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#THEPLUS

Ein Jodel-Rap-Battle vereint Land und Stadt (fast) so gut wie Pizza

Stadt trifft Land, Jugendkultur trifft Tradition und alles vermischt sich zu einem neuen Ganzen.
5.4.16

Als ich zum ersten Mal davon hörte, dass ich nach der Kombination von Snowboardern und Holifarben nun bei einem Dreh für ein „Jodelbattle" dabei sein soll, konnte ich mir nichts darunter vorstellen. Ein „Clash der Kulturen" wurde mir versprochen: Im Mittelpunkt ein beinharter Rapper und ihm gegenüber eine Jodelgruppe in Schweizer Tracht. Bis dahin kannte ich bloss Rap-Battles, und die um ehrlich zu sein auch nur aus Eminems Film 8 Mile.

Die Rap-Szene ist mir zwar sympathisch, trotzdem hat mich noch niemand in die „Wissenschaft des Hip Hops" eingeführt. Ist das nicht auch beim Weintrinken so? Da brauchst du jemanden, der die Szene checkt und dir alles erklärt. Von der Jodel-Szene verstehe ich noch weniger als von der Rap-Szene. Genauer gesagt: Ich habe keinen blassen Schimmer. Ohne also zu wissen, was mich erwarten und wie mir das gefallen würde, machte ich mich auf den Weg zum Videodreh.

Als ich die Tür zum Studio öffnete, schlug mir der herzhafte Duft von Pizza entgegen—ich trudelte passend zur Mittagspause ein. Nach einer freundlichen Begrüssung der gesamten Crew setzte ich mich an den Tisch. Erst da wurde mir klar, wie (ungeplant) genial mein Timing war: Keine laufenden Kameras und keine Hektik. Das Set stand still. Ich erhielt einen unverhofften Einblick, der vieles vorwegnehmen würde: Ob Kameramann, Regisseur, Rapper mit Cap oder Jodler in Tracht—alle sassen sie gemeinsam am Tisch und unterhielten sich eifrig.

Man begegnet nun wirklich nicht alle Tage einem urbanen Rapper, der mit einem Vorzeige-Jodler in ländlicher Tracht über das unterschiedliche Preisniveau von Stadtwohnungen und jenen der Gemeinde Willisau diskutiert. Man könnte die gute Stimmung sicherlich der Mittagspause zuschreiben. Es war aber noch etwas anderes speziell an dieser Szenerie, etwas das ich erst nach einer gewissen Zeit identifizieren konnte: Die Diskussion lief trotz der Welten, die zwischen den beiden zu liegen schienen, so selbstverständlich ab. In diesem mindestens so kurzen wie besonderen Moment kam für einen Augenblick die ganze Diversität der Schweiz zum Ausdruck—zusammengehalten von Mietpreisen und Pizza.

Nach dem Essen ging es direkt los mit dem Dreh und meine Gedanken von eben wurden bestätigt: Der Beat droppt und die Künstler zeigen ihr Können. Stadt trifft Land, Jugendkultur trifft Tradition und alles vermischt sich zu einem neuen Ganzen. Beide lernen voneinander, ohne den anderen aus antrainierter Sturheit sinnlos abzulehnen. Ich sehe, wie die Freude am gemeinsamen Musizieren auf beiden Seiten echt ist. Während den kurzen Unterbrechungen durch den Regisseur wird gelacht und gescherzt. Unerwartete Kombinationen können echt gut sein: Denk an Erdnussbutter mit Marmelade, Hühnchen süss-sauer oder elektroangetriebene Sportwagen. Eben!

Ob Jodel oder Hip Hop — beides sind lediglich Szenen mit ihren eigenen Codes und „Verkleidungen". Trotzdem können sie zusammenfinden. Sei es bei einem Gespräch über Mietpreise, als Pizza-Liebhaber oder einfach als leidenschaftliche Musiker.


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