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Die Uni Innsbruck braucht mehr Lernplätze

Revolution! Ein Video dokumentiert den morgendlichen Sturm auf die Bibliothek.

Die Universität Innsbruck genießt derzeit wahrlich einen verhältnismäßig großen Teil unserer Aufmerksamkeit: Zuletzt konnte die alpenländische Institution bereits mit einer Gastprofessur Heinz Fischers von sich reden machen, die uns neben viel neu erlerntem Wissen auch die eine oder andere großväterliche Anekdote aus dem Nähkästchen des Altbundespräsidenten bescherte.

Nun macht ein (durchaus nett produziertes!) Video namens "Morgendlicher Bib-Run", das in der Uni Innsbruck aufgenommen wurde, die Runden. Gleich vorab: Der Film ist nichts für schwache Nerven. Zu sehen ist ein wildgewordener Studenten-Mob, der mit wütender Entschlossenheit die Räumlichkeiten der Bibliothek im Sturm erobert und besetzt. Eine Reise nach Jerusalem, nur eben in lebensgefährlich.

Allem Anschein nach sind die Studenten nämlich derartig verbissen auf einen der heißbegehrten Lernplätze, dass sie bereit sind, dafür über Leichen zu gehen – oder vielmehr zu sprinten. Ein Kommentar unter dem Video bietet Erklärung für den Wahnsinn: Demzufolge fallen in Innsbruck auf etwa 30.000 Studenten nur an die 2000 verfügbare Lernplätze. 

Auf Anfrage von VICE bei der Universität Innsbruck bestätigt man den Platzmangel: "Dass wir als Universität nicht nur für Lernplätze grundsätzlich mehr Platz brauchen, darauf weisen wir und die anderen österreichischen Unis seit Jahren regelmäßig hin." Im konkreten Video wirke das aber "schon etwas sehr dramatisch."

Zugegeben: Die verschiedenen Kameraeinstellungen, die offenbar durchdachte Musikauswahl ("Run" von Awolnation) und eigentlich das ganze bizarre Setting lassen das Video auf den ersten Blick mehr nach einem inszenierten Flashmob als nach einem tatsächlichen Sturm auf freie Lernplätze aussehen. Studenten der Universität Innsbruck können gegenüber VICE jedoch die Echtheit des Videos bestätigen.

"Ich meide die Bibliothek genau deshalb schon seit Längerem", erzählt eine Studentin der Universität. "Man muss mindestens eine Viertelstunde vor Öffnungszeit hingehen, wenn man einen Platz bekommen möchte." Verglichen mit anderen Städten wie Wien gebe es einfach viel weniger öffentliche Orte, um zu lernen – so ist zum Beispiel die Universitätsbibliothek von Innsbruck gleichzeitig auch die Landesbibliothek.

Bleibt zu hoffen, dass der morgendliche Sturm auf die Bibliothek keine Verletzten fordert, die Studenten ihre Prüfungszeit einigermaßen überstehen und die Universität Innsbruck vielleicht irgendwann mehr Lernplätze bekommt.

Franz auf Twitter: @FranzLicht

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