Unter Jesus Konterfei steht in hebräischer Schrift "Jadid", auf Deutsch: Freund, Liebster. "Wer könnte einen männlichen Gott wie Jesus mehr lieben als ein schwuler Mann?", fragt Baum | Alle Fotos: Hakki Topcu  

Vom "Homo-Heiler" zum christlichen Tabubrecher

Günter Baum betete jahrelang, um von seiner Homosexualität "geheilt" zu werden. Zehn Jahre später merkte er, das funktioniert nicht – und startete einen Wiedergutmachungsversuch.

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01 Januar 2019, 10:30am

Unter Jesus Konterfei steht in hebräischer Schrift "Jadid", auf Deutsch: Freund, Liebster. "Wer könnte einen männlichen Gott wie Jesus mehr lieben als ein schwuler Mann?", fragt Baum | Alle Fotos: Hakki Topcu  

Stadtbusse rauschen durch enge Straßen auf den Basler Hauptbahnhof zu, während Passanten vor dem Gebäude hektisch ihren Weg suchen. Inmitten dieses Mahlstroms steht ruhig und unbeeindruckt Günter Baum. Seinen regenbogenfarbenen Regenschirm hält er locker an der Seite, in seinen Schuhen stecken bunte Socken. Es riecht nach Weihrauch. Als Baum näher kommt, wird die Note stärker, es ist Baums Parfüm. "Religion muss für mich etwas Sinnliches sein", sagt der 60-Jährige. Vor 30 Jahren hätte Baum das nicht gesagt. Denn lange Zeit konnte er weder Sinnlichkeit noch seine Homosexualität mit seinem evangelikalen Glauben vereinen.

Baum hat in seinem Leben mehrere sogenannte Konversionstherapien durchgemacht. Das sind pseudowissenschaftliche Methoden, die aus Lesben und Schwulen Heterosexuelle machen sollen. Anfang der 1990er gipfelte Baums Weg darin, dass er Wüstenstrom Deutschland mitbegründete, ein bekannter Anbieter solcher Anwendungen. Obwohl es keinen wissenschaftlichen Anhaltspunkt dafür gibt, dass Sexualität veränderbar ist und diese Art von "Therapien" meist psychische Schäden nach sich ziehen, sind sie auch heute noch in Deutschland verbreitet.

Baum sagt, er habe eingesehen, dass "Ex-Gay-Organisationen", wie er sie nennt, mit falschen Versprechungen arbeiten. Heute bezeichnet er sich als "Ex-Ex-Gay" und damit hängt eine zweite Organisation zusammen. Rund zehn Jahre nach Wüstenstrom gründete Baum 2001 "Zwischenraum", eine Selbsthilfegruppe für evangelikale Christinnen und Christen in Deutschland und der Schweiz, die sich zum LGBTQ-Spektrum zählen. Heute ist er bei keiner der beiden Organisationen mehr Mitglied. Die Vereinsarbeit fehle ihm, sagt Baum. Trotz allem, was er durch sie erlebt hat.

Wenn Freunde anfangen, für einen zu beten

Baum, der 1958 in Franken zur Welt kam, wuchs, wie er sagt, eigentlich nicht religiöser auf als andere Menschen im Bayern der Sechziger Jahre: Taufe, Konfirmation, gelegentliche Gottesdienstbesuche. "Wir waren eine Clique aus fünf Burschen und Mädels", erinnert er sich an seine Zeit als 15-Jähriger. Dass er schwul ist, habe er schon immer gewusst und eigentlich auch schön gefunden. "Ich hatte mich in Lehrer verliebt und nie Mädchen hinterher geguckt." Auch die Freundinnen und Freunde aus seiner fränkischen Heimat hätten nichts gegen seine Homosexualität gehabt, bis einige einer freien christlichen Gemeinde beigetreten seien. Sie hatte ihren Ursprung in der amerikanischen christlichen Jesus People Bewegung. "Auf einmal hörte ich, dass sie für mich beteten", sagt Baum und zieht die Augenbrauen hoch. Anfangs habe er das ziemlich lächerlich gefunden.


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Die Jesus People bildeten sich aus der amerikanischen Hippie-Bewegung der späten Sechziger Jahre heraus und distanzierten sich von Promiskuität und Drogen. Als immer mehr von Baums Freundinnen und Freunden der Gemeinde beitraten und dabei auf ihn einen glücklichen Eindruck machten, habe er herausfinden wollen, woran das lag. Als auch Baum zu den Treffen ging, lernte er, dass sein sexuelles Empfinden nicht mit den Vorstellungen der Gemeinde übereinstimmte: "Ich stand unter großem Druck und fing auch an, für meine Heilung zu beten", sagt er. Es war das erste Mal, dass der pubertierende Baum seine Sexualität in Frage stellte.

Heute ist das schwer zu glauben, wenn man den selbstbewussten schwulen Mann in seinem Lieblingscafé sieht. Rote Theaterstühle, eine mechanische Drehtür. Baum bestellt im schweizerischen Dialekt einen Milchkaffee und erzählt dann von seinem Traum: Einmal mit Guido Maria Kretschmer Tee trinken, das wäre was. "Er verkörpert für mich ein Schwulsein aus einer Fülle heraus und nicht – wie es bei mir lange war – aus einem Defizit heraus." Außerdem sei er Shopping Queen-Fan, Baums Leidenschaft ist Mode: "Mittlerweile gibt es tolle Sachen für stabile Männer wie mich", sagt er. Eine Schwäche habe er vor allem für ausgefallene Socken.

"Alle Theorien über Homosexualität haben auf mein Leben gepasst", sagt Baum. Dann zählt er längst widerlegte Thesen auf, die früher erklären sollten, wie Homosexualität angeblich entsteht. Erstens: ein emotional distanzierter Vater. Baum sagt, er habe seinen Vater gehasst. "Es drehte sich alles nur ums Familiengeschäft, ein Kaffeehaus." Wenn er einen Rat brauchte, habe der Vater ihn zur Mutter geschickt. Was ihn zum zweiten Punkt bringt: ein enges Verhältnis zur Mutter. "Wir waren eine seelische Symbiose", sagt Baum. Vor zwei Jahren starb sie. Und es gibt noch einen dritten Aspekt, der für Baum gleichzeitig wohl am schwersten wiegt: Er wurde als Kind sexuell missbraucht.

Günter Baum sitzt in einem Ledersessel
"Ich hatte nie ein Problem mit meiner Sexualität. Eigentlich wollte ich es immer den anderen recht machen", erklärt Baum seine Entscheidung, sich "umpolen" zu lassen

Es war ein Pensionsgast seiner Eltern, erzählt Baum. Innerhalb der Familie sei der Missbrauch stets totgeschwiegen und nie richtig aufgearbeitet worden. "Die letzten Jahre hat mich das nochmal stark beschäftigt", sagt Baum und dreht nervös am Ring, der auf seinem rechten Ringfinger steckt. "Ich kann deswegen nicht mal wütend sein, denn der Mann gab mir damals das an emotionaler Nähe, was ich von meinem Vater nicht bekam." Wut scheint für Baum generell eine Verschwendung von Lebensenergie zu sein – genauso wie weiter nach den "Gründen" für seine Sexualität zu suchen. Das habe er aufgegeben. Sie spielen für ihn keine Rolle mehr, sagt Baum.

Ohnehin weiß bis heute niemand genau, woher unsere sexuelle Orientierung kommt. Einige LGBTQ-Aktivistinnen und -Aktivisten kritisieren die Ursachenforschung, da sie sich überwiegend mit den Ursachen von Homosexualität und nicht Heterosexualität auseinandersetzt. Baum aber bewegte sich lange in einer Welt, in der solche kritischen Überlegungen keine Rolle spielten.

Scheinverlobung, erste Liebe und Sexpartys

Obwohl Baum sagt, dass er heute sicher sei, dass man aus Lesben und Schwulen nicht einfach Heterosexuelle machen kann, wolle er niemanden die angebliche "Heilung" absprechen. Er kenne Ex-Gays, die mittlerweile eine heterosexuelle Ehe führen, sagt Baum. Und das, obwohl er mit solchen Beziehungen Erfahrung hat.

Fünf Jahre lang war er verlobt. Mit Susanne, einer Frau aus der freien christlichen Gemeinde, die an die Jesus People angelehnt war. Da Sex vor der Ehe sowieso tabu war, habe dieses Thema in ihrer Beziehung keine Probleme gemacht. Doch als die beiden Anfang der 1980er begannen, die Hochzeit zu planen, machte Susanne Schluss. "Sie fühlte sich in ihrer Weiblichkeit nicht begehrt. Das war für mich ein Zeichen, dass gleichzeitig Christ und schwul sein einfach nicht geht, weil ich die mir vom Christentum zugeschriebene Rolle in Beziehung zu einer Frau nicht erfüllen konnte."

Und was machte Baum? Er versuchte weiterhin, heterosexuell zu werden. Bis es nicht mehr ging.

Nach all den Gesprächen in christlichen Gemeinden habe er sich irgendwann mehr als "Trägersubstanz für Dämonen" als als Mensch gefühlt, sagt Baum. Eine Zeit lang trug er ein schmales Gummiband um sein Handgelenk. Immer, wenn er sich dabei ertappte, wie er einen attraktiven Mann anstarrte, zog er es auf, hielt kurz inne, und ließ es schließlich los – schnalz! Der Schmerz sollte in seinem Gehirn das schöne Gefühl, das der Anblick des Mannes bei ihm auslöste, mit etwas Negativem verbinden. Was wirklich passierte: nichts. "Das war Selbstzerstörung, ich konnte nicht weitermachen", sagt Baum. "Außerdem wollte meine Sexualität auch Erfahrungen sammeln." Also gab er eine Kontaktanzeige in einer Nürnberger Lokalzeitung auf: "Er sucht Ihn".

Baum wurde fündig. Rainer war DJ, Freigeist, Kiffer und sein erster Freund. "Es war das erste Mal, dass ich Sex im Rahmen von Liebe erlebt habe", sagt Baum. Davor hatte er zwar auch Sex mit Männern, jedoch anonym: "Man traf sich im Park und auf öffentlichen WCs, das barg auch immer Gefahren: Geschlechtskrankheiten, ertappt werden von der Polizei." Immerhin waren schwule Handlungen in der Bundesrepublik bis 1969 strafbar. In abgeschwächter Form bestand der sogenannte Schwulen-Paragraph 175 bis 1994.

"Rainer war die Liebe meines Lebens", sagt Baum. Und trotzdem verließ er ihn. "Das Gefühl, etwas Falsches zu tun, war tief in mir verankert. Ich sah das als Zeichen von Gott. Heute weiß ich, dass diese Trennung mein größter Fehler war."

Nach der Trennung ging Baum für eineinhalb Jahre in die USA und machte ein Praktikum im "Healing Ministry" von Desert Stream, einer amerikanischen Ex-Gay-Bewegung in West Hollywood. Desert Stream bietet Seminare, Therapien und Heilungsgottesdienste an, die die sexuelle Orientierung verändern sollen. In Gruppentherapien aber auch in riesigen Konferenzsälen hätten dort in den Neunzigern singende und betende Menschen versucht, ihre "Sünden" loszuwerden, sagt Baum. Manche seien vor Euphorie umgefallen. Günter Baum machte all das mit und engagierte sich während seines über einjährigen Praktikums so sehr, dass er den Auftrag – Baum nennt es "Berufung" – bekam, dasselbe Konzept in Deutschland zu verbreiten.

Ab 1993 arbeitete Baum von Bad Windsheim aus an der Gründung von Wüstenstrom Deutschland. Doch bald, sagt Baum, merkte er, dass er nicht enthaltsam sein konnte, obwohl er das anderen predigte und die Organisation es von ihm verlangte. Baum wollte weg von Wüstenstrom. Und er wusste auch, was er dafür tun musste. 1996 ging er nach Berlin und tauchte in die Schwulenszene ein.

Günter Baum hält eine Gebetskette
Diese orthodoxe Gebetsschnur trägt Baum immer bei sich: "Man verknüpft das Gebet mit dem Ein- und Ausatmen, bis man es so verinnerlicht hat, dass man automatisch bei jedem Atemzug betet"

"Lackoutfits, Sexpartys, ich kam mir vor wie im Schwulenfilm Taxi zum Klo", erzählt er und grinst. "Wenn meine Mama wüsste, was ich alles angestellt habe." Baum holte seine Jugend nach. Feierte die Nächte durch, kiffte und preschte auf dem Rad den Ku'damm runter, vorbei an roten Ampeln. Trotzdem sei es ihm damals teilweise furchtbar gegangen, sagt er. Denn er hatte ja sein bisheriges Lebenswerk in Frage gestellt, das ihn auch in Berlins Schwulenszene verfolgte. Manche hätten ihn dort als Gründer von Wüstenstrom angefeindet, sagt Baum. Er begann 1996 eine Psychotherapie, um mit seiner sexuellen Ausrichtung ins Reine zu kommen. "Ich habe Sexualität immer losgelöst von mir betrachtet, bis ich sie als Teil meiner Persönlichkeit integrierte", sagt er. Das sei für ihn das Gefühl "natürlich schwul zu sein".

Schließlich beichtete er Wüstenstrom noch im selben Jahr seine Eskapaden und disqualifizierte sich so für den Verein, den er selbst mitgegründet hatte. 1997 wurde Wüstenstrom von Markus Hoffmann neu gegründet, mittlerweile ist der Verein unter dem Namen "Institut für dialogische und identitätsstiftende Seelsorge und Beratung e.V." (IdiSB) aktiv. Auch heute wird er noch von Politikern oder Aktivisten, die sich für ein Verbot von Konversionstherapien stark machen, als Anbieter genannt. Ein Sprecher des IdiSB sagte gegenüber VICE, die Organisation glaube zwar an "sexuelle Fluidität", habe aber keine Angebote zur Veränderung der sexuellen Orientierung.

Nach seinem Austritt aus Wüstenstrom habe er auch in der Schwulenszene keine richtige Erfüllung gefunden, sagt Baum: "Mir fehlte das spirituelle Leben und ich wollte mich nicht für eines von zwei Extremen entscheiden", erzählt er, während wir durch Basels schmale Gassen schlendern und an einem wichtigen Ort für seinen Richtungswechsel angelangen.

"Die meinten, jetzt verführe ich Leute zur Sünde"

Vor der Elisabethenkirche erzählt Baum, dass er 1999 nach Basel kam, weil hier die Lesbische und Schwule Basiskirche seine Ideale teilte. "Für mich waren die Gottesdienste hier wunderschön, das war der erste Schritt zur Versöhnung meiner Sexualität und meines Glaubens", sagt er. Baum wirft einen skeptischen Blick auf einen Spendenautomat, mit dem man die Kirche durch Kreditkartenzahlung unterstützen kann. Dann schmeißt er zwanzig Franken in den Opferstock. Brauchtum ist ihm wichtig, doch die Gottesdienste in dieser Kirche waren dem Mann, der sich selbst als "flippiger Jesus-Typ" bezeichnet, zu traditionell. Deshalb gründete er 2001 eine neue Organisation.

Zwischenraum ist eine Selbsthilfegruppe für evangelikale LGBTQ-Personen und Aussteiger von Ex-Gay- Organisationen. Sie will Sexualität und Glauben miteinander versöhnen. Auch Baum konnte dort seine evangelikale Spiritualität ausleben und gleichzeitig offen zu seiner Sexualität stehen. "Das hat vielen Frommen nicht gefallen. Die meinten, jetzt verführe ich Leute zur Sünde", erzählt Baum.

Wegen seiner früheren Arbeit bei Wüstenstrom habe er kein schlechtes Gewissen, sagt Baum: "Bei allen, bei denen ich mir nicht sicher war, ob ich ihnen schadete, habe ich mich auch entschuldigt." Die Gründung von Zwischenraum sehe er trotzdem als einen Wiedergutmachungsversuch für alles, was er davor in seinem Leben getan habe. Und doch ist es noch immer manchmal da: Dieses Gefühl, etwas Falsches zu tun. "Ich frage mich hin und wieder, ob es richtig war, Zwischenraum gegründet zu haben. In meinem Kopf sitzt noch ein moralischer Ankläger, der sagt, dass ich die Menschen auf einen falschen Weg bringe." Es sei eine kleine Angst, die manchmal aber auch sehr groß werde. Hin und wieder habe er Flashbacks, wenn er gewisse Lieder höre, die zur Zeit seiner versuchten "Umpolung" auch in den Gemeinden gespielt wurden. "Dann geht es mir schlecht und ich muss weg von dort."

Lange Zeit habe ihm Achim diese Angst genommen, sagt Baum. Mit ihm war er 14 Jahre lang zusammen. Wenn die beiden Männer miteinander schliefen, blickte Jesus von einem Bild an der Wand auf sie herab. Und obwohl Baum selbst seine Wohnung mit lauter religiösem Kitsch dekorierte, wollte er das Bild immer umdrehen, sagt er. "Achim hat mir sehr geholfen, indem er sagte: Gott freut sich, dass wir so geilen Sex haben." Jetzt lacht Baum wieder so wie bei den Geschichten aus seiner Berliner Zeit.

Vor zwei Jahren starb Achim fast zeitgleich mit Baums Mutter. Es traf ihn hart. "Ich lebe auch heute noch stark isoliert", sagt er. Mehr als einmal merkt er an, wie schön es sei, heute Besuch zu haben.

"Wenn die zwei Menschen, die man geliebt hat, auf der anderen Seite sind, zieht es einen auch dorthin", sagt Baum. Aber in seiner jetzigen Gemeinde, der Vineyard Basel, habe er Halt gefunden. "Lieber vom Leben gemalt als vom Schicksal gezeichnet", habe der Pastor mal zu ihm gesagt. Es wurde sein Lebensmotto. Außerdem pflege er noch zu Achims Kinder Kontakt. Denn vor seinem Coming-Out war Achim verheiratet und gründete eine Familie: "Da habe ich sozusagen noch ein Stück von ihm."

Jetzt klettert Baum die 228 Stufen des neugotischen Turms der Elisabethenkirche empor. Zum ersten Mal in seinem Leben. "Seit meiner Jugend habe ich versucht von der Homosexualität geheilt zu werden und schließlich wurde ich zu ihr geheilt", sagt Baum. Er ist jetzt oben angekommen. "Ich habe Zwischenraum verlassen, weil man als Pionier irgendwann der nächsten Generation Platz machen muss." Ex-Gay-Gemeinden halte er auch trotz seiner negativen Erfahrungen noch immer für wichtig: "Es wird immer Menschen geben, die nie so weit kommen können wie ich. Die ihre Homosexualität nie akzeptieren werden." Markus Hoffmann, den Wüstenstrom-Neugründer, bezeichnet er als einen seiner besten Freunde.

Günter Baum auf einem Kirchturm
Kirchen sind für Baum einfach nur Gebäude: "Im Christentum ist vor allem der Auftrag, sich um andere zu kümmern, wichtig."

Was er aber ablehne, sei das "Bibelstellen-Ping-Pong" – wenn die eigene Religiosität nur noch daran gemessen werde, ob man gegen Abtreibung und Homosexualität sei. "Dabei geht die Liebe zu Jesus verloren. Das ist eine Irrlehre", sagt Baum. "Wie soll ich Schwulsein vor Gott als Sünde bekennen, wenn ich nie die Freiheit hatte zu entscheiden?"

Tabus befolge er heute nicht mehr blindlings so wie früher, auch wenn das manchmal schwierig sei, sagt Baum. Zu lange war er Teil eines Systems, das ihm das Denken vorgab. Mittlerweile sei er auch Mitglied einer Sterbehilfeorganisation in der Schweiz. Ein Stück seiner Vergangenheit hat Günter Baum trotzdem noch immer bei sich – um das Beste daraus zu machen. "Ich trage auch heute noch das Kreuz, das sie uns damals bei Desert Stream gegeben haben", sagt er und umgreift den kleinen Metall-Anhänger über seiner Brust. "Ich will diese alten Symbole in mein Leben integrieren und sagen: Ihr habt keine Macht mehr über mich."

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