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Musik

Musikreviews der Woche mit Of Montreal, Modern Life Is War und mehr

Von Legenden-Prophezeiungen bis hin zu Alben im Egal-Bereich—heute gibt es alles in unseren Reviews.
09 November 2013, 9:06am

MODERN LIFE IS WAR
Fever Hunting
Deathwish

Definitiv einer der besten Bandnamen der letzten 10 Jahre. Waren fünf Jahre weg und sind jetzt wieder da. Nach eigener Aussage werden nach wie vor die alten Ängste gebattlet. An neuen Fronten, mit bewährten Methoden. Es gibt hier weitere Ink-bare Bonmots für den Lifestyle-Entfremdeten, Testosteron-befreite Augenbefeuchter in midtempo und Call-to-arms-Verve, die immer eine Seite zum Händchenhalten frei hält. Die Band passt in diese Zeit, genau so wie in alle, die noch kommen und die noch nicht vom Zynismus gefressenen Weltklima-Fühligen dürfte Fever Hunting allemal in sämtlichen Altersgruppen erreichen.

PIT MOSH SEN.

**BLACK SHAPES ** Sleep, Sleep, Sleep
In at the Deep End Records

Ihr Debüt ist den Briten Black Shapes so wunderbar pechschwarzklebrig gelungen, dass ihnen bei nur einmal Rüberrollen sofort alles anhaftet, sowohl komplett als auch in Fetzen, was der Einfachheit halber irgendwann mal zwischen so gescheite Floskeln wie Sludge, Screamo, Doom, Noise, Postmetal jongliert, zwischenzeitlich totzitiert oder längst vergessen worden ist. Sleep, Sleep, Sleep plättet jede Verlegenheit mit schierer und wirklich beeindruckender Gewalt. Da stellst du dich nicht vor hin und beginnst herum zu pulen: Unter der gorigen Patina der Gefledderten ist eine Walze ist eine Walze ist eine Walze.

BUZZO FUZZBORN

DR. DOG
B-Room
Epitaph

Die Produktion einer Platte nicht auf die Perfektionsspitze zu treiben, nicht jeden einzelnen Pegel beim Mastering abzufeilen und nicht jede vernuschelte Silbe nochmal neu aufzunehmen: das, liebe Kids, nannte eure Oma salopp oder lotterig. Im Bestfall. Heutzutage nennt man das schlampig oder schludrig, wenn man nicht gerade Narrenfreiheit wie Gil Scott Heron hat, das ganze also eben nicht mehr als Stilmittel, sondern als anstrengende Faulheit durchgehen muss. Trotz Indie-Blues. Auf B-Room ist die Hälfte der Tracks eher hit, die andere eher miss, klanglich sind sie alle im extrem mittleren Egal-Bereich—bleibt dann rechnerisch also so oder so nur Mittelmaß übrig. Gil-Scott Heron hätte sich mit so was nicht zufrieden gegeben.

SONIC HEDGEFUND

OF MONTREAL
Lousy With Sylvianbriar
Polyvinyl

Kevin Barnes hat sich wahrscheinlich einen Dreck darum geschert, ob Bedarf da ist nach einem völlig aus der Zeit gefallenen Album, das so sehr nach 60s und 70s und Bowie und Stones klingt, wie es die 60s und 70s und Bowie und die Stones selbst gern irgendwann mal hinbekommen hätten. Kevin Barnes hat sich an einen 24-Track-Tape-Recorder gesetzt und losgelegt, eine Platte abgeliefert, die einen stellenweise kniefall-begeistert (The Sirens Of Your Toxic Spirit) zurücklässt, mit fast allen anderen Songs aber immerhin auch mindestens beeindruckt angesichts all des bekifften Wahnsinns und der verschiedenen Arten von musikalischer Entrücktheit.  Kevin Barnes wird spätestens in ein paar Jahren unangreifbare, kritikresistente, gute, wichtige Musik abliefern und ungefähr 2040 so unsterblich sein wie Bowie oder die Stones. Und deswegen ist es wirklich vollkommen egal, was ich hier heute dazu schreibe.

SCHORSCH BATAILLE