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Interviews

Diese 20-jährige Berlinerin hat Rihannas „Bitch Better Have My Money“ geschrieben

Bibi Bourelly ließ einfach ihrer schlechten Laune freien Lauf. Drei Stunden später war der Song fertig.
7.4.15

Update: Rihannas neues Video zu „Bitch, better have my money (BBHMM)“ war in aller Munde. Oder in aller Blute, weil man vor allem die rote Körperflüssigkeit sieht. Seht euch das Video an und ihr werdet heute wie Babys schlafen:

Unsere Gebete wurden erhört. Rihanna kam zurück und R8 könnte jeden Moment wie Yokozunas Banzai Drop auf dem bislang recht ausdruckslosen Gesicht des zweiten Quartals des Popjahres einschlagen.

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Vor einiger Zeit erschien dann „Bitch Better Have My Money“. Aber bei so großen Namen wie Rihanna als Sängerin und Kanye als ausführendem Producer vergisst man schnell, dass es noch eine, zwar weniger bekannte, aber gleichermaßen talentierte Person gibt, die maßgeblich an der Erschaffung dieses platinbesetzten Trap-Panzers beteiligt war. Will sagen: Die Frau, die das verdammte Stück geschrieben hat.

Bevor #BBHMM zum Rihanna-Hit wurde, war der Track nur eine 20-jährige Berlinerin namens Bibi, die in einem Studio in L.A. über unfertige Beats des Roc Nation Producers Deputy ihrer schlechten Laune freien Lauf ließ.

Bevor du jetzt aber denkst, dass Bibi Bourelly, so ihr voller Name, bloß eine weitere junge, ambitionierte Songwriterin in der schnelllebigen Majorlabel Hitmaschinerie ist, sollte ich wohl noch hinzufügen, dass diese junge Dame sehr wohl auch ihr eigenes Ding macht. Wenn du dich persönlich davon überzeugen willst—noch bevor sich die ganze Welt auf sie stürzt—solltest du mal ihren Instagram-Account besuchen. Dort findest du alles: von Live-Snippets unfertiger Bibi Songs, über melancholische Oasis-Cover, bis hin zu einer Menge Fotos von Bibi neben den großen VIPs der Popwelt. Ich habe mich mit ihr über Rihanna, ihre neue Berühmtheit und das, was sie damit anfangen will, unterhalten.

Noisey: Hi Bibi! Wo bist du gerade?
Bibi Bourelly: Ich bin in … [Pause] L.A. Irgendwie kam mir das jetzt nicht so leicht über die Lippen.

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Wie hast du den Song denn geschrieben?
Wir haben einfach mit Deputy im Studio rumprobiert. Zu der Zeit habe ich noch gerne Songs auf Beats geschrieben—etwas, das ich nicht mehr mache. Er spielte mir was vor und ich bin dann in die Kabine und fing an, so was wie „BITCH BETTER HAVE MY MONEY!“ zu sagen—ich war an dem Tag irgendwie schlecht drauf. Nach drei Stunden hatten wir die Sache im Kasten und Dep hat dann Zuhause noch etwas daran rumgeschraubt. Der Song wurde dann so wie er war veröffentlicht und kam bei den Leuten anscheinend gut an.

Mir will das irgendwie nie in den Kopf, wenn ich von so großen Tracks höre, dass sie in weniger als einem halben Tag geschrieben wurden.
Ein Stunde kann dein ganzes Leben verändern. Ich selber bin ja erst seit anderthalb Jahren in dem Geschäft—es ist also noch viel verrückter für mich. Es ist schon abgefahren, aber ich bin wirklich glücklich. Das ist alles so schnell passiert. Ich bin wirklich dankbar dafür.

Man hatte dich also extra damit beauftragt, diesen Song für Rihanna zu schreiben?
Hmm, wir haben ihn eigentlich nur aus Spaß geschrieben. Wir dachten uns: „Versuchen wir mal einen Song für Rihanna zu schreiben.“ Wir hätten niemals gedacht, dass sie ihn sich auch wirklich mal anhören oder ihn verwenden würde—wir machten einfach. Es hat auch ewig gedauert, bis wir ihn zu ihr bekommen haben. Als sie ihn dann hörte, fand sie ihn cool. An erster Stelle bin ich eine Künstlerin, verstehst du? Die einzigen Projekte als Songwriterin, die ich je hatte, waren für Rihanna. Und, um ehrlich zu sein, ist sie auch die einzige Person, bei der es mir wirklich etwas bedeutet, für sie zu schreiben. Sie mochte meine Songs und die Sachen, die ich machte, weil ich es einfach liebe, Musik zu machen.

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Wenn man sich dein Instagram anschaut, dann sieht man dich da mit Kanye, Usher, und Pharrell abhängen. Auch wenn die Meisten von uns dich bislang nicht kannten, war das bei den ganzen Wichtigen anscheinend ganz anders?
Dieser Kontrast war schon komisch.

Hast du schon mit einem der drei zusammengearbeitet?
Mit Kanye. „BBHMM“ hat ihm sehr gut gefallen. Er war auch dabei, als wir den Song zum ersten Mal gespielt haben und er brachte mich dann zu einem Treffen mit Rihanna. Sie fand den Song dann auch super.

Und was ist mit dir Bibi? Ich habe das Gefühl, man will jetzt mehr über dich wissen.
Mein Vater ist ein professioneller Musiker. Ich bin mit Bassspielern aus dem Senegal und aus Ghana aufgewachsen, die in unserer Küche über irgendwelche Verschwörungstheorien gesprochen haben. Außerdem bekam ich die Möglichkeit als Kind mit meinem Vater auf Tour zu gehen. Es steckt also in meinen Genen. Es ist einfach das, was ich mache. Ich bin nicht etwa eines Morgens aufgewacht und hab mich dann dazu entschieden, Musikerin zu werden. Das war ich schon immer. Seit 16 Jahren schreibe ich schon Songs und jetzt bin ich 20. Es ist meine Art zu kommunizieren.

Stimmt es, dass du aus Berlin kommst?
Ja, ich bin Deutsche und Berlin hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Berlin ist meine Musik, es ist die Art, wie ich mich kleide, wie ich spreche. Ich bin in den Straßen der Stadt großgeworden. Ich habe meine Zeit damit verbracht, zu taggen, coole Musik zu hören und auf den Dächern von verlassenen Gebäuden abzuhängen—und zu wenig zu Hause zu sein. Dann bekam ich Stress und bin nach Amerika gegangen.

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Was für Stress?
Ich war kurz davor, die Schule nicht zu packen, musste deswegen einen Extrakurs machen und schaffte meinen Abschluss nicht rechtzeitig. Ich war eine von diesen Kämpferinnen. Diese ganze Schulgeschichte war nie das, was ich eigentlich wollte. Ab einem gewissen Alter merkte ich, dass ich mich schon besser kannte als viele andere in meinem Alter. Ich wusste, was ich liebte—also wirklich liebte—ich wusste, was mich ausmachte, und das war die Musik. Ich sagte also: „Scheiß auf die Schule!“, packte meine Sachen und zog nach L.A. Ich sagte, ich werde es schaffen, ich werde Musik machen—und das tat ich auch. Ein Jahr später habe ich eine Rihanna Single.

Dagegen kann man nicht viel sagen.
Ich weiß noch, wie viel Arbeit ich als Kind in die Musik gesteckt habe und ich weiß auch, wie gut ich mich mit Musik auskenne. Nicht damit zu arbeiten, wäre für mich total irrational. Manche Menschen sagen ja, dass Musik oder Kunst zu machen, ein unrealistisches Ziel ist, aber für mich ist Musik meine Realität. Für mich ist es unrealistisch, zur Schule zu gehen. Das war für mich total sinnlos. Ich wusste, dass sich das hier eines Tages auszahlen würde. Es geht auch darum, sich selbst genug zu trauen, um man selbst zu sein.

Stimmt es, dass du auch „Higher“ für Rihannas neues Album geschrieben hast?
Ja, das ist ein wirklich großer Song und er bedeutet mir viel. Sie hat ihn wirklich super umgesetzt. „Higher“ geht auch mehr in die Richtung von dem, was ich selber machen würde.

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War es am Anfang schwer, dich dafür zu entscheiden, welche Songs du weggeben und welche du lieber für dich behalten willst?
Alles im Leben passiert aus einem Grund. Die Arbeit mit Rihanna hat mein Leben verändert. OK, eigentlich waren es die 20 Minuten, die ich gebraucht habe, um „Higher“ zu schreiben, die mein Leben verändert haben. Auch wenn wir „Bitch Better Have My Money“ zuerst geschrieben haben, hat sie diesen Song zuerst gehört.

Was hältst du von der ganzen Aufmerksamkeit, die du jetzt wahrscheinlich bekommen wirst?
Zuerst hatte ich Angst davor und dem, was damit verbunden ist. Ich bin aber selbstsicherer geworden und ich verstehe, dass man bestimmte Opfer bringen muss, um etwas Großes zu erreichen. Ich bin dankbar, das tun zu können, was ich liebe, und so lange meine Songs irgendwelchen Kids helfen, ihren Schultag oder die Arbeit zu überstehen oder so, bin ich glücklich.

Was kommt sonst noch?
Die Leute haben noch nicht alles von mir gesehen. Ich habe noch mehr neue Musik. Sehr bald dann.

Bis du deine eigenen Sachen rausbringst, wirst du von den meisten Menschen als Songwriterin gesehen. Stört dich das?
Ich bin eine Künstlerin und keine Songwriterin—mental und im Herzen. Ich schreibe keine Songs, nur damit ich auf einer Platte bin. Ich schreibe keine Songs, um sie zu verkaufen. Ich schreibe Songs, um mein Herz auszuschütten—egal, ob aus Trauer oder aus Glück. Kennst du dieses Sprichwort, dass es 10.000 Stunden braucht, um etwas wirklich zu meistern? Ich habe viel geübt, ich habe es gemacht und es hat sich noch nicht wie 10.000 Stunden angefühlt, weil es einfach das ist, was ich liebe. Genau wie ein Fußballspieler es auch liebt, Fußball zu spielen. Wenn du für etwas bestimmt bist, dann umgibt dich das komplett. Es ist das überwältigendste Gefühl der Welt. Ich mache nichts anderes als Musik. Es ist ein High, es ist eine Sucht, es ist psychotisch, es ist krankhaft, es ist eine Obsession.

Word! Danke Bibi!

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