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Datenanalyse: Pyrozünder lieben Aue, Darmstadt und den DFB-Pokal

Eine Datenanalyse analysierte Pyro-Vorfälle in deutschen Stadien. Sie ergab auch: Zwischen Tabellen- und Städtenachbarn geht es besonders hitzig zu.
20.7.16

In der letzten Saison mussten die Fußballvereine der oberen drei Ligen wieder 1,7 Millionen Euro an Strafe wegen Fanvergehen an den DFB zahlen. Ein Großteil dieser Strafen wurden wegen des Zündens von Pyrotechnik erhoben. Nun werteten Analysten der „idalab GmbH" diese Fälle in einer interaktiven Datenanalyse aus und geben interessante und neue Einblicke zu der Frage, wann und wo Pyrotechnik in deutschen Stadien gezündet wird.

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So fanden sie heraus, dass Eintracht Frankfurt zwar in der abgelaufenen Saison die meisten DFB-Strafen für Pyrotechnik bekommen hat, jedoch vor allem die Stadien in Darmstadt und Aue für pyrotechnische Vergehen beliebt waren. Zwar erhielten sowohl der Erst- als auch der Drittligist keine nennenswerten DFB-Strafen wegen Pyrotechnik, doch beide Stadien eint das Alter. Während das Reinschmuggeln von Pyrotechnik in die neuen Multifunktionsarenen immer schwerer wird, gelten weitläufige und ältere Bauten wie das Darmstädter Stadion am Böllenfalltor als schlechter videoüberwacht und bieten leichtere Möglichkeiten der illegalen Pyrotechnik-Mitnahme.

Foto: Screenshot: idalab.de

Die Datenanalyse ergab ebenfalls, dass die Fanszenen in den obersten drei Ligen in lediglich 5 bis 6,5 Prozent der Fälle pyrotechnisches Material einsetzen. Beliebter als die Ligaspiele sind hingegen Partien im DFB-Pokal. So wird in 18,25 Prozent der Fälle im Pokal pyrotechnisches Material gezündet. Laut Analyse wurden in 63 DFB-Pokalspielen 23 pyrotechnische Vorfälle bestraft: Es wurde also in jedem dritten Pokalspiel gezündet. Das sieht man auch bei den durchschnittlichen DFB-Strafen pro Spiel, die im Pokal mit 4.020 Euro mehr als doppelt so hoch ausfallen wie in der Bundesliga (1.547 Euro). Das könnte an der hitzigen Stimmung des K.o.-Modus, den seltenen Begegnungen von Mannschaften verschiedener Ligen in kleinen Stadien und der großen Bühne des Pokals zusammenhängen.

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Während Verbände und Politik bei Pyro-Vorfällen von Randale sprechen, sieht die Ultrabewegung die pyrotechnischen Gegenstände als wichtiges Ausdrucksmittel ihrer Emotionen, die die Atmosphäre in den Stadien zudem noch hitziger machen. Die Datenanalyse stützt die Ultras: So wird Pyrotechnik vor allem in jenen Partien gezündet, in denen die beiden Mannschaften tabellarisch eng beieinander standen oder die geographische Distanz eine Rolle spielt. In mehr als 50 Prozent der bestraften pyrotechnischen Vorfälle spielten Mannschaften gegeneinander, die weniger als 200 Kilometer trennte. Der Ultra-Slogan „Emotionen respektieren—Pyrotechnik legalisieren" scheint also gar nicht so verkehrt gewählt zu sein.