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Schwanger Woche 11: Fuck you, Wunschkind!

Darüber reden: Wie man nahestehenden Menschen mitteilt, dass man schwanger ist, und was man dabei zu hören bekommt.
8.7.14

Foto Credit: YOCUNA ARTE EN AZUCAR via photopin cc

Sie steht auf, geht zum nächsten Getränkestand, kommt mit einem Jägermeister zurück. Schraubt ihn auf, kippt ihn und beginnt wortlos zu heulen. Ich habe keine Ahnung, was mit der liebsten Freundin los ist. Muss ich sie trösten, weil ich schwanger bin? Wieso heult sie überhaupt, wenn ich nicht heule? Fragen, auf die auch der Elmayr keine Antwort parat hat. Außerdem hätte ich jetzt selber gern einen Doppelten, wovon auch immer.

„Du musst jetzt für zwei essen!“ sagt der liebe Freund, mit dem ich mir beim Heurigen eine Brettljause teile. Ich zeige auf ein Stück Schweinsbraten. „Aber es ist doch erst so klein“. „Das mag ich jetzt nimmer“, sagt er. „Du darfst auf keinen Fall für zwei essen, das Gewicht wirst du nie mehr wieder los“, rät mir eine ältere Freundin. „Und, wann heiratet ihr?“ will einer wissen. Manche kriegen einen manisch rührseligen, fast fanatischen Glanz in ihren Augen.

„Ist es ein Wunschkind?“ ist oft die erste Frage, gleich gefolgt von „Und was sagt er dazu?“. Ich frage mich, wie es schwangeren Frauen ohne aktuellem „er“ geht, die sich die Schwangerschaft alles andere als gewünscht haben. Dürfen die dann ehrlich sein? Oder reden sie einfach sicherheitshalber mit niemandem darüber? Zwiespältigkeit darf man in diesem Zusammenhang offenbar nicht an den Tag legen.

„Ein Kind hat man schneller als ein neues Kleid“ sagt meine Mutter. Zu ihrer Entschuldigung: Sie wuchs in der Nachkriegszeit auf. Ich erkläre ihr die Sache mit H&M und Verhütungsmitteln. Sie freut sich. Nein, ihr war nie schlecht. Nein, mir ist auch nicht schlecht. Danke der Nachfrage. Mit Kitsch und Rührseligkeit hat sie’s nicht, ich bin ihr dafür akut dankbar. Sie weist mich natürlich trotzdem darauf hin, dass ich mir schon sehr Zeit gelassen habe. Und dass sie nicht mehr allzu viele Jahre zu leben hat. Himmel.

Foto Credit: mikek via photopin cc

Mir sind die rosa-plüschigen Freudensbekundungen unheimlich bis unangenehm, zumal ich selbst dem Ganzen wohlwollend, aber zweifelnd gegenüberstehe. Was wird alles anders werden? Werde ich ab Winter jemals wieder schlafen? Zeit für die Arbeit haben? Bin ich ein schlechter Mensch, weil ich nicht sofort eine Wand mit Kinderzimmerfarben bepinseln will und mich kein Nesttrieb befällt? Wird mein Kind mich hassen, sobald es 13 Jahre alt ist?

Der Liebste kennt meine Ängste. „So ein kluges hübsches Kind! Ganz ordentlich wird’s in der zusammengeräumten Wohnung sitzen und das Licht leicht dimmen“, schreibt er. Das ist natürlich gelogen, ich bin mir aber sicher, dass es mit einem wie ihm nur großartig werden kann. Und dass er mich ohne zu maulen nachhause bringen wird, wenn ich in 13 Monaten überhaupt kein Bier mehr vertrage.

„Also wie sie dann zwei Monate alt war, hab ich sie zu mögen begonnen“, sagt meine Arbeitskollegin über ihre inzwischen 20-jährige Tochter. Im Moment tun dem Seelenfrieden nur ehrliche Eltern gut.

PS: Zwei Korrekturen zur hübschen Einleitung der Redaktion von Woche 7: Nein, ich habe nichts „Besseres“ zu tun. Ich würd auch lieber mit wilden Menschen die halbe Nacht lang schlimme Dinge anstellen, statt durch die Umbauarbeiten in meinem Unterleib ermattet um 22.00 Uhr auf der Couch einzupennen. Und sagt doch bitte nicht „schlüpfen“ zu jenem Prozess, von dem ich ziemlich sicher weiß, dass er vorrangig unangenehm wird. Wie sagte meine befreundete Frau Doktor: „Also ich würd zum Entbinden nur in die XY-Klinik gehen. Die machen vorher einen Einlauf, dann liegt man wenigstens nicht in seinem eigenen Kot am OP-Tisch“. Schlüpfen, was haben wir gelacht.

Wunschliste: Es gibt einen Dorothy-Parker-Gin. Darf ich mir den zur Geburt wünschen? Überhaupt: Kriege ich eigentlich Geld dafür? Fuck. Alles nur wegen gutem Sex.
Erkenntnis der Woche: Menschen sind deutlich irritiert, wenn man auf die Frage „Ist es ein Wunschkind?“ „Ich weiß es nicht …“ antwortet.
Namensvorschläge: Lana. Ava. Ayrton.