Fotos vom ganz normalen, völlig absurden Leben in Serbiens abgerissenen Flüchtlingsruinen

Abdul wurde auf seiner 16-Monate-langen Reise ausgeraubt, entführt, eingesperrt und von Polizisten und Schleppern geschlagen. Diese Bilder zeigen die Welt aus seiner Sicht.

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Mai 14 2017, 2:00pm

Fotos von Abdul Saboor

Das erste Mal sah ich Abdul im sogenannten "Afghanenpark" in der Nähe der Flüchtlingsbaracken von Belgrad. Dort fotografierte er gerade seine Kollegen beim Kartenspielen. Jetzt gerade werden diese Baracken abgerissen, um für Serbiens größtes Einkaufszentrum Platz zu machen.

An einem der darauffolgen Tage kamen wir miteinander ins Gespräch. Er erklärte mir, dass er seit einigen Monaten die Lage mit seiner Kamera dokumentiert und in Bildern festhält. Abdul begann mit dem Fotografieren nach einem Gespräch mit einer Dame, die in einem der umliegenden Supermärkte arbeitet.

Er stellte fest, dass sie nichts von den rund 1500 jungen Männern, die bis vor kurzem in den verfallenen Fabrikhallen hinter dem Busbahnhof hausten, wusste. Er teilte die Fotos, die er anfangs noch mit einem Smartphone und später mit einer professionelleren Kamera machte, auf Facebook und im sozialen Netz. Und bevor sich die berüchtigte Smartphone-Fraktion zu Wort meldet: Die Kamera wurde ihm übrigens von einer freiwilligen Helferin zur Verfügung gestellt.

Abdul ist nun seit 8 Monaten in Belgrad. Er hat eine 16-monatige Reise hinter sich. Auf dieser wurde er laut eigenen Angaben unzählige Male von der Polizei und mehreren Schlepperbanden entführt und eingesperrt. Es wurde mehrmals auf ihn geschossen. Er erlitt einen Unterarmbruch und eine malträtierte Nase.

Manchmal sei ihm bei der Querung der Landesgrenzen alles gestohlen worden, was er zu dem Zeitpunkt bei sich hatte. In der Türkei gehörten auch seine Schuhe dazu. Gekommen war er über den Nahen Osten und der Balkanroute, soll heißen: Afghanistan – Pakistan – Iran – Türkei – Bosnien – Serbien. Seit seiner Ankunft in Serbien hat er bereits dutzende Male versucht, die kroatische Grenze zu überschreiten. Geschafft hat er es bisher einmal. Dabei wurde er jedoch in Zagreb von der Polizei aufgegriffen und zurück nach Serbien deportiert.

Die Bilder zeigen sein Leben zwischen Alltag und Ausnahmesituation; und damit das Leben vieler, die in Serbien gestrandet sind – zum Teil ohne Familie und sogar ohne Schuhe. Falls ihr ein bisschen was zur Verbesserung der Situation beitragen wollt, könnt ihr dieses Crowdfunding-Projekt zu Schuhen für Refugees unterstützten.

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