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„Rogue One“ ist der erste Star Wars zum Vergessen

Dabei hätte der Film auch für echte Star Wars-Nerds eine wahre Bereicherung sein können, wenn man nur diese drei Dinge geändert hätte.
16.12.16

Bild: Star Wars | Screenshot via YouTube

Haben auch euch die Trailer von Rogue One in helle Aufregung versetzt? Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass mich der übliche Jedi-Hype angesichts des neuesten Star Wars-Films einfach nicht packen will. Mal abgesehen vom Auftritt des neuen Imperial Droiden C2-B5, fallen mir beim ersten Film der Anthology-Reihe vor allem die bescheidene Ästhetik, ein paar postapokalyptische Cosplayer, die auch in jeder beliebigen Webserie hätten mitspielen können und die Abwesenheit von Laserschwertern auf.

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Mir fällt es schon seit geraumer Zeit nicht schwer, meine Begeisterung über die Neuauflage von Gareth Edwards in Grenzen zu halten—unter anderem auch, weil es sich um einen Film von Gareth Edwards handelt. Schließlich hat es Edwards als Regisseur schon vollbracht mit Godzilla das beeindruckendste Monster der Filmgeschichte in einen entstellten Emo-Abklatsch zu verwandeln. Ich fürchte, dass genau das für Disney und Lucasfilm ein guter Grund war, um ihn dafür zu engagieren, ein paar mehr oder minder spektakuläre Szenen auf Pazifikatollen zu filmen.

Ich persönlich muss gestehen, dass ich diesen Film nicht gebraucht hätte. Meine Sammlung an Videospiel-Versionen und Comics reichen mir, um mir das Universum von George Lucas über die Filme hinaus auszumalen und mich darin zu vertiefen—und so hatte ich von Anfang an meine Zweifel bei Rogue One. Leider sehe ich mich nach dem Besuch der Pressevorführung bestätigt und ich möchte gerne versuchen, euch möglichst nüchtern zu erzählen warum. Auch wenn das nicht ohne ausführliches Spoilern geht, werde ich euch auch noch zusätzlich verraten, wie einfach es gewesen wäre, Rogue One zu einem besseren Film zu machen.

Was bei diesem Film schiefgelaufen ist

Gehen wir mal davon aus, dass ihr mit der Familienaufstellung der Skywalkers vertraut seid. Wenn ihr diese Grundzutaten, die letztlich jede Star Wars-Dramaturgie befeuert, kennt, dann könnt ihr leider auch schon ziemlich genau erahnen, was am Ende von Rogue One passieren wird. Ich hätte mir wirklich ein wenig mehr Spannung in der Storyline gewünscht, doch leider wartet und wartet man im Kinosessel darauf, etwas mit echtem Star Wars-Feeling serviert zu bekommen.

Leider wird in den zwei Stunden nicht viel mehr geliefert als ausufernde Weltraumschlachten und eine Ansammlung an Protagonisten, deren Motive und Konflikte mir nicht weiter verständlich werden—abgesehen davon, dass sie zweifelsfrei die Pläne des imperialen Todessterns klauen wollen.

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Zugegeben, es gibt auch ein paar nicht ganz so schreckliche Dinge in Rogue One: Das Design der Raumschiffe ist genial. Es gibt einen Haufen Aliens und Droiden wie sie auch aus der Feder des berühmten Star Wars-Zeichners Ralph McQuarrie stammen könnten—Apparate wie sie jeder Fan schon immer in einem Film sehen wollte. Auch die neuen Planeten sind ziemlich gelungen und erinnern an eine Star Wars-Version von Regisseur Terrence Malick.

Auch die an David Lynch erinnernden cineastischen Anspielungen haben mir gut gefallen, aber die Mängel in Sachen Story-Line konnte das nicht wettmachen: Wenn man nämlich bedenkt, dass im wesentlichen alle Charaktere am Ende von Rogue One sterben, hätte ich mir doch erhofft, ein bisschen Empathie für die Protagonisten empfinden zu können. Dann wäre die ganze Story über die Rebellen, die kurz vor Beginn von Episode IV die Pläne des Todessterns stehlen wollen, nicht ganz für die Tonne gewesen. Eine solche Prise Dramaturgie hätte mich schon erfreut.

Stattdessen empfand ich als Zuschauer eine große Leere: Mit Diego Luna und Felicity Jones treffen zwei unangenehm uncharismatische Hauptfiguren aufeinander und auch die ständigen Referenzen auf das Thema „Hoffnung", die an das Motto des ersten Star Wars Films erinnern sollen, reichen für sich genommen nicht zu einem cineastischen Konzept, das einen ganzen Film trägt.

Ganz bestimmt gibt es da draußen auch zahlreiche Star Wars-Fanatiker, die von der Saga eben gerade keinen Fan-Service und keine übervolle Referenzschlacht erwarten—für all die dürfte Rogue One eine echte Bereicherung sein. Ja, jeder der schon immer einen Star Wars-Film sehen wollte, der eben ganz bewusst neben den bisherigen Triologien angesiedelt ist, könnte durchaus seine Freude haben; doch als Fan der ersten Stunde ticke ich da eben anders und hätte daher einige sehr spezielle Vorschläge.

Wie man den Film hätte retten können

Trotz der krampfhaften Verweise auf die Ursprünge von Star Wars, gelingt es Edwards nicht, in mir den echten Star Wars-Connoisseur zufrieden zu stellen und eine wirkliche Besinnung auf die heißgeliebten Star Wars-Wurzeln abzuliefern. Dabei hätte sich der Film mit nur drei wirkungsvollen Ergänzungen einen würdevollen Platz in der Star Wars-Geschichte sichern können:

  • Ein Vorspann würde dem Film gut tun.
  • Eine engere Einbindung der Musik und des Soundeffekten im John Williams-Stil. Seine Kompositionen sind fest mit der Saga verbunden—auch wenn Disney sich scheinbar lieber an den Handlanger Michael Giacchino halten würde.
  • Eine stärkere Anspielungen auf die Historie aller Star Wars-Filme. Und damit meine ich mehr als nur Bail Organa-Szenen, in denen er mit einem unnötigen R2-D2 herumhantiert. Ich wünsche mir mehr als nur eine kurze Anspielung auf Obi Wan oder eine animierte Prinzessin Leia, die eher aussieht wie aus einem Trailer von Final Fantasy XIII. Der Einzige, auf den man sich wirklich verlassen kann, ist Großmoff Tarkin, ein wirklich überzeugend animierter Peter Cushing. Er ist technisch zwar immer noch nicht perfekt, er hat aber ein paar gute Bösewicht-Sequenzen im Film bekommen.

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Bei Das Erwachen der Macht hatte sich J. J. Abrams damit zufrieden gegeben, eine ziemlich uninspirierte Version der ersten Trilogie von George Lucas zu inszenieren—dafür erhielt er berechtigterweise Kritik. Doch diese scheint beim Filmstudio und bei Edwards auf taube Ohren zu stoßen.

Fazit: Ein Film, den man schnell vergisst

Wenn ihr einen guten Film mit Schlachten im Weltraum sehen wollt, müsst ihr wohl leider bis zum nächsten Guardians of the Galaxy warten. OK, da seht ihr keinen AT-AT/Imperialen Läufer—aber immerhin habt ihr dort mitreißende Charaktere und eine spannendere Handlung als in Rogue One.

Seit 35 Jahren ist Star Wars ein Teil meines Lebens—seit acht Jahren arbeite ich bei VICE und oft verstecke ich meine übermäßige Leidenschaft aus Scham, dass sie einfach ein wenig zu emotional ist. Jetzt, wo ich die Möglichkeit hatte, etwas über Star Wars zu schreiben, hätte ich gern meine Liebe zu dieser großartigen Saga mit anderen teilen dürfen. Aber bei einem Film, der mich eigentlich nur an Comics erinnert, die ich schon kenne, und an den ich im Gegensatz zu den Comics keine gute Erinnerung habe, muss ich euch leider warnen: Rogue One ist der erste Star Wars-Film, den ihr getrost ignorieren könnt—leider ist es nicht mehr als ein leicht verdaulicher Blockbuster, den man in zwei Monaten vergessen hat.

Sicherlich wird der Film spätestens über die Feiertage seine Zuschauerschaft finden. Und es ist gut möglich, dass viele begeistert aus den Kinosälen kommen und vom Edwards-Effekt, der alles verändert, sprechen—von einer „dunklen" Seite des Films, die sie fasziniert habe. Aber wie viele von denen, die von Batman vs. Superman oder The Dark Knight begeistert waren, werden das auch noch in 30 Jahren sein?