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Waffenbesitzer erzählen, was sie von der geplanten Änderung des Waffengesetzes halten

Was halten Waffenbesitzer von der geplanten Revision des Waffengesetzes? Wir haben uns an der Messe "Fischen, Jagen, Schiessen" in Bern umgehört.
16.2.18
Foto links und Mitte von Autorin | Foto rechts David Zehnder

"Menschen töten Menschen, Waffen machen gar nichts." Das ist die Meinung vieler Waffenbesitzer, wenn man sie kritisch zu ihrer Feuerwaffe befragt. Für viele Schweizer ist der Besitz einer Waffe ein Grundrecht. So auch für den Waffenlobby-Verein Pro Tell. Wer sich in seinen Grundrechten angegriffen fühlt, wird in der Diskussion darüber schnell emotional. Das ist auch mit dem Waffenbesitz und dem damit einhergehenden Waffenrecht nicht anders. Dass es aber tödlich ausgehen kann, wenn eine Waffe in den falschen Händen ist, darüber muss man keine Diskussion führen. Ein Beispiel in Europa waren die Terroranschläge in Paris im vergangenen Jahr.

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Aus diesem Grund entschied das EU-Parlament im März 2017, dass alle Mitglieder der Schengen-Staaten ihr Waffengesetz verschärfen sollen – auch die Schweiz. So soll beispielsweise der Erwerb und Besitz von Waffen, die ohne nachzuladen mehrere Schüsse nacheinander abgeben können, verboten werden. Das betrifft indirekt auch die rund 60.800 lizenzierten Sportschützen des Schweizer Schiesssportvereins (SSV). Und somit wären wir wieder bei den Grundrechten. Wieso eine Revision des Waffengesetzes in der Schweiz überhaupt ein grosses Thema ist?

Hierzulande sind schätzungsweise 3.4 Millionen Waffen im Umlauf. Pro 100 Einwohner hat die Schweiz im Vergleich zum Rest der Welt am drittmeisten Waffen in Privatbesitz. Das neue Waffengesetz der EU will einen Informationsaustausch zwischen den Schengen-Staaten, was mehr Arbeit für die Kantone bedeutet. Und einige Waffenbesitzer, mit ihnen die Waffenlobbyisten von Pro Tell, fühlen sich in ihren besagten Grundrechten angegriffen. Wie es in der Erklärung von Pro Tell heisst, sei das Recht auf Waffen nicht nur eine "eidgenössische Tradition" sondern auch "untrennbar mit der Unabhängigkeit und Souveränität des Landes verbunden".

Im Frühjahr legt der Bundesrat dem Parlament seinen Bericht vor. Pro Tell findet zu diesem Anliegen aber: "Sollte der Bundesrat nach der Vernehmlassung an seiner Position festhalten, wird Pro Tell den rechtsstaatlichen Weg eines Referendums einschlagen müssen." Denn festhalten will Pro Tell auch und zwar am Recht vom Erwerb und Besitz von Waffen. Aber Pro Tell hat die Wahrheit nicht für sich gepachtet. Um herauszufinden, was Waffenbesitzer zur kommenden Gesetzesrevision zu sagen haben und wieso sie derart fest an ihrer Waffe hängen, habe ich mich bei Besuchern der Ausstellung "Fischen, Jagen, Schiessen" in Bern umgehört. Und ich wollte wissen, wie sie sich entscheiden, wenn sie vor die Wahl von "Zwischenmenschlichen Beziehungen" und "dem Besitz ihrer Waffe" gestellt werden.

Marc, Sportschütze

Foto: Von der Autorin

VICE: Was für Waffen hast du zuhause?
Marc: Zwei Pistolen.

Was bedeuten diese Waffen für dich?
Für mich sind sie vor allem Sportgeräte.

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Sind dir deine Waffen wichtig?
Zu Beginn noch mehr als jetzt. Mittlerweile ist es aber wirklich eher ein Gebrauchsgegenstand.

Wie hat sich das verändert?
Zu Beginn war ich begeistert von ihnen, habe öfter geschossen. Irgendwann hat sich das aber gesetzt. Wie mit vielem, was man gerade neu hat.

Bald wird über die Revision des Waffengesetzes diskutiert. Was ist da deine Meinung dazu?
Das ist schwierig zu sagen. Zum einen finde ich es gut, wenn es verschärft wird, zum anderen auch nicht. Wer eine Waffe will, bekommt sie auch. Wenn man sie legal nicht erhält, bekommt man sie sicher illegal.

Wenn einer deiner Freunde dir erklärt, dass er Waffen scheisse findet. Würdest du dich eher vom Freund oder von der Waffe trennen?
Eher vom Freund. Aber ich finde es schwierig zu sagen: "Waffen finde ich scheisse." Unfälle passieren. Wenn du eine Waffe hast, musst du dir wirklich sicher sein, was du machst. Man muss wissen, wie man mit einer Waffe umgeht.

Beim richtigen Handling geht von einer Waffe keine Gefahr aus?
Genau.

Was findest du denn zum Statement: "Waffen töten"?
Ich sage immer: Waffen alleine töten nicht. Das ist der Mensch. Wenn man einen Menschen umbringen möchte, kann man auch einen Stein nehmen, da muss man nicht zur Waffe greifen.

Hans-Peter

Foto: David Zehnder

VICE: Was ist deine Beziehung zur Waffe?
Hans-Peter: Das ist meine persönliche Waffe, das ist mein Eigentum. Aber für mich ist das vor allen Dingen ein Sportgerät. Andere gehen in den Fussballverein, ich schiesse. Ausserdienstlich zumindest und immer im Verein.

"Waffen töten" – wie siehst du das?
Eine Waffe hat noch nie getötet. Das ist immer der Mensch, der tötet. Es braucht immer einen Menschen, der dahinter steht. Ein Auto tötet ja auch.

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Die Revision des Waffengesetzes soll bald wieder thematisiert werden. Was ist deine Meinung dazu?
Ich bin ja Präsident bei Pro Tell. Wir nehmen die EU-Waffenrichtlinien entgegen, sagen aber Brüssel ganz klar: Es braucht keine Verschärfung unseres Waffenrechts. Das Waffenrecht, das wir jetzt haben, deckt alles ab. Wenn wir damit durchkommen, ist die Sache für uns erledigt. Und wenn es eine Verschärfung des Waffengesetzes geben sollte, werden wir ein Referendum einlegen.

Was heisst das, "Wir nehmen die EU-Waffenrichtlinien entgegen"?
Wir nehmen die einfach entgegen, aber das hat für uns keine Konsequenzen. Da ist die eleganteste Lösung. So verliert auch der Bundesrat weder gegen Innen noch gegen Aussen sein Gesicht. Ob das die EU schluckt, ist eine andere Frage. Aber ich will verhindern, dass wir irgendwelche Schlammschlachten führen müssen. Sei das gegen die EU, gegen Schengen oder sei das gegen irgendwelche andere Rahmenabkommen.

Also ein Schengen-Austritt soll nicht passieren, wenn er sich vermeiden lässt?
Ja, klar.

Abschliessend noch eine Frage: Was ist dir wichtiger, deine Waffe oder eine persönliche Beziehung?
Die Frage kann man so nicht stellen. Es ist beides wichtig.

Lars, Sportschütze

Foto: David Zehnder

VICE: Du hast eine Waffe zuhause. Aus welchem Grund?
Lars: Ich bin Jungschütze und habe vier Gewehre zuhause. Eines ist für Langdistanz, ein Kleinkalibergewehr, ein Luftgewehr und einen Karabiner, den ich von meinem Götti bekommen habe.

Du hast vier Waffen, was ist deine Beziehung zu ihnen?
Beide meiner Eltern haben bis vor 15 Jahren aktiv geschossen. Dadurch bin ich zum Schiesssport gekommen und seit fünf Jahren Jungschütze. Das ist für mich ein Sportgerät. Ich nenne es auch nicht Waffe. Für mich ist das Gewehr wie für den Fussballer sein Fussball.

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Aber wenn man jemanden mit einem Fussball trifft, bringt ihn das ja nicht um.
Ja, aber für mich ist das trotz allem keine Waffe, sondern ein Sportgerät.

Was würdest du denn zu der Aussage "Waffen sind zum Töten da" sagen?
Das stimmt eigentlich nicht. Das Kleinkalibergewehr beispielsweise ist in den richtigen Händen ein Sportgerät. In den falschen Händen kann es schnell zur Waffe werden. Aber in den richtigen Händen und richtig bedient ist es ein Sportgerät.

Die Waffengesetzrevision soll demnächst diskutiert werden. Was ist deine Meinung dazu?
Ich finde, Sportschützen sollen die Waffe weiterhin so brauchen können, wie sie das jetzt tun. Und für den Rest darf es schon auch restriktiver sein.

Was wäre dir jetzt wichtiger: Die Waffe zu behalten, oder einen Freund, der gegen Waffen ist?
Schon das Sportschiessen. Das ist einfach mein Ding, mein Leben.


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Hugo, Sportschütze

Foto: Von der Autorin

VICE: Wie viele Waffen hast du zuhause?
Hugo: Ich besitze fünf Waffen. Die sind aber nicht bei mir zuhause, sondern im Schützenstand.

Was ist deine Beziehung zu diesen Waffen?
Die sind absolut nur mein Sportgerät. Dennoch bin ich stolz auf das, was ich mache. Ich lebe den Schiesssport. Seit 35 Jahren mache ich auch die Ausbildung der Junioren auf kantonaler Ebene. Noch nie habe ich von jemandem gehört oder gesehen, dass er auf etwas anderes geschossen hätte als auf die Scheibe. Ich habe auch gelesen, was diese Woche in Florida passiert ist. Aber meiner Meinung nach geht es hier um ein falsches Gedankengut.

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Man müsste also beim Gedankengut der Menschen ansetzen?
Bei den Familien. Wie will ein Kind lernen, was Rücksichtsnahme, Liebe und Verständnis sind, wenn man es schon als Zweimonatiges in die Kita gibt. Wo wollen die das sonst lernen? Vielen Kindern fehlt der Halt. Bis jemand kommt, der sie führt. Das kann auch in die falsche Richtung gehen. Vielfach kann man genau sagen, bei welchem Kind ein Elternteil zuhause ist.

Was hältst du vom Statement "Waffen töten"?
Das Töten beginnt schon bei den Römern. Die hatten keine Waffen und trotzdem haben sie einander totgeschlagen. Den Krieg haben wir Menschen immer weitervererbt. Jetzt sind die Waffen dazugekommen. Wie sollen wir diese Gene weg manipulieren?

Wenn dich ein Freund, der gegen Waffen ist, vor die Wahl stellt: Ich oder die Waffen. Wie würdest du dich entscheiden?
Ich kann das nicht beurteilen. Ich lebe meinen Sport, habe ihn immer seriös betrieben und verdanke ihm viel. Acht mal war ich Schweizermeister und habe 16 weitere Schweizer-Medaillen erhalten. Meine Waffe hat nichts mit Freunden oder was auch immer zu tun. Mir sind gute Freundschaften schon wichtig. Aber ich lebe auch meinen Sport.

Jonas, Jäger

Foto: Von der Autorin

VICE: Wie viele Waffen hast du zuhause?
Jonas: Zwei Gewehre.

Wieso besitzt du diese?
Ich bin Jäger. Das ist für mich ein reiner Gebrauchsgegenstand, der einfach funktionieren muss.

Bald wird ja im Parlament über die Revision des Waffengesetzes diskutiert. Wie siehst du das?
Grundsätzlich finde ich das nicht schlecht. Ich sehe das wohl etwas anders als viele, die hier sind.

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Inwiefern?
Das Waffengesetz in der Schweiz ist viel zu locker.

Wie sollte es deiner Meinung nach sein?
Das ist schwierig zu sagen. Ich weiss es ehrlich gesagt auch nicht ganz. Aber ich finde es krass, wie einfach du in der Schweiz eine Waffe bekommst.

Wie einfach ist es denn?
Du musst 18 Jahre alt sein, brauchst einen einwandfreien Strafregisterauszug und das ist es schon.

Das ist in der Tat sehr einfach. Wie siehst du es denn mit der Aussage, dass "Waffen töten"?
Das stimmt, das ist Tatsache.

Dann muss ich dir die wichtigste Frage gar nicht mehr stellen.

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