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Wenn Raver in Disneyland einfallen

Beim offiziellen RaveDay dreht sich alles um Armbänder, PLUR und gute Laune.

von Jamie Lee Curtis Taete
18 Juni 2015, 8:00am

Es gibt viele Subkulturen, die Disneyland als das Mekka ihrer jährlichen Treffen auserkoren haben—am auffälligsten sind dabei wohl die Goths und die Hardcore-Disney-Fans, die sich wie Biker-Gangs kleiden. Es gibt allerdings auch weniger bekannte Veranstaltungen wie den Nerdy Day, den Dapper Day oder den Tag der Ska-Fans (der treffenderweise als „It's a Ska World After All" bezeichnet wird).

Vor Kurzem waren jedoch die Raver an der Reihe, die im Vergnügungspark den 14. jährlich stattfindenden „Summer RaverDay" feierten. Und ja, dort ging es genau so zu, wie man sich es vorstellt.

Normalerweise denkt man bei Ravern ja eher an relativ casual gekleidete Menschen, die entweder in einer Lagerhalle oder in einem Feld abstampfen und dabei den Eindruck machen, als würden ihre Schädel versuchen, das Gesicht von ihnen heraus zu zerfressen.

Die feierwütigen Raver von Disneyland sind allerdings andersartige und amerikanisierte Vertreter dieser Kultur: Sie sind von oben bis unten mit bunten Perlen behangen, in Jeans und Kunstpelz gekleidet und schon fast verdächtig freundlich. Hier ein Beispiel:

Nach meiner Ankunft unterhielt ich mich mit einer jungen Frau namens Valerie, die zum allerersten Mal dabei war. Sie gab mir bereitwillig Auskunft über die sogenannte „Kandi"-Szene. „Hier dreht sich alles um PLUR", meinte sie, „also Peace, Love, Unity und Respect."

„Liebe ist hier überall zu spüren", fuhr sie fort. Schließlich erklärte sie mir noch die Bedeutung ihrer Armbänder: „Die habe ich entweder selber gemacht und sie wurden mir von anderen Ravern geschenkt. Sie werden mit viel PLUR gebastelt. Das Ganze muss auch immer etwas bedeuten. Wenn ich den Eindruck habe, dass ein Armband keine Bedeutung hat, werde ich es nicht tragen."

Dann zeigte sie mir noch, wie man die Armbänder austauscht—dieser Vorgang ist quasi so etwas wie der geheime Handschlag der Kandi-Raver (eine Demonstration kannst du dir hier anschauen).

Ich fragte eine andere Raverin, ob die vielen Armbänder nicht irgendwann stören oder zur Last werden würden. Sie legte daraufhin einen Teil ihres Arms frei, um mir zu zeigen, wie die Haut unter den ganzen Perlen aussieht. „Das passiert dann", meinte sie. „Wir nennen das Ganze ‚Kandi-Krebs'."

Als mir die Anwesenden von PLUR erzählten, ging ich ehrlich gesagt davon aus, dass es sich dabei einfach nur um ein Codewort für Drogen handeln würde. Ich meine, schaut euch diese Leute mal an. Vince Cotson, der Organisator von RaveDay, versicherte mir jedoch, dass dies nicht der Fall sei. Laut ihm nimmt an diesem Tag keiner der Anwesenden irgendwelche Drogen. „In all den 14 Jahren hat sich noch nie irgendjemand daneben benommen", erzählte er mir. Dazu betonte er noch, dass auf der Facebook-Event-Seite ausdrücklich gesagt wurde, dass sowohl Drogen als auch Schnuller bei der Veranstaltung nichts zu suchen hätten („NO DRUGS"—komplett in Großbuchstaben!). „Manchmal werden Schnuller nämlich als Symbol für verbotene Substanzen angesehen", erklärte er.

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Ich bin mir ziemlich sicher, dass er die Wahrheit sagte. Während des ganzen Tages herrschten gute Laune und eine familiäre Atmosphäre des Zusammenhalts. Jeder war einfach nur nett und gut drauf—wie man es eben von Leuten erwarten sollte, die so aussehen, als hätten sie sich mit Kleber eingeschmiert und dann durch den trashigsten Flohmarkt der Welt gerollt.

Die einzige beunruhigende Sache, die mir an diesem Tag untergekommen ist, war diese Visitenkarte. Ein Raver, der meinen englischen Akzent erkannte, verwickelte mich in ein Gespräch. „Mich fasziniert ein Fetisch, der seinen Ursprung in England hat", erzählte er mir. „Sagt dir ‚Sploshing' was?"

Dann reichte er mir die besagte Visitenkarte, mit der er seine Sploshing-Website bewirbt. Dort postet er Fotos von nackten Frauen, die sich mit Lebensmitteln einreiben. Der Typ trug ein Armband mit einem Cupcake-Anhänger und den Worten „TOSS ME" [„WIRF MICH"]. Er erklärte mir, dass das eine Anspielung auf „diese lustige Sache" sei, die er und seine Models am Ende des Shootings anscheinend durchziehen—dabei drehen sich die Frauen um und werden mit Cupcakes beworfen.

Gegen Ende des Tages wurde eine junge Frau von einer alten Dame angesprochen. Sie wollte wissen, was hier denn überhaupt los sei. „Wir nennen diese Armbänder Kandi", erklärte ihr die junge Frau. „Wenn man zusammen mit einem anderen Menschen etwas Schönes erlebt, dann tauscht man Armbänder aus. Wenn man diesen Menschen bei einer anderen Veranstaltung erneut treffen sollte, dann sieht man gleich, dass man sich bereits kennt."

Anschließend schenkte sie der alten Dame eines ihrer Armbänder. Voll süß aber.

Hier noch ein paar weitere Fotos des Events: