahre (Otto, The Hoff) zu finden.

Mit der Ankündigung von keinem geringeren als Austrofredist das mehr als gelungen. Obwohl ich natürlich das ursprüngliche Votum der Nova Rock Gemeinde durchaus respektierte, habe ich ja insgeheim trotzdem auf die schnauzbärtige Rampensau gehofft, und sehet: Mein Wunsch wurde wahr! Warum das Multitalent in jedem Fall die aktuell beste Wahl, vor allem aber besser als Money Boy ist, kann ich euch gerne erklären.

Hinsichtlich Live-Qualität ist das eine ganz klare Sache. Es ist kein Geheimnis, dass Franz Adrian Wenzl, wie Austrofreds Mädchenname lautet, ja auch als Sänger und Frontmann der Indie-Rock-Band Kreisky sehr umtriebig ist. Richtige Instrumente, vier Studioalben, Chartplatzierungen und ein Amadeus sprechen eine deutliche Sprache – hier haben wir einen gelernten Rocker, der sich mit dem entsprechenden Publikum auskennt. Die harte Schule der oberösterreichischen Bierzeltszene ist ein zusätzliches Plus. Wertvolle Erfahrungen, die sein Alter Ego Austrofred in den bekannt exzentrischen, aber energiegeladenen Shows schon oft unter Beweis stellen konnte. Die durchaus festivalaffine Setlist fügt sich da nahtlos ein. Why SL Beezy hingegen hat bis auf wenige Ausnahmen meist nur mehr schlecht als recht dargebrachte Playback-Gigs vorzuweisen, der schiere Output an Tracks auf YouTube ist nicht unbedingt die beste Basis, um mitten in der Nacht schlammverkrustete Rocker zum Mitgröhlen zu animieren. Nach dem gefühlten hundertzwanzigsten „Burrr" oder „Yo " wird da selbst der besoffensten Helga das Bier sauer.

Nicht zu vernachlässigen ist auch die Fähigkeit, das Publikum fest im Griff zu haben. Austrofred, ganz Showprofi, tritt pünktlich auf—und das weitestgehend nüchtern. Oder sagen wir zumindest drogenfrei. Dann kann er eine gut angeheizte Meute bis zur Ohnmacht antreiben, gibt alles und oft mehr als seine Stimme überhaupt kann. Bei MBeezy ist schon aufgrund seines Genres eine saloppe Handhabung der Stagetime vorprogrammiert. Siehe WUK. Nur: Schlappe Shows wie seine in Amsterdam oder No Shows wie im WUK kann man auf einem Festival dieser Größenordnung nicht bringen—wozu ein Mob von zehntausenden vollfetten und enttäuschten beziehungsweise gereizten Zuschauern fähig ist, hat man ja schon bei Woodstock 99 gesehen. Veranstalter Nova Music ist wahrscheinlich wenig erpicht darauf, sich Zelte und Lichtmasten heiß abtragen zu lassen oder ein Festival im Becherhagel enden zu lassen. Wahrscheinlich auch deren Gedanke bei der blitzartigen Ausladung von Why SL Beezy.

Letztlich geht es aber um den Gesamteffekt. Auch wenn das ursprüngliche Voting ganz klar ausgefallen ist, haben sich wahrscheinlich viele potenzielle Besucher insgeheim irgendeine Art von kleinem Skandälchen erwartet—dafür ist der Boy ja immer gut, und wer will nicht dabei sein, wenn wieder mal epische Trollgeschichte geschrieben wird. Spoiler: Es ist nicht annähernd so leiwand, wie man meinen sollte. (Ich bin immer noch angefressen wegen der WUK-Sache, falls ich das noch nicht erwähnt habe.) Freilich ist das mit Sicherheit zu wenig, um eine Festivalnacht noch positiv abzurunden—die EAV nach Wanda und The Offspring am Vortag ist doch ein sehr rundes Paket, was die Kirtag-Mentalität des Festivals betrifft. Da sperrt sich mit Money Boy schon einiges, auch wenn nach Cypress Hill viele im Publikum wahrscheinlich genau so breit sind wie Meisinger backstage. Volbeat noch dazu—der Flow passt nicht. Austrofred kann hier mit seinem als Freddie Mercury-Wiedergänger dargebrachten Programm aus mundartlichen Covers großer Rockhits einfach wesentlich völkerverbindender zwischen Beats und Stromgitarre, Nickelsdorf und L.A oder Grasdampf und Bierlettn vermitteln.

Ich freue mich aber unterm Strich am meisten darüber, dass trotz der massiven internationalen Headliner doch noch ein österreichischer Künstler die Ehre hat, den musikalischen Badeschluss am Samstag zu verkünden, und die Veranstalter hier den idealen Spagat aus Spaß-Act, professioneller Einstellung und passender Genre-Auswahl gefunden haben. Außerdem hat Austrofred das geilere Merchandise.

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