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Popkultur

Filmbunker Spezial: Kino wie noch Nie

Mit vereinten Kräften haben wir die ultimative Vorschau aufs Open Air am Augartenspitz erstellt.
8.7.12

Wenn das Kinoerlebnis zum Überlebenstraining im Freien wird. Der Augarten verwandelt sich vom 5. Juli bis 23. August 2012 im Zuge des KINO WIE NOCH NIE Programms zum napalmzerfressenen Vietnam. Natürlich nur für uns verwöhnte Weichlinge, denen ein Abend mit direkter Mondeinstrahlung und ohne Mückenspray schon viel zu viel abverlangt. Wir freuen uns totzdem alle extrem auf das auserlesene Filmgut!

Das Beste des Kekswichsers

Angeblich verkauft Vincent Gallo immer noch sein Sperma für 1 Million Dollar pro Stamperl. Zumindest wird der geballte Bullensaft des Egomanen immer noch als Produkt in seinem Webshop geführt. Allerdings wurde die seit zirka 2008 nicht mehr aktualisiert, weshalb ich mir ein bisschen unsicher bin, inwieweit betuchte Damen jetzt wirklich noch hoffen dürfen. Ein bisschen mehr Inhalt für ein bisschen weniger Geld bekommt man aber sowieso bei Buffalo '66, dem einzigen Film des G-Star-Tiefgründlings, der nicht vor lauter Selbstinszenierung und Kader-Kekswichserei nach 20 Minuten zum Speiben ist.

Buffalo '66 hat zwar auch lange Einstellungen, die aussehen, als hätte sie Werner Herzog für Klaus Kinski gemacht (wenn Herzog Vincent Gallo und Kinski Vincent Gallo wäre), aber er hat eben auch Christina Ricci in ihrer pummeligen Phase und einer superguten Rundumfahrt-Sequenz, im Vergleich zu der Matrix scheißen gehen kann. Durchhalten. Kino wie Koks für andere.

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Donnerstag 09.08.2012 21:30

MARKUS LUST

Packend unerträglich!

Ein langer Film über das Sterben. Vielleicht nicht das angenehmste, was man im Sommer-Kino erwischen könnte, aber bestimmt einer der ganz großen Meilensteine der 00er-Jahre. Moartea Domului Lazarescu, also Der Tod des Herrn Lazarescu ist Titel und Programm des Films von Cristi Puiu, der auch so etwas wie das rumänische New Wave Cinema mitbegründet hat. Zweieinhalb Stunden folgen wir dem 63-jährigen Mann durch seine nächtliche Odyssee des Sterbens, ohne viel Pathos, dafür mit reichlich Realismus. Wer jetzt glaubt, das höre sich zu schmerzhaft und zu schwer erträglich an, liegt natürlich richtig, jedoch hat die Konsequenz mit der der Film seinem Protagonisten und der Welt begegnet etwas selten Packendes, dem man sich nicht entziehen kann und weit über das klassische (Sozial-)Drama hinausgeht. Ein Kraftakt von einem Film, wie wir ihn nur viel zu selten auf der Leinwand zu sehen bekommen.

Donnerstag 16.08.2012 21:30

CHRISTIAN KRISPER

Korrupte Cops

Zugegebener Maßen kenne ich fast keinen der Filme, die dieses Jahr im Kino Wie Noch Nie gezeigt werden. Das hat mich anfangs etwas genervt, weil "Was der Bauer net kennt, frisst er nicht". Aber jetzt will ich vor allem im Juli permanent den Abend im Augarten verbringen und entweder schwitzen und von Gelsen zerstochen werden oder frieren. Was läuft mit mir falsch, dass mir Regen und als Folge das kleine Zirkuszelt mit dem grottigen Sound am liebsten sind?Also ihr werdet mich dort unter anderem bei A Funny Thing Happened on the Way to the Forum (weil ich das antike Rom liebe, trotz Musical), Le Boucher, The Cars that ate Paris und Loulou treffen. Wenn ich jetzt aber für diesen Bunker einen einzigen Film aussuchen müsste, dann: Prince of the City. Weil Sidney Lumet ein verdammtes Genie ist und ich auf korrupte Cops stehe wie Hans Hurch auf Jean-Marie Straub.

Donnerstag 26.07.2012 21:30

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DAVID BOGNER

Skandal um Unfallfetischisten

Jeder kennt Unfälle, bei denen man einfach nicht wegschauen kann – aber in den meisten Fällen führt das Hinschauen zumindest nicht zum Ständer. Bei Cronenbergs Crash ist das anders. Hier sind Erregung und Verstörung mit 180 Sachen aufeinander gekracht und zu einem heißen Stahlklumpen verschmolzen, auf den wir als geneigte Zuschauer wie emotional abgekoppelte Crashtest-Spanner gaffen. Es geht darin um eine Gruppe von Unfallfetischisten, denen nicht nur bei der Berührung von James Deans Crashcar einer abgeht, sondern die auch selbst gerne ihre zerschrammten und gezeichneten Körper in ein potenzielles Todesauto pferchen, um sich bei der Blindfahrt einen runterholen zu lassen.

Der Skandalduft, der die J. G. Ballard-Verfilmung bei ihrer Erscheinung im Jahr 1996 umwitterte, als wär sie der verrottende Leichnam des Body-Horror-Kinos selbst, hat auch gezeigt, wie ungern manche Leute auf diese Dimension von körperlicher Extremerfahrung gestoßen werden, weil in ihr Abgründigkeit, Attraktivität und Abscheu beklemmend nahe zusammenrücken. Dass man sich dabei durch die geschickte Kamera in keinen der Charaktere hineinversetzen, sondern sie (genau wie der Kinozuschauer per se) nur mit fixierten Augen beim Verunfallen anstarren kann, macht das Ganze auch nicht unbedingt angenehmer. Und das ist gut so. Sonst würde Crash wohl Cosy heißen. Wer gemütliche Cronenberg-Filme braucht, kann sich ja diesen Freud-Schund anschauen.

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Dienstag 07.08.2012 21:30

MARKUS LUST

Ich liebe den Geruch von Porpcorn am Abend

Ihr kennt wahrscheinlich den Martin Sheen Auszucker aus Apocalypse Now. Er zeigt, dass tolles Kino meistens dann passiert, wenn ein psychisch zerschossener Schauspieler an seinem Geburtstag nach zu viel Koks und Saufen einen Tobsuchtsanfall bekommt, sich die Hand zerschneidet und dabei beweist, dass er seinen Kindern um keinen Milimeter druggy Irrsinn nachsteht. Francis Ford Coppola hat damals einfach mit der Kamera draufgehalten und im weiteren Sinne Geschichte geschieben. Ein Film der eigentlich nicht sein hätte sollen. Zwei Jahr in der Post-Production, da so verdammt viel gedreht wurde, dass man mit dem Schneiden nicht mehr nach kam. Es gab riesige Budgetprobleme, einen Brando, der lieber im Dschungel verschwand als zu Spielen und ein monumentales Set, das im Herzen der feuchten Hölle der Philippinen langsam desintegrierte. Also, gerade im Freiluftkino sollte die Apokalypse jede Menge Spaß machen.

Montag 23.07.2012 21:30

JOSEF ZORN

Bildmaterial von Kino wie noch nie

Prometheus rasselt so knapp am Meisterwerk vorbei

Ich liebe Sciddley Rott und seine neue interstellare Augenweide. Außerdem fragen wir uns: Ist der neue

Spiderman

wirklich so amazing?

Der VICE Geburtstag: DER FILM

Erst wollten wir ein Hörspiel machen und dann ist es doch ein Short geworden. Cinemagic!

Ai Weiwei bringt uns China näher. Wollen wir das überhaupt?

Endlich wieder einmal eine Doku, die sogar mir realitätsfremden Misanthropen gefällt. Außerdem dreht sich Journey im Grab um wegen

Rock of Ages

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