Die nächste Generation der Vibratoren für Männer ist im Anmarsch

Wir haben uns mit dem Mitbegründer von Hot Octopuss über das Gerät unterhalten, das dir als Mann den besten Orgasmus deines Lebens bescheren soll.

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26 August 2015, 4:06am
Dieses schnittige Gerät bereitet männlichen Genitalien großes Vergnügen. Fotos bereitgestellt von Hot Octopuss

Im Jahr 2013 präsentierte Hot Octopuss, ein Sexspielzeug-Unternehmen aus Großbritannien, sein Vorzeigeprodukt: eine vibrierende Penishülle, welche offiziell auf den Namen „Pulse" getauft und dann ganz aggressiv als der erste „Guybrator" der Welt vermarktet wurde.

In den ersten Reviews des schlank, futuristisch und diskret anmutenden Geräts verglich man das Ganze mit einem 99 Dollar teuren, per USB-Kabel wiederaufladbaren „Darth-Vader-Helm" für deinen Schwanz. Gleichzeitig hielt man Hot Octopuss allerdings auch zugute, dass das Unternehmen einen neuen Weg einschlagen wollte: Mit dem Pulse wollte man den einst schäbigen Sexspielzeugen für Männer nicht nur ein neues, besseres und wünschenswertes Image verpassen, sondern eine komplett neue Art und ein komplett neues Gefühl der Massenmasturbation (also mehr als nur die alte Rauf-Runter-Routine) schaffen. Mit diesem Vorgehen hoffte man bei Hot Octopuss, das männliche Selbstvergnügen sowie die dazugehörigen Gerätschaften zu revolutionieren.

Viele Menschen nahmen diese erhabenen Ziele jedoch mit Skepsis auf. Zwar gab es so etwas wie einen „Guybrator" noch nicht, aber vibrierende Cockringe, Kondome und prostata-stimulierende Dildos waren schon lange vorher erhältlich. Einige Männer haben angeblich sogar schon ihre Handys als Masturbationshilfe an das empfindliche Vorhautbändchen ihres Penis gehalten.

Das Team von Hot Octopuss argumentierte allerdings damit, dass zwischen der Anzahl und Vielfalt an Sexspielzeugen für Frauen und Sexspielzeugen für Männer ein großes Gefälle bestand. Das lag laut ihnen vor allem daran, dass der Markt der Orgasmushilfen für Männer viel weniger akzeptiert sei—ein Nebeneffekt der peinlich phallischen, offensichtlichen oder einfach nur schäbigen Art der meisten Sexspielzeuge für Männer.

Beim Pulse kommt laut den Entwicklern eine neue Technologie zum Einsatz, die eine noch nie dagewesene sexuelle Erfahrung bringen soll. Das Ganze basiert auf der sogenannten „Vibartory Stimulation"-Technik (die übrigens seit 2008 auch dafür eingesetzt wird, um querschnittsgelähmte Männer zum Orgasmus zu bringen und so deren Sperma extrahieren zu können). Der Pulse setzt also nicht auf die traditionellen Vibratoren-Vibrationen, die mithilfe eines an einem Motor befestigten, seitlich versetzen Gewichts erzeugt werden und bei denen man normalerweise trotzdem noch seine Hand ins Spiel bringen muss. Stattdessen findet man hier eine Scheibe, die dank einer kolben-ähnlichen Bewegung oszillierende Vibrationen verursacht, die kraftvoller als die normalen Vibratoren-Wellen sind. Wenn man diese Vibrationen nun gegen das Vorhautbändchen—nach der Prostata die zweitempfindlichste erogene Zone des Mannes—richtet, dann erzeugt das Ganze ein Gefühl, das einen Mann ohne die Auf-und-ab-Bewegung zum Höhepunkt bringen kann. (Der Autor hat diese Technologie schon an sich selbst ausprobiert und kann bestätigen, dass das System sehr effektiv ist.)

Als wir Wind davon bekamen, dass Hot Octopuss diesen Sommer den Pulse II auf den Markt bringen will, haben wir uns dazu entschlossen, uns mit Adam Lewis, dem Mitbegründer des Unternehmens zu treffen, um über sein neuestes Gerät, über den heutigen Markt der Sexspielzeuge für Männer und über die Zukunft der männlichen Masturbationstechniken zu reden.

VICE: Ihr bringt demnächst den Pulse II auf den Markt. Was hat sich im Vergleich zu seinem Vorgänger verändert?
Adam Lewis: Der Pulse I hatte noch einige Mängel. Wenn es Probleme gab, dann haben wir sie zusammen mit den Kunden besprochen und gelöst. Die meisten waren aber doch sehr zufrieden.

Als wir die Entwicklungsphase zur Hälfte abgeschlossen hatten, meinte einer unserer Designer: „Wäre es nicht toll, wenn wir auch die Unterseite vibrieren lassen? Wenn sich der Typ das Ding anlegt, dann könnte sich die Frau drauf setzen und wird so ebenfalls stimuliert." Geniale Idee, denn das gab uns die Möglichkeit, das Ganze als Spielzeug für Pärchen zu vermarkten. Also haben wir ein seitlich versetztes Gewicht hinzugefügt, das sich bei der Auf-und-ab-Bewegung des Kolbens dreht und so das komplette Gerät zum Vibrieren bringt.

Es gab bloß ein Problem: Der Pulse I besteht aus hartem Plastik, was sich im Intimbereich der Frau nicht sehr angenehm anfühlt. Außerdem hing die Vibrationsstärke an der Unterseite davon ab, wie stark der Mann seine Vibration eingestellt hat. Die Frauen meinten zu uns: „Ich will das Ganze ein wenig intensiver. Bis er es allerdings nach meinem Geschmack eingestellt hat, ist er auch schon fertig."

Beim Pulse II haben wir die Funktionalität aufgeteilt: Es gibt den Pulse II Solo, der ausschließlich für Männer gedacht ist. Da vibriert an der Unterseite nichts. Für den Pulse II Duo haben wir dann einen Silikon-Überzug konzipiert, der das Ganze für die Frau schön weich und angenehm macht.

Außerdem ist das Gerät jetzt komplett wasserdicht. Jeder hat sich den Spaß auch für den Whirlpool gewünscht und die Männer wollten das Ganze auch unter der Dusche benutzen.

Beim Pulse II Duo ist auch eine Fernbedienung mit eingeprägter Krone enthalten.

Der Pulse II mutet doch sehr schnittig an. War dieses Science-Fiction-Aussehen von euch beabsichtigt?
Ja, wir wollen ja schließlich auch im nächsten Batman-Film vorkommen, richtig?

Unsere Marke sollte von Anfang an als Mainstream-Marke etabliert werden. Unsere Ziel war es, ein ästhetisch cooles Sexspielzeug zu erschaffen, das ein Mann ohne Scham auch mal auf seinem Nachttisch stehen lassen kann. Wir hofften, dass ein Typ zum allerersten Mal sagt: „Hey, ich habe hier das irrste Spielzeug!" Anschließend zeigen sich die Freunde untereinander ihre absolut fantastischen Geräte. Wir wollten unseren Fokus auf die technischen Aspekte legen und ich glaube, das haben wir auch ganz gut hinbekommen.

Du meintest, dass ihr mit dem Pulse eine neue Ära der Sexspielzeuge einläuten wolltet. Was können wir in Zukunft von Hot Octopuss erwarten?
Wir haben nicht nur ein neues Produkt entwickelt, sondern eine ganz neue Form der Stimulation erfunden, die wir unter dem Namen „Pulse Plate Technology" rechtlich schützen ließen. Wir werden also in Zukunft diese Technologie verwenden und dafür verschiedene Anwendungsmöglichkeiten finden.

Viele Frauen haben uns angeschrieben und uns von ihrem „Penisneid" berichtet. Deshalb entwickeln wir gerade ebenfalls die „Queen B"—wir schneiden quasi unsere auf Männer ausgerichtete Technologie auf die Vagina zu. Dazu müssen wir das Ganze allerdings zum Teil auch ganz neu gestalten.

In den ersten Reviews hat man sich vor allem über die Lautstärke beschwert (und darüber, wie man das Ganze seiner Familie und seinen Freunden erklären soll). Wie seid ihr dieses Problem angegangen?
Das Ding mit der Lautstärke ist ungefähr so, als würde man sich eine Rakete zum Mond wünschen, die keinen Lärm macht. Viel Power bringt eben auch einen gewissen Geräuschpegel mit sich. Und mal ehrlich: Wenn man im Hintergrund den Fernseher oder das Radio anmacht, dann hört man unser Spielzeug auch nicht mehr. Außerdem rechtfertigt die Aussage „Mein Gott, das war der beste Orgasmus meines Lebens" die Lautstärke, oder?

Der Duo ist vor allem auf heterosexuelle Paare ausgelegt. Habt ihr euch auch schon Gedanken über Sexspielzeuge für Homo-Pärchen gemacht?
Wir haben ein Pärchen-Sexspielzeug entwickelt, das für Frauen und Männer gedacht ist. Das Ganze war einfach nur eine strategische Entscheidung: Die Erfolgschance sind einfach höher, wenn man ein Produkt für eine bestimmte Zielgruppe und nicht für die breite Masse konzipiert. Deshalb vermarkten wir den Duo auch nicht aktiv für homosexuelle Paare. Trotzdem haben wir vom Big Gay Review eine ausgezeichnete Kritik erhalten. Darin steht, dass sich unser Gerät sehr gut zur Stimulation des Damms eignet.

Was sind deine Favoriten, wenn es um alternative Sexspielzeuge für Männer geht, bei denen andere Technologien und Stimulationsarten eingesetzt werden?
Bei den einschlägigen Messen gibt es immer irgendwelche Spielzeuge, die ich mir selbst niemals kaufen würde. Ein Beispiel wären diese riesigen Silikon-Puppen von einem Hersteller namens PipeDream. Man schmiert dir Gleitgel auf die Hand und in den Intimbereich der Puppe und dann vibriert das komplette Teil. Da konnte ich mich echt nur noch am Kopf kratzen. Der Arsch hat sich richtig geschüttelt. Ich sollte meinen Finger reinstecken und der wurde dann richtig zusammengedrückt. Total faszinierend.

Würde ich eine solche Puppe behalten, wenn man sie mir schenkt? Auf jeden Fall! Würde ich mir einen solche Puppe kaufen? Auf keinen Fall! Das Ganze kostet 750 Dollar. Ich frage mich echt, wer sich so etwas zulegt. Aber glaub mir, das Ding würde dir ein paar frühe Wochenende bescheren.

Ich muss aber auch ehrlich zugeben, dass es viele tolle Geräte gibt, die nicht auf den Massenmarkt zugeschnitten sind—nämlich Prostata-Sexspielzeuge. OK, sagen wir nicht auf den heterosexuellen Markt. Wenn du allerdings mal eine andere Art des Orgasmus erleben willst, dann solltest du deinen inneren Schweinehund überwinden und das Ganze ausprobieren, denn die Teile sind wirklich phänomenal und werden dein Leben verändern.