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In Klagenfurt soll eine 16-Jährige von zwei Rechten verprügelt worden sein

"Die Rechten werden auch in Klagenfurt immer lauter und aggressiver."

Foto mit freundlicher Genehmigung

In Klagenfurt soll am Mittwoch eine 16-jährige Aktivistin der Gruppe  Radikale Linke Koroška in der Nähe des Goethe Parks von zwei Männern attackiert und verprügelt worden sein, nachdem sie sich über ausländerfeindliche Aussagen der beiden beschwert haben soll. "Die zwei sind mir im Bus aufgefallen, weil sie sich lautstark und rassistisch zu einer Nachricht äußerten, die gerade über den Newsschirm im Bus lief", erzählt R., die anonym bleiben möchte, im Gespräch mit VICE.

R. sprach die beiden Männer, die sie auf etwa 17 bis 20 Jahre alt schätzt, auf ihre rassistischen Äußerungen an, wie sie weiter erzählt. "Sie sprachen unter anderem davon, dass man ja in einem Hühnerstall, in dem die Vogelgrippe ausgebrochen sei, alle Hühner umbringe und dass dasselbe auch für Flüchtlinge gelten sollte. Da hab ich mich halt eingemischt!"

Die beiden reagierten laut R. sofort ziemlich aggressiv, weshalb sie den Bus noch vor ihrer Zielhaltestelle verließ. Während dem Aussteigen rief sie noch "scheiß Nazis" in die Richtung der beiden Männer.

R. setzte ihren Weg zu Fuß fort, traf aber wenig später erneut auf die beiden Männer, die sie sofort verbal angegriffen und unter anderem als "Van der Bellen-Schlampe" beschimpft haben sollen. Auch R. wurde laut eigenen Angaben verbal ausfällig—die Situation schaukelte sich zunehmend hoch.

"Dann hat mich einer von ihnen plötzlich gegen eine Hauswand gedrückt", erzählt R. "Ich hab ihn angeschrien, dass er mich loslassen soll. Da hat er nur gemeint, ich hätte mit ihm nicht zu schreien und sei wahrscheinlich 'a so a Jugofut'", so die 16-Jährige.

R. versuchte sich laut eigenen Angaben schließlich auch körperlich gegen den jungen Mann zu wehren, worauf ihr dieser mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll. "Dann hat er mich noch an den Haaren ein paar Meter hinter sich hergezogen und mich in den Würgegriff genommen". Sie habe dem Angreifer schließlich in die Hand gebissen und konnte sich so aus dem Würgegriff befreien.

Die Angreifer sollen dennoch nicht von ihr abgelassen haben. "Erst nachdem sie mich zu Boden geworfen und mir noch mehrmals ins Gesicht getreten haben, sind sie dann davongelaufen", erzählt R. Wütend habe sie auch gemacht, dass nur ein paar Meter entfernt mehrere Leute vor einem Gasthaus gestanden seien. Diese hätten den Angriff zwar mitbekommen, aber nicht eingegriffen.

R. wurde bei dem Angriff schwer verletzt. Durch die Tritte wurde ihr ein Zahn ausgeschlagen. Am Donnerstag wurden im Krankenhaus außerdem eine Schädelprellung, eine Jochbeinprellung und eine Kieferfraktur festgestellt. Das Krankenhaus wird am Freitag Anzeige wegen Körperverletzung erstatten. 

Damit eventuelle Aufnahmen aus Überwachungskameras nicht gelöscht würden, wollte R. am Donnerstagnachmittag in der Polizeiinspektion St. Ruprechterstraße zusätzlich selbst Anzeige erstatten. "Der Polizist dort hat uns aber wieder weggeschickt und gefragt, ob wir was getrunken oder gegiftelt hätten, weil wir erst einen Tag später gekommen sind", erzählt R. Daraufhin seien sie und eine Begleitperson zur Polizeiinspektion Landhaushof gegangen, wo sie Aussage gegen Unbekannt erstatten und R. ihre Aussage machen konnte. Als wir versuchen, von der Pressestelle der Polizei Klagenfurt Näheres zu erfahren, teilt man uns mit, dass man zu diesem Fall keine Informationen rausgebe. Laut R. sei in der Zwischenzeit aber eine erste Einvernahme für Freitag geplant.

Einen vergleichbaren Vorfall hätte es in letzter Zeit nicht gegeben. "In Klagenfurt gibt es kaum bekannte rechte Strukturen", so die Aktivistin. Dennoch würden rechts orientierte Leute zunehmend bestärkt und selbstbewusster auftreten. „Die Rechten werden auch in Klagenfurt immer lauter und aggressiver. Das merkt man zum Beispiel an Diskussionen beim Fortgehen. Der Angriff stellt aber eine neue Qualität rechter Gewalt in Klagenfurt dar."