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Interviews

Ice Cube über N.W.A: „Wir hatten weltweit den krassesten Einfluss!“

Kurz vor dem ersten N.W.A-Auftritt in 15 Jahren spricht der Rapper exklusiv mit Noisey über den bald erscheinenden Film ‚Straight Outta Compton‘.
30.6.15

Foto via Facebook | Ramona Rosales

„What up, this is Cube.”

So meldet sich Ice Cube, wenn er anruft. Kein Bullshit. Direkt auf den Punkt. Nicht einmal mit ganzem Namen. Das ist Cube, Alter. Zeit zuzuhören.

Der Grund für seinen Anruf ist das erste N.W.A-Konzert seit 15 Jahren. Es findet am kommenden Wochenende bei der BET Experience in Los Angeles statt, wo die legendäre Formation Songs von ihrem legendären Debüt Straight Outta Compton zum Besten geben werden—anlässlich des demnächst erscheinenden, gleichnamigen Films über ihre Bandgeschichte.

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Und wie fühlt er sich damit?

„Mit diesen Typen auf die Bühne zu gehen, wird wie Fahrradfahren sein. Wir sind N.W.A, du weißt schon was ich meine“, sagt der 46-jährige Rapper, Schauspieler, Produzent und Filmemacher. „Wir werden so bösartig wie möglich sein.“

„Bösartig“ ist vielleicht das Adjektiv, an das du dieser Tage denkst, wenn du an N.W.A denkst. Dr. Dre ist momentan mehr als erfolgreicher Geschäftsmann im Bereich Unterhaltungselektronik bekannt, die IMDB-Liste von Ice Cube ist länger als seine Diskografie und N.W.A-Shirts gehören heute in Shopping Malls zum Standard-Verkaufsinventar. Aber einst galt diese Formation tatsächlich als bösartig. Sie hat den Leuten Angst gemacht und die Welt verändert.

Seit der Gründung der Gruppe sind die Mitglieder—Arabian Prince, DJ Yella, Dr. Dre, MC Ren, Eazy-E und natürlich Ice Cube—Aushängeschilder einer Bewegung, bei der es nicht nur um Musik geht, sondern auch um Ethnie und Kultur in den USA. N.W.A waren ein politischer Blitzableiter und musikalische Revolutionäre, die die Art und Weise verändert haben, wie die Leute innerhalb des HipHop über das Genre dachten. „Wir haben dafür gesorgt, dass es für einen Künstler OK ist, er selbst zu sein“, sagt er. „Du musst nicht blitzsauber sein, um größer zu sein als die blitzsauberen Typen.“

Und Cube hat recht. N.W.A's Straigt Outta Compton, 1988 veröffentlicht, lenkte Musik auf dahin unbekanntes Terrain. Songs wie „Fuck Tha Police“, „Straight Outta Compton“ und „Gangsta Gangsta“ nahmen eine eindeutige Haltung gegenüber Polizeigewalt und den sozialökonomischen Problemen schwarzer Männer im Los Angeles der späten 80er ein. N.W.A haben im wahrsten Sinne des Wortes Gangsta Rap erfunden. Sie haben HipHop zu einem West Coast-Ding gemacht. Außerdem war ihr Sound einfach unglaublich progressiv—es war nicht nur eine der ersten Rap-Kombos, die überall in den Vereinigten Staaten gut ankamen, sondern auch auf der ganzen Welt. Man vergisst schnell, wie direkt und gradlinig ihr Sound damals war—dir wurden ihre Meinungen und Gedanken direkt ins Gesicht geknallt. Ihnen war alles scheißegal. Und das hast du gemerkt. Und du wolltest mehr.

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Die Bedeutung der Crew überstieg damals im Nachhinein so ziemlich alles, was Cube und der Rest von N.W.A sich jemals hätten erträumen können. Jetzt versucht ein Film—Cube ist als Produzent beteiligt—die Geschichte der Gruppe zu erzählen. Wird das gelingen? Vielleicht. „Ich hätte nicht gedacht, dass jemand die Eier dazu haben würde“, sagt Cube. Deswegen ist er auch selbst mit eingestiegen. Obwohl hier eine Geschichte von zehn Jahren in zwei Stunden und zwanzig Minuten erzählt wird, ist er der Meinung, dass der Film „großartig“ geworden ist.

Wo siehst du N.W.A's Platz in der HipHop-Kultur von heute?
Ice Cube: Ich denke, wir haben die Musik und viele andere Dinge nachhaltig verändert. Ich glaube, dass unser Einfluss weit über die Musik hinausgeht. Wir haben vielen Künstlern die Möglichkeit gegeben, sich selbst zu befreien. Sie brauchten nicht mehr das Gefühl zu haben, so oder so sein zu müssen. Sie mussten nicht mehr makellos sein. Wir machten es OK für dich, dass du einfach sagen kannst, was du sagen willst, der sein kannst, der du sein willst, und trotzdem berühmt und erfolgreich zu werden. Es gab einige wegweisende Künstler vor uns, aber mit unserem Ansatz hatten wir mit den größten Einfluss auf HipHop überhaupt.

Habt ihr das damals schon gemerkt?
Ja. Man merkt, wie sich das eigene Leben ändert. Man merkt, wie sich die eigene Perspektive ändert. Erst bist du noch irgendein Typ aus der Hood, dann wirst du plötzlich der landesweite Sprecher für eine bestimmte Art von Musik und dann mit einem Song wie „Fuck Tha Police“ zu einem globalen Vorbild. Ja, wir haben uns natürlich verändert.

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Wie seht ihr das denn heute—so viele Jahre später?
Hm. Nun, während es passiert, weißt du, dass es die eigentliche Explosion ist—und das hier sind die Nachwirkungen. Wir haben jetzt mit den Nachwirkungen der ganz großen Explosion zu tun. Es wird immer diese Welt vor N.W.A und die Welt nach N.W.A geben. Die Welt ist aber natürlich riesig.

Inwiefern hat sich die Kultur deiner Meinung nach in den letzten 25 Jahren verändert?
Wenn du dir Straight Outta Compton und Zeug wie „Fuck Tha Police“ anschaust—Sachen, die eigentlich 400 Jahre zu spät kamen, wenn du bedenkst, wie wir von Tag eins bis heute in diesem Land behandelt worden sind—eigentlich hat sich nichts geändert. Für den Typen, der von den Cops zusammengeschlagen wird, für den hat sich nichts geändert. Für den Typen, der nicht von den Cops zusammengeschlagen wird—der findet vielleicht, dass sich alles geändert hat. Es kommt immer auf die Perspektive an. Unsere Musik ist die ungeschminkte Wahrheit. Sie zeigt das Gute, das Böse und das Hässliche. Wir haben eine Menge Dinge in Bewegung gesetzt, die heute passieren und heute in der Gesellschaft akzeptiert sind—Dinge, die früher, als wir das Album gemacht haben, definitiv nicht akzeptiert waren. Die Sprache im Fernsehen hat sich geändert—also obwohl hier viel weggepiept wird, hat sie sich verändert. Hätte NWA damals dieses Tabu nicht aufgebrochen, was du tun, was du sagen und wie du dich verhalten darfst, dann würde es eine Menge Sendungen heutzutage nicht so geben.

Wie lebt es sich mit dem Wissen, die Geschichte nachhaltig verändert zu haben?
Es ist ein Traum. Als Künstler will man etwas Bleibendes hinterlassen, man will ein Erbe haben, mit den ganz Großen in einem Zug genannt werden. Man will, dass die von einem geschaffene Unterhaltung Menschen bis in alle Ewigkeit unterhält. Man könnte sagen, dass ich meine ganze Karriere lang danach gestrebt habe—und ich strebe immer noch danach.

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Hättest du je gedacht, dass jemand einen Film über N.W.A macht?
Nein. Ich hätte nicht gedacht, dass jemand dazu die Eier hat. Es begann alles mit Toby Ehrlich und aus irgendeinem Grund konnten er den Film dann nicht für diesen Verleih zu machen, für den er ihn ursprünglich machen wollten. Aber das ist so Business-Scheiße. Donna Lane von Universal hatte dann aber die Eier, das mit dem Film durchzuziehen—ohne zu versuchen, etwas zu beschönigen. Es braucht also so mutige Menschen wie sie, die Entscheidungen treffen. Dann verändert sich auch etwas.

Denkst du, dass es dem Film gelungen ist, die Story zu erzählen?
Ja, wir haben es geschafft. Das ist auch der Grund, warum ich, Dr. Dre, Tomica Wright, F. Gary Gray, Scott Brownstein, Ed Alvarez—warum wir alle so viel Geld und Zeit da reingesteckt haben. Es gab keinen Grund, ihn zu machen, alles in meine Hände geben und Cube einfach machen zu lassen und es dann nicht zu schaffen. Es ist nicht einfach, zehn Jahre in zwei Stunden und zwanzig Minuten zu quetschen, aber wir haben es geschafft. Und wie wir es geschafft haben! Da kommt auf jeden Fall bald ein großartiger Film raus.

Was erhoffst du dir von dem Film?
Er zeigt eine Episode im Leben der Beteiligten. Er zeigt, wie es damals war. Lass es mich so ausdrücken: Das ist der einzige Film, in dem es um Bandenkriege, Dealen, Aids, die Reagan Politik, Polizeigewalt, Meinungsfreiheit, das FBI und, ach ja, ein wenig auch um HipHop geht. Es ist der einzige Film, der das alles zu bieten hat.

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