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Die Verbindungen zwischen FPÖ und Pegida

Die FPÖ unterstützt Pegida nicht nur, es gibt auch eine erste personelle Überschneidung.

von Hanna Herbst
09 Februar 2015, 2:05pm

Georg Nagel und Markus G. bei der Pegida-Kundgebung am 2. Februar. Foto von VICE Media.

Die FPÖ, allen voran Heinz-Christian Strache und Martin Graf, hat Pegida von Beginn an unterstützt. Nicht einmal nach den Auswüchsen, die Pegida in Wien am Montag letzter Woche in Wien angenommen hat, hat sie sich ausdrücklich von der Bewegung distanziert. Die FPÖ braucht keine Pegida, die FPÖ ist „die wahre Pegida", wie Strache ganz richtig festgestellt hat und beim Neujahrstreffen der FPÖ rief Strache: „Ich bin im Herzen bei Pegida". Die Ideale von Pegida werden von der FPÖ unterstützt und promotet, doch von der Organisation der Bewegung an sich hat sich die FPÖ stets distanziert.

Der oberösterreichische FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner schloss im Interview mit dem Standard sogar dezidiert aus, dass die FPÖ etwas mit der Organisation von Pegida Linz zu tun habe. Gegenüber dem Kurier beteuerte Johann Gudenus, er kenne weder Georg Nagel, „noch andere führende Vertreter von Pegida Österreich".

Wir haben jedoch konkrete Hinweise gefunden, dass Mitglieder der FPÖ nicht nur mit der Idee hinter Pegida etwas anfangen können und sich einfach nur unter die Teilnehmer gemischt haben, um sich „das ganze einmal anzusehen", wie es Martin Graf getan hat: Der Medien- und Pressereferent der FPÖ Mariahilf macht seit zwei Wochen auch die Presse für Pegida in Wien. Das hat unsere Recherche ergeben. Er hat Georg Nagel gebrieft und steht auch nach dessen Rücktritt noch hinter der Bewegung. Damit gibt es nicht nur einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen FPÖ und Pegida—es gibt auch eine erste personelle Überschneidung.

Team Mariahilf. Rechts: Markus G., daneben Leo Kohlbauer. Screenshot der FPÖ Mariahilf-Gruppe.

Markus G., Medien- und Pressereferent der FPÖ Mariahilf, im Foto mit Leo Kohlbauer, ist auch bei dem Marsch der Identitären letzten Mai in Wien mitgelaufen. Welche Rolle er damals hatte, ist unklar. Das zweite Mal haben wir ihn bei der FPÖ Kundgebung gegen die Islamschule in Simmering angetroffen, bei der er mit Leo Kohlbauer, dem damals neuen geschäftsführenden Bezirksparteiobmann der FPÖ, war.

Namentlich bekannt gemacht hat sich G. an diesem Abend nicht, er hat uns Kohlbauer aber mit den Worten: „Das ist unser Neuer im 6." vorgestellt. Bevor wir Kohlbauer interviewen durften, wurde er von G. kurz gebrieft. Selbst wollte G. nicht vor die Kamera.

Markus G. (FPÖ Mariahilf), Julian Prochaska (ehemaliges Mitglied der Identitären Bewegung), Leo Kohlbauer (FPÖ Mariahilf). Screenshot der FPÖ Mariahilf-Gruppe.

Am Sonntag vor der Pegida-Kundgebung bekam ich dann einen Anruf einer fremden Nummer. Der Anrufer nannte seinen Namen nicht, sagte aber, er könne mir bei der Pegida-Kundgebung am darauffolgenen Tag im Namen von Pegida Wien ein Interview geben, da Georg Nagel sehr beschäftigt sein würde. Er ergänzte, dass er nun als professionelle Unterstützung hinter den Jungs stünde, die Pegida Wien bisher vertreten hätten.

Als ich mich am nächsten Tag kurz mit ihm bei der Kundgebung unterhielt, wollte er im Hintergrund bleiben. Die Bewegung mit Gesicht und Namen zu vertreten, sei die Aufgabe von Georg Nagel. Bei der Veranstaltung stellte sich heraus, dass es sich bei dem Anrufer um Markus G. gehandelt hatte.

Georg Nagel (mitte), Markus G. (rechts) auf der Pegida-Kundgebung in Wien. Foto von VICE Media.

Auf Anfrage bestätigt G., dass er sowohl für Pegida, als auch für die FPÖ (jeweils unentgeltlich) arbeite. Per Mail schickt er eine halbe Stunde später ein Statement, das wir hier ungekürzt veröffentlichen möchten:

„Da bin ich wohl wie der Pumuckel der Hanna Herbst auf den Leim gegangen.
Als optimistischer Kulturpessimist hab ich mich schon früh in alle möglichen Bewegungen eingebracht. Das war zur Schulzeit der WWF, dann Fotograf bei Greenpeace und vor kurzem noch Global 2000. Vielleicht sollte man die Missstände unserer Zeit mitunter von Links und Rechts zugleich in die Zange nehmen? Mein energiegeladener Freund Leo Kohlbauer hat mich unlängst gebeten, ihm als jungen Bezirksobmann in der Medienarbeit ein wenig zu helfen, warum nicht.

Die Pegida-Bewegung aus Deutschland, irgendwie aus den alternativen Montagsdemos hervorgegangen, hat in vielen natürlich die Hoffnung geweckt, dass sich an diesem totalen Systemstillstand, der aggressiven Außenpolitik bis hin zur Konfrontation mit Russland und diesem Medienkartell vielleicht doch mal irgendwas ändert.

Der junge Georg Nagel hat mir eröffnet, dass er von heute auf morgen als Pegida-Sprecher eingesetzt wurde. Ich hab ihm ja noch abgeraten–aber selbst wenn er sich hierin definitiv überschätzte, sein mutiger Entschluss war schon gefallen und was sollte man machen, helfen oder nicht helfen? Der Crash-Kurs in PR-Angelegenheiten hat für ihn in dieser kurzen Zeit offenbar nicht ganz gereicht.

Glauben Sie mir, es war auch nicht leicht mit ihm. Ob meine Tipps für Pegida weiterhin gefragt sind, weiß ich noch nicht. Die durchaus intellektuelle Identitäre Bewegung ist eine logische Antithese auf den Dekonstruktionswahn und die Schizoanalysen der französischen Poststrukturalisten. Das ist doch interessant, Geschichte bewegt sich doch noch. Ich würde ja lieber ein wenig über Philosophie plaudern, denn das ist ja mein eigentliches Fach.
Zum Thema des Artikels, dass es Querverbindungen (?) gibt: Es ist doch gut, dass es Querverbindungen gibt, die sollte es—über alle Lager hinweg—noch viel mehr geben. Sonst würden sich ja alle separatistisch in ihrer politischen Idee einbunkern, während sich die großen Zahnräder ganz unbeirrt weiterdrehen."