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Vice Blog

Die brasilianische Königin des Rings

18.6.10

Als Norbert zu uns ins Büro kam, erzählte er uns einige Geschichten über seine Mutter, die brasilianische Wrestlerin Olga Zumbano. Einige waren aus dem zweiten Weltkrieg. Wie die, über den russischen Soldaten, dem sie das Genick brach, als dieser versuchte sie zu entführen. Oder die über die Nacht in der sie mit ihrer Schwester nach draußen ging um Fallschirmjäger zu erschießen, während ihr Ehemann an der Front kämpfte. Dann meinten wir natürlich "Bilder oder es ist gelogen" und er lieferte sie uns.

In Brasilien kämpfte Olga um den Titel „Königin des Rings“. Natürlich darf man Norberts Großvater nicht vergessen, den Österreicher Hans Norbert, der ebenfalls Wrestler war und außerhalb des Ringes den verrückten Spitznamen „Österreichischer Maschinengewehrschütze“, trug, da er kurz nach seiner Hochzeitsreise und der Geburt von Norbert einberufen wurde um in zweiten Weltkrieg zu kämpfen. Jedenfalls möchte ich diesem ganzen Kriegsding nicht mehr Bedeutung beimessen, denn am Ende und das was uns interessiert sind die Fotos, die Norbert von seiner Mutter aufnahm. Sie war eine kräftige und mutige Frau, die mit brasilianischen Zirkusen in den 40ern durchs Land reiste. Zu Beginn hatte sie noch einen ausgedachten spanischen Namen. „Ich bin Nina Olivera und aus Spanien!“ schleuderte sie den Polizisten, die sie nicht kämpfen lassen wollten, da sie Brasilianerin ist. „Hört mir zu, Wrestler verstehen sich nie gut mit der Polizei, Wrester verstehen sich mit Verbrechern.“, erzählte uns Norbert.

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Olga boxte seit ihrer Kindheit, da sie dem Jofre-Zumbano Klan entstammte. Dem selben Klan, aus dem der größte Name des brasilianischen Sports entwuchs: Éder Jofre

„Keiner meiner Großeltern war ein Boxer. Aber da ich in einer Zeit aufwuchs, in der Probleme entweder mit einer Faust oder mit einer Kugel aus der Welt geschafft wurden, mussten alle 13 Kinder im Innenhof Boxen lernen. Zwei davon waren Mädchen Angelina, die Mutter von Éder Jofre und Olga, meine Mutter“, erzählte uns Norbert.

„Das Leben der Zumbano Familie - Immigranten aus Italien - begann in Mococa, in São Paulo. Sie zogen in die Hauptstadt aufgrund des Boxes, da sie dort dadurch etwas extra Geld verdienen konnten. Damals aber noch ohne meine Mutter und meine Tante, die sich zu dieser Zeit nicht wirklich für Boxen interessierten.

Olga und Hans lernten sich in São Paulo kennen, als Hans gerade auf dem Weg nach Argentinien zum Wrestling war. Er sah Olga in der Tür des Hauses der Zumbanos und verliebte sich. Es war während der Flitterwochen als sich Olga aus Selbstverteidigungsgründen entschied, griechisch-römisch ringen zu lernen und zwar mit dem Schauspieler und Preisringer Ady Berber.

"Meine Mutter fand raus, dass auch andere Frauen mit ihm trainieren und dass sie nicht die einzige in Österreich war. Als der Krieg vorbei war sagte sie zu meinem Vater, 'Hör zu, wäre es nicht ein gute Idee diese Frauen nach Brasilien zu bringen und Shows auf die Bühne zu bringen?' Und so ist es passiert. Mein Vater hat mit Ady Berber einen Deal gemacht um die Frauen rüberzubringen. Es waren sieben oder acht." Die Show füllte Zirkuszelte in ganz Brasilien und war in den Schlagzeilen aller großen Zeitungen. Das Ziel von Olga und ihrer Crew war es den örtlichen Schlägern eins auf die Fresse zu geben und sie vor ihren versammelten Dörfern blosszustellen.

Olaf liess sich von Hans scheiden, nachdem er einen Eifersuchtsanfall hatte, nachdem Olga mit einem Wrestler von Santos Fotos machte. Sie kaufte sich ihren eigenen Zirkus, Land, Autos, Apartments und sogar eine Kreuzfahrt auf dem Rio Nero. Sie ging am Anfang des Goldrausches nach Serra Pelada und kam mit 2-Liter Guarana Flaschen voll mit Goldstaub zurück. Die Ausländer in ihrer Gang wurden nach und nach durch Brasilianerinnen ersetzt. "Die Österreicherin die darauf spezialisiert war Männer in den Schwitzkasten zu nehmen heiratetet, die Engländerin die gut mit ihren Knien ist hörte auf und die Kubanerin wurde ermordet und so löste sich die Gruppe langsam auf," erzählte uns Norbert.

Olga heiratetet noch dreimal und lebte davon Zirkusse zu kaufen und zu verkaufen und im Ring aufzutreten, jetzt als die Böse in gestellten Kämpfen, bei denen sie ein paar gewann und dann im letzten Moment oder am letzten Abend der Show spektakulär und zum Vergnügen des Publikums, verlor. Sie verlor eine Menge Geld und stand weiter im Ring, bis sie 60 war. Olga starb mit 84 an Herzproblemen am 3. September 2000. Das sind Norberts Fotos von seiner Mutter.

Fotos: Norbert Franz Novotny

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