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Frauen wehren sich gegen einen Pick-up-Artist, der sie heimlich gefilmt hat

Luke Howards Videos, die Männer zu „Daygamern" machen sollen, sind laut ihnen schlicht Belästigung.

von Sierra Bein
28 Juli 2015, 9:22am

Screenshot von Lukeutopias YouTube-Kanal | Foto mit freundlicher Genehmigung von Rosella Chibambo

In Ottawa, Kanada, haben Frauen auf einen Mann aufmerksam gemacht, der heimlich seine Interaktionen mit ihnen gefilmt hat, um anderen Männern beizubringen, wie sie mit Frauen reden sollen. Zu diesem Zweck haben sie andere gebeten, ihre Erfahrungen öffentlich zu teilen und das Hashtag #corneredinottawa zu verwenden.

Luke Howard, ein sogenannter Pick-up-Artist (kurz PUA), ist für viele Frauen in Ottawa eher dafür bekannt, Frauen auf der Straße zu belästigen und Videos davon auf seinem Youtube-Kanal zu posten. Seine Videos zielen darauf ab, anderen Männern beizubringen, wie sie Frauen auf der Straße ansprechen und zu einem „Daygamer" werden, also zu jemandem, der Frauen tagsüber auf der Straße abschleppt anstatt in einem Club oder in einer Bar. (Nachdem vor Kurzem die Presse darüber berichtet hatte, sind die Videos online nicht mehr verfügbar.)

Bis jetzt ist die Aussage der Polizei von Ottawa, dass das öffentliche Filmen nicht unbedingt illegal ist, diese Art von Verhalten aber als Belästigung gewertet werden könnte. Einige Frauen haben bereits Beschwerde bei der Polizei eingereicht. Auch wenn Howard gesagt hat, dass er nicht das Gefühl hätte, dass seine Aktionen bedrohlich waren, haben viele Frauen ihn wegen seiner „Arbeit" zur Rede gestellt.

Eine Gruppe von Frauen hat sich über soziale Medien zusammengefunden, um mehr Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was Howard getan hat. Am Sonntag, den 19. Juli haben sie sich getroffen, um darüber zu sprechen, was sie tun können und ein Hashstag und eine Tumblr-Seite ins Leben gerufen, um Erfahrungen zu teilen.

VICE hat mit einer der Frauen, Rosella Chibambo, darüber gesprochen, was einige der Mitglieder erzählt haben und was das wirkliche Problem an PUAs ist.

„Frauen in der Gegend von Ottawa haben sich schon Monate, bevor die Geschichte öffentlich wurde, im Verborgenen gegenseitig gesagt: ‚Nehmt euch vor diesem Typen in Acht'", so Chibambo gegenüber VICE. „Denn mit einer öffentlichen Äußerung ist in so einem Fall viel Scham verbunden, da dir viel Hass entgegenschlägt und es viele Leute gibt, die dir sagen, du würdest übertrieben sensibel reagieren oder du würdest Männer davon abhalten wollen, mit Leuten zu sprechen."

Auf der Tumblr-Seite der Gruppe sollen Geschichten über Begegnungen mit Howard geteilt werden und sie dient dazu, mehr Aufmerksamkeit auf diese Angelegenheit zu lenken.

In einem anonymen Beitrag auf der Seite heißt es, dass Howard einer Frau mehr als einmal den Weg versperrt und sie angefasst hat, sodass sie letztendlich die Straßenseite gewechselt hat, um ihm aus dem Weg zu gehen. Es heißt, dass die Person diese Vorfälle verstörend fand, besonders da er sie aufgenommen und ins Internet gestellt hat.

In einem weiteren anonymen Beitrag heißt es, dass er in mehr als einem Fall einer Frau gesagt habe, sie solle sich verpissen, als sie ihn gebeten hat, sie in Ruhe zu lassen.

Howard hat auf seinem Blog Lukeutopia eine Stellungnahme veröffentlicht, in der es heißt: „Wenn eine Frau sich jemals in meiner Gegenwart bedroht oder unwohl gefühlt hat, dann tut es mir aufrichtig und wirklich leid, das war nicht meine Absicht."

„Auf der Straße ist es sehr anders, als wenn man in einer Bar oder in einem Club ‚eingeengt' wird", so Howard weiter. „Frauen können jederzeit weggehen oder sich einfach nicht drauf einlassen. Das ist ihr Recht. Dasselbe Recht, das du hast, wenn ein Obdachloser dich um Geld bittet oder jemand von einer Wohltätigkeitsorganisation eine Unterschrift von dir will, hast du auch, wenn eine Person versucht, mit dir in Kontakt zu kommen. Du kannst NEIN sagen! ... Es ist immer noch ein freies Land und dafür bin ich dankbar."

(Anmerkung: Der englische Originaltext ist voller Fehler)

Doch Chibambo traut dieser Entschuldigung nicht wirklich.

„Ich bezweifle die Ehrlichkeit seines Statements, denn ich denke, die Tatsache, dass er nicht gemerkt hat, dass Frauen sich von seinem Verhalten eingeschüchtert gefühlt haben, ist sehr fragwürdig", sagt sie. „Er weiß, dass dieses Verhalten unangemessen ist."

In einem Interview mit CBS sagte Howard, dass der einzige Zweck dieser Videos war, Männern zu helfen, ihre Ängste, Frauen anzusprechen, zu überwinden.

„Ich weiß nicht, ob das unmoralisch ist, denn mein Ziel war immer, Männern zu zeigen, dass sie keine Angst davor haben müssen, Frauen anzusprechen. Sie beißen dir nicht den Kopf ab", sagte er. „99 Prozent aller Frauen mögen das, es gefällt ihnen."

„Ich wollte keine Schauspielerinnen engagieren, ich wollte, dass es ungeschönt und echt ist."

Aber Chibambo zweifelt an Howards Behauptungen.

„Uns allen wurde deutlich, dass dies darüber hinaus ging, dass ein paar Leute ein wenig belästigt wurden", sagte sie. „Es gab wirklich verstörende Videos von ihm, in denen er Frauen belästigt, sie auf den Straßen Ottawas einengt und versucht, ihre Nummern zu bekommen."

„Ein paar der Titel dieser Videos waren ziemlich sexistisch und rassistisch."

Einige der Titel von Howards Youtube-Kanal lauteten: „Ottawa Day Game Number Close A Colombian Girl," „Daygame Ottawa Number Close a Hot Jamaican Girl" und „Ottawa Daygame Number Close Savannah with a BF".

Roosh V, Foto via Facebook

Ein weiterer PUA, der gerade für Aufsehen sorgt, ist Roosh Valizadeh (aka Roosh V), ein Amerikaner, der bereits in Berlin gesprochen hat und auch plant, nach Toronto und Montreal zu kommen, um Vorträge darüber zu halten, wie man Frauen behandelt. Es gibt bereits eine Petition, ihn nicht nach Kanada zu lassen.

Laut dieser Petition ist Roosh V der Initiator und Betreiber der Webseite Return of Kings, einer Seite, die „beabsichtigt, die Rückkehr des maskulinen Mannes in einer Welt herbeizuführen, in der Männlichkeit zunehmend bestraft und beschämt wird, um eine androgyne und politisch korrekte Gesellschaft zu erschaffen, die es Frauen erlaubt, Dominanz und Kontrolle über Männer auszuüben."

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„Eine der zentralen Gemeinsamkeiten bei all diesen Pick-up-Artist-Leuten ist, dass sie die Unsicherheiten von Frauen ausnutzen und Frauen herabwürdigen", so Chibambo. „Bei ihnen liegt nicht die Annahme zugrunde, dass Frauen menschliche Wesen sind und das Recht haben zu tun und zu lassen, was sie wollen, zu sprechen, mit wem sie wollen, und hinzugehen, wo sie wollen, ohne auf Basis der Vorstellung eingeschüchtert zu werden, dass Frauen eine Beute darstellen."

Chibambo hofft, dass Frauen weiterhin das Hashtag nutzen und dass diese Angelegenheit mehr Aufmerksamkeit bekommt, „damit Frauen in Ottawa in der Lage sind, Erfahrungen zu teilen, falls sie welche gemacht haben, und in erster Linie wissen, dass sie mit dieser Erfahrung nicht alleine sind und dass diese Erfahrung nicht angemessen war; es nicht richtig war, sich deswegen schlecht zu fühlen."

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