FYI.

This story is over 5 years old.

News

Diese Typen machen fett Kohle mit dem Tod von Trayvon Martin

Der Fall Trayvon Martin spaltet die Gesellschaft in den USA in Pro-Trayvon Vertretern und Pro-Zimmerman Fans. Du kannst T-Shirts, Sticker oder sogar Kunstwerke mit ihnen kaufen. Durch den Tod verdienen ein paar Leute eine Menge Kohle.
19.7.13

Dienstagnacht nahm ich in Los Angeles an einem friedlichen Protest gegen den Freispruch von Trayvon Martins Todesschützen teil. Trayvon, ein junger Afroamerikaner, wurde letztes Jahr von dem Nachbarschaftswächter George Zimmerman erschossen. Bei der Protestveranstaltung wurde ich nicht nur dazu aufgerufen, Gerechtigkeit in Namen von Trayvon zu fordern, auch wollte man mir ständig irgendwelche Trayvon Martin-Souvenirs andrehen.

Die Proteste am Dienstag waren viel ruhiger als die Konfrontationen zwischen Polizei und Demonstranten wenige Tage zuvor. Am Sonntag und Montag gingen Schaufenster zu Bruch und es fanden Übergriffe auf Journalisten statt. Wenn die Gewalt bei einem Protest nachlässt, wandelt sich die Wut oftmals in eine „karnevalsmäßige“ Atmosphäre.

Leute spielen Musik, tanzen, grillen und trauern. Eltern bringen ihre Kinder mit, die die Möglichkeit nutzen, im Park herumzurennen und Spaß zu haben. Ich musste dauernd daran denken, dass diese Kinder genauso Opfer wie Trayvon sein könnten. Mir gingen dauernd solche Gedanken im Kopf herum, aber die anderen Leute im Park waren viel besser drauf.

Wie bei einem richtigen Karneval gab es auch hier jede Menge Dinge, für die man sein Geld ausgeben konnte. Die Vermarktung von Tragödien ist kein neues Phänomen, aber das macht es nicht weniger verstörend, Leute zu sehen, die auf ihrem T-Shirt den Kopf eines toten Jungens aufgedruckt haben. Man sagt ja, dass man es macht, um Leute vor dem Vergessen zu bewahren, aber es ist schon ziemlich makaber.

Ein Künstler stellte am Rand des Protests ein großes Portrait von Trayvon aus. Ich habe nicht erfahren, wie viel es kosten soll, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich dieses Stück nicht in meinem Wohnzimmer haben wollen würde.

Für diejenigen, die ohne ein T-Shirt gekommen sind, gab es einen Stand, der am laufenden Band Trayvon-Opfer-Shirts verkaufte.

Andere nahmen die Dinge selbst in die Hand mit ihren Do-It-Yourself-Alternativen.

Ich glaube nicht, dass dieses hier zum Verkauf stand, aber ich habe auch nicht gefragt, nachdem mir mit deutlichen Worten gesagt worden war, dass ich diesen Mann nicht fotografieren soll.

Die Vermarktung vom Trayvons Fall geht weit über die Demonstrationen hinaus: Man findet überall im Internet Pro-Trayvon-Shirts und leider auch jede Menge Pro-George-Zimmerman-Shirts für den anspruchsvollen und modebewussten Rassisten.

Du kannst auch einen Autoaufkleber mit der Aufschrift „Ich glaube George Zimmerman“ kaufen. Wenn du das auf dein Auto klebst, solltest du dein Auto in paar bestimmten Nachbarschaften lieber nicht parken.

Der Verkäufer hinter der Auktion “Trayvon Martin Parody t-shirt Anti Obama t-shirt Very Funny t-shirt Cool Shirt”  kann sich nicht nur nicht kurzfassen, sonder braucht auch dringend Nachhilfeunterricht zu der Bedeutung des Wortes „lustig.“

Nicht jeder, der Trayvon- oder Zimmerman-Shirts verkauft, hat auch eine bestimmte Absicht—wie zum Beispiel die Person, die gleichzeitig T-Shirts mit dem Aufdruck „Schuldig“ und „Unschuldig“ verkauft.

Ob online oder direkt bei den Protesten—der Tausch von Geld gegen Waren, die den Mörder eines Kindes würdigen und oft hetzerischer Natur ist, dient nur dazu, eine Gesellschaft noch tiefer zu spalten, als es der Fall von Trayvon ohnehin schon getan hat.

Wenn du ein T-Shirt mit der Aufschrift „George Zimmerman: tot oder lebendig“ trägst oder ihn durch einen Sticker zu einem „heldenhaften“ Ordnungshüter machst, stärkst du damit nur die Idee, dass Gewalt in der amerikanischen Gesellschaft akzeptiert ist und Gerechtigkeit nur durch eine geladene Waffe erreicht werden kann.

Mehr zum Fall Trayvon Martin:

In den USA wird gegen den Freispruch von Trayvon Martins Todesschützen protestiert

Die Trayvon Martin-Proteste in New York