Der Crazy Russian Hacker ist der Meister aller YouTube-Ingenieure
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Der Crazy Russian Hacker ist der Meister aller YouTube-Ingenieure

„Safety is number one priority!“
14.4.16

Du bist mit einer geschlossenen Raviolidose in der Wildnis gestrandet? Du hast eine Flasche Wodka und weißt nicht, was du damit außer Austrinken anstellen könntest? Die Zombieinvasion klingelt an deiner Wohnungstür und du weißt nicht, wie du deine Haushaltsgegenstände in Waffen umfunktionieren kannst? Dann ist es Zeit für den Crazy Russian Hacker.

„What's up everybody? Welcome to my laboratory, where safety is number one priority." Der Mann mit der immer gleichen wunderbar nerdigen Begrüßungsformel hat sich längst zu einem der führenden Youtube-Lifehacker gemausert. Mit seinem russischen Akzent, seiner stylischen Schutzbrille und dem alternativen Fortbildungsangebot für ingenieurstechnisch Interessierte hat er sich seit 2012 eine Fangemeinde von über 8,5 Millionen Abonnenten aufgebaut. Über 1,5 Milliarden Aufrufe hat er mit seinen insgesamt 1.221 Videos, die er bisher online gestellt hat, bereits erreicht—und jede Woche fügt er mindestens einen neuen Clip hinzu.

Der Crazy Russian Hacker weiß alles. Er unterrichtet sein Publikum in allen lebenswichtigen Dingen, die unser veraltetes Schulsystem nicht vermitteln kann. Er weiß nicht nur wie man am besten ein Ei pellt und eine Kneipenwette gewinnt, sondern hat ebenso den ultimativen Bauplan für eine Kartoffelkanone. Neben dem ausgeprochenen Unterhaltungsfaktor bekommt der Zuschauer hier durchaus einige technische Tricks vermittelt, die zum Teil schon an Magie zu grenzen scheinen.

Über den Menschen hinter den Alltagshacks ist dagegen erstaunlich wenig bekannt: Der Crazy Russian Hacker heißt bürgerlich Taras Kulakov und ist 29 Jahre alt. Laut eines Q&A-Videos verschlug es den gebürtigen Russen vor elf Jahren in die amerikanische 73.000-Einwohnerstadt Asheville in North Carolina. „Awesome City, bunch of Hippies, bunch of mountains."

In Russland war er 16 Jahre Schwimmer und übte den Sport sogar auf einem professionellen Niveau aus—ob beruflich oder rein als Hobby, verrät er genauso wenig wie weitere Informationen über seine Ausbildung. Schließlich lockten ihn jedoch die USA mit „Money, girls and a better life".

YouTube-Bastler baut sich ein funktionstüchtiges Exoskelett

Alles, was wir über Kulakov wissen, stammt aus den wenigen Q&A-Videos, die er auf seinem eigenen Channel hochlud. In seiner sympathisch-ruppigen Art mit etwas zu lauter Stimme stellt er sich dort den Fragen seiner Fans. Interviews zu seiner Person gibt er jedoch nicht, auch eine Anfrage von Motherboard blieb bisher unbeantwortet.

Nun könnte er jedoch auch seinen Auftritt auf den Brettern des guten alten analogen Fernsehens gehabt haben. Zumindest postete der 2-Meter-Hüne letzte Woche ein Backstage-Foto von America's Got Talent, Das nährte unter seinen Fans Spekulationen, ob er auf der TV-Bühne vor einer Jury, die unter anderem aus Heidi Klum und Ex-Spice Girl Mel B. besteht, seine Tricks präsentiert hat. Tatsächlich wurde bisher jedoch noch keine Sendung mit ihm ausgestrahlt—ob er also tatsächlich in einer Aufzeichnung der Show aufgetreten ist, bleibt ein Mysterium—Kulakov selbst schweigt sich über das Bild bisher beharrlich aus.

Doch woher nimmt man als Crazy Russian Hacker eigentlich all die ganzen Ideen für die technischen Kniffs und Tricks? „Viele Sachen weiß ich schon vorher und vieles andere recherchiere ich im Internet. Ich stecke mein Herzblut in die Sachen, um sie noch besser zu machen und mit meine eigenen Ideen zu versehen. Ich entscheide mich nur für die allerbesten Ideen", so Kulakov im Q&A-Video.

Bereits im Jahr 2009 eröffnete er seinen ersten YouTube-Kanal namens origami786, in dem er Tutorials für Origamikunstwerke präsentierte. Doch erst mit seinem Alter Ego als Crazy Russian Hacker nahm sein Erfolg Fahrt auf, so dass er seinen Job bei Walmart kündigen konnte und seine Moneten nun als hauptberuflicher YouTuber verdient. Das sind auch schon so ziemlich die einzigen persönlichen Informationen, die über Kulakov kursieren, was dem Aufbau eines Mythos natürlich sehr entgegen kommt und eine Brutstätte für Spekulationen bietet.

Wie ein Wuppertaler mit seinen DIY-Laserkanonen zum Waffenexporteur wurde

Einige vermuten gar, dass unser liebster Lifehacker gar kein echter Russe ist, andere argumentieren noch differenzierter und tippen auf einen tschechischen Immigranten. Warum er sich dann aber gerade für diese Persona entschieden haben soll, erklärt niemand und auch Kulakov selbst zeigt sich äußerst erstaunt. „Warum sollte ich einen russischen Akzent nachmachen? Warum? Schreibt es in die Kommentare und erklärt es mir."

„Die Leute mögen einfach meine Videos. Sie sagen ich bin super, sie lieben meinen Akzent, ich habe gute Beleuchtung, aber eigentlich weiß ich nicht, was mein Erfolgsgeheimnis ist."

Eines seiner erfolgreichsten Videos ist dieses: Was passiert, wenn du Cola kochst?

Crazy Russian Hacker wäre kein wahrhaftiger Internet-Star, wenn es keine Memes und Fanart von ihm gäbe, von denen er das ein oder andere stolz in seinem Instagram-Account präsentiert. Die Fotos dort verraten auch manches über sein Privatleben, was den Russen nur noch sympathischer macht. Vor allem seine große Liebe zu seinem weißen Husky Luke zelebriert er liebevoll in jedem dritten Bild. Seit neustem ist auch noch ein Huskywelpe namens Hugo bei ihm eingezogen, dessen ersten Badetag im See er diesen Monat stolz bei Facebook postete. Beide Hunde sind regelmäßig seine Co-Stars in den Videos.

Sein erstes Video als Crazy Russian Hacker begann mit einem banalen Alltagsgegenstand, sowie einer Kombination Neugier und ingenieurstechnischer Herausforderung: „Ich hatte mir eine Kamera geholt und hab dann einfach angefangen zu reden. Whats up everybody, welcome back to my laboratory, today we're going to walk on eggs. Und dann bin ich eben auf Eiern gelaufen und sie sind nicht kaputt gegangen." Mit dieser Einführung nahm die Karriere des Crazy Russian Hacker ihren Lauf. Das Video hat inzwischen 202.650 Aufrufe.

Sein Erfolgsrezept bringt er ganz uneitel und pragmatisch auf den Punkt: „Die Leute mögen einfach meine Videos. Sie sagen ich bin super, sie lieben meinen Akzent, ich habe gute Beleuchtung, aber eigentlich weiß ich nicht was mein Erfolgsgeheimnis ist. Alles kann ja erfolgreich sein." Auch was seine Zukunft angeht, hält er sich mit öffentlichen Aussagen bedeckt. Immerhin denkt er in dem Q&A laut darüber nach, die Welt irgendwann mit einem weiteren YouTube-Channel zu beglücken: „Vielleicht mache ich mal einen Kanal über Waffen. Aber beim Crazy Russian Hacker geht es nur um Wissenschaft."

Der Kiffer mit dem YouTube-Imperium: Lernen richtig breit zu werden

Den ehemaligen Walmartmitarbeiter, der sich in einem Video von 2013 noch als Single geoutet hatte, scheint als YouTube-Star inzwischen auch das private Glück ereilt zu haben. Laut Instagram scheint er sich verlobt zu haben und arbeiten muss er scheinbar auch nicht mehr. Wie viel er jedoch genau verdient, bleibt sein Geheimnis.

Wie unter all seinen Bildern und Videos, so sammelten sich auch unter dem Foto, das ihn bei America's Got Talent zeigte, zahlreiche liebevolle Kommentare seiner Fans:

„Hallo Leute, heute zeige ich euch wie ihr euer Talent euer ganzes Leben lang falsch genutzt habt", legte ihm einer der Facebook-Kommentatoren in den Mund.

Ein anderer Follower fantasiert folgendes Zitat herbei, welches sich in seiner gesamten Pracht einfach nicht ins Deutsche übersetzen lässt:

„Today I'm show you how to go to TV shows instantly. You find picture of guy on TV show, this one is America Got Talent, you open photoshop, you poot your pic and his pic in Photoshop, you cut yourself out of your pic, then go back to his pic, you do CTRL+V, BOOM, you on TV now. Pretty amazing, huh? Well that's pretty much it!"

Der Crazy Russian Hacker zeigt somit neben all seinen praktischen Alltagshacks auch, wie man trotz viraler Videos sehr erfolgreich seine Privatsphäre schützen und seine wahre Identität hinter einer Schutzbrille verstecken kann. Sicher ist eigentlich nur eins: „Safety is number one priority!"