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Start der 2. Bundesliga

8 Gründe, warum die zweite Liga geiler als die Bundesliga ist

Es gibt es keinen Lewandowski oder Dembélé, die Spiele sind langsamer und die Stadien kleiner. Trotzdem solltest du ab heute zum Fan der zweiten Bundesliga werden.

von Paul Schumacher
28 Juli 2017, 10:39am

Fans von Fortuna Düsseldorf. (Foto: Imago)

Ein deutscher Sportsender betitelt sie jedes Jahr als "Beste zweite Liga der Welt", gemeint ist die zweite Fußball-Bundesliga. Heute startet die 44. Auflage des Fußballunterhauses und wir haben Bock drauf. Zwar wissen wir nicht, ob sie tatsächlich weltweit den Vergleich zu den anderen zweiten Ligen gewinnt, doch eigentlich überflügelt sie oftmals gar die erste Bundesliga.

Trotz geringerer Zuschauerzahl, keiner Weltstars und oftmals unschönem Rumpelfußball punktet die zweite Liga mit Spannung und Tradition. Getoppt wird unser Heißhunger auf das Unterhaus durch die Skandalnudel aus Darmstadt. Wenn ihr von der Bayerndominanz und den Plastikklubs der Bundesliga genug habt, dann nehmt mit uns den Fahrstuhl ins Unterhaus.

Jeder kann wirklich jeden schlagen

Letzte Saison putze Abstiegskandidat Bielefeld den Aufstiegsaspiranten Braunschweig mit 6:0 weg, Aufsteiger Würzburg schickte Meister Stuttgart mit 3:0 nach Hause und dann verlor der Tabellenletzte Karlsruhe erst mit 0:5 gegen Konkurrent St. Pauli, um noch in der selben Woche Vizemeister Hannover zu schlagen. Solche Überraschungen sind in der Bundesliga leider Mangelware. Zwar gewann Darmstadt zu Hause gegen den BVB, aber Dortmunds sonstige Niederlagen (Bayern, Hertha, Frankfurt, Leverkusen, Leipzig) und Bayerns verlorene Spiele (Dortmund und Hoffenheim) waren zum Zeitpunkt der Partien immer gegen Topmannschaften.

Kein FC Bayern

Letzte Saison ist Stuttgart mit zwei Punkten Vorsprung Zweitliga-Meister geworden. In den zwei Jahren zuvor betrugen die Abstände vom Klassenprimus zum Zweitplatzierten jeweils fünf Punkte. Im gleichen Intervall im Oberhaus sicherten sich die Bayern jede Meisterschaft mit einem Abstand von mindestens zehn Punkten.

Mehr Spannung

Generell ist es nach dem Aufstieg von den zwei Großklubs aus Stuttgart und Hannover richtig eng im Unterhaus. "Es gibt in dieser Saison keinen klaren Favoriten wie noch in den Jahren zuvor", erklärte Darmstadt-Coach Torsten Frings dem kicker. "Die 2. Bundesliga ist sehr ausgeglichen und viele Teams werden um die Aufstiegsplätze konkurrieren", meint Ingolstadts Trainer Maik Walpurgis. Auch die Fans sind sich nicht einig, wie eine Umfrage des Sportmagazins zeigt: Von den 50.000 Lesern werden Braunschweig (39,7 Prozent) und Union Berlin (38,8 Prozent) als aussichtsreichste Aufstiegskandidaten gehandelt.



Keine relationslosen Millionentransfers

Die Zweitligaeinkäufe mit den höchsten Ablösesummen sind Ende Juli Stefan Kutschke (mit 1,5 Millionen Euro), Paulo Otavio (1,35 Mio.) und Cenk Sahin (1,30 Mio.). Für fast 200 Neuzugänge gaben die 18 Zweitligavereine laut transfermarkt.de bisher erst 11,2 Millionen Euro aus. Zum Vergleich: Alleine der Bundesliga-Aufsteiger VfB Stuttgart investierte bisher 12,8 Millionen Euro in neue Spieler. Die 41,5 Millionen Euro, die der FC Bayern alleine für die Dienste von Corentin Tolisso ausgegeben hat, übersteigen laut dem Portal fast den Gesamtmarktwert der Absteiger Ingolstadt und Darmstadt zusammen.

Keine "El Plastico"-Spiele

Klubduelle zwischen Dosen- und Autoherstellern oder Pharmariesen und Miliardärs-Dörfern? Nicht in Liga Zwei! Natürlich fließt auch Geld von Unternehmen in die Kassen der Zweitligaklubs, jedoch liest sich die Zweitligatabelle mit Kaiserslautern, Braunschweig, Dresden und Duisburg fast wie die Bundesliga aus den 90ern.

Es gibt fast immer noch Tickets

Es ist Wochenende und du hast spontan Bock auf Fußball? Viel Glück in München (Stadionauslastung 2016/ 2017 bei 100 Prozent), Freiburg (99,8 Prozent) oder Köln (99,1 Prozent). Du wirst dieses Glück (oder ganz viel Geld) brauchen, um noch ein Ticket zu erhaschen. In Liga Zwei gehört die Tageskasse noch zum Spieltag. Natürlich ist es etwas leerer, aber der nächste Punkt sichert dir dennoch einen stimmungsvollen Stadionbesuch.

Stimmungsfreunde und Stehplatzliebhaber kommen auf ihre Kosten

Die 90er haben angerufen: Während in der Bundesliga nur noch der SC Freiburg ohne Logen im Stadion auskommt, verzichten in der zweiten Liga Bochum, Darmstadt, Aue und Kiel ganz auf den Luxusabteile im Stadion. Zusätzlich gibt es in einigen Arenen der zweiten Liga sogar mehr Steh- als Sitzplätze (St. Pauli, Union Berlin, Darmstadt, Sandhausen, Heidenjeim und Kiel). Das muss erstmal nichts heißen, aber Fanszenen von Union Berlin oder Dynamo Dresden haben sogar die gelbe Wand in Dortmund voller Sehnsucht erblassen lassen. Und ganz ehrlich: Statt den Einheitsarenen in der ersten Liga kann man sich in Liga Zwei noch zwischen dem altehrwürdigen Betzenberg, der Dorfidylle in Sandhausen und dem hitzigen Millerntorstadion entscheiden.

Kevin Großkreutz

Kevin darf als Argument für die zweite Liga natürlich nicht fehlen. Nach seinem Rauswurf beim VfB Stuttgart beackert der Weltmeister jetzt die Flügel bei Darmstadt 98. Der authentische Kult-Kicker dürfte sich auch in der neuen Saison mit ehrlichen Analysen und sympathischen Aktionen neben dem Feld das ein oder andere Mal in die Schlagzeilen ballern. Wir freuen uns.

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