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Interview

"Wir sind Überyou und versuchen, Musik zu machen" – Die Züri-Punks im Interview

Anstatt von Backstage-Alkohol-Exzessen redet Überyou lieber von Freundschaften.

von Nina Vedova
31 Juli 2017, 3:13pm

Foto: Facebook

Punk, das sind kleine Keller, schnelle Riffs, raue Stimmen, Bier und Moshpits. Kombinierst du diese Vorstellung mit Zürich kommt dir hoffentlich der Name Überyou in den Sinn. Nach dem Eröffnen des Greenfield-Festivals und der geplanten UK-Tour legen die Züri-Punks einen Stopp in ihrer Heimatstadt ein, um am 9. August zusammen mit Turnstile und Bitter Youth das Exil aufzumischen. Egal ob du die Band bis jetzt gekannt hast oder nicht, dieses Konzert solltest du dir nicht entgehen lassen. Zur Einstimmung habe ich die Jungs in ihrer Stammkneipe, der Hafenkneipe, getroffen.

zvg

Noisey: Könnt ihr euch kurz vorstellen: Wer seid ihr und was macht ihr?
Ian: Wir sind Überyou und versuchen, Musik zu machen.
Vico: Das kann man mal so stehen lassen.
Ian: Es ist einfach: Wir sind gute Freunde, die schon seit Ewigkeiten Musik machen und sich durch 7.000 verschiedene Wege gefunden haben. Es war eigentlich mal ein Fun-Projekt, doch dann sind wir ernster geworden, aber der Spass hat nie aufgehört. Wir ziehen das jetzt fast zehn Jahre durch. Was erstaunlich ist – in diesem Alter mit so vielen Verpflichtungen und unseren normalen Leben. Wir spielen klassischen Punkrock. Aber beim Punk ist es wie bei der elektronischen Musik: Es ist manchmal schwierig, eine Band irgendwo einzuordnen.

Wie war es, das diesjährige Greenfield zu eröffnen?
Ian: Mega cool! Vor allem für uns als Band, die normalerweise in kleinen Kellern oder in besetzten Hütten spielt. Es ist schön, wenn du mal auf so einer Bühne stehen und das erleben darfst. Vor allem gibt es schon einige Kids, die uns noch nie gesehen haben. Und ich möchte nicht leugnen, dass es mal spannend ist, im Backstage völlig betrunken herumzulaufen. Da, wo die anderen Bands sind.

Habt ihr beim Greenfield das Gefühl gehabt, dass sie die Schweizer Acts auf der Mainstage wollen oder ob es mehr Zwang war, weil es in der Schweiz stattfindet?
Vico: Also ich denke, sie machen das schon bewusst als Unterstützung. So wie ich den Auftritt und alles drum herum erlebt habe, habe ich nicht das Gefühl, dass es sie anscheisst. Ich denke in der Schweiz sin Festival-Auftritte sicher einfacher als im Ausland. Wir haben auch von befreundeten Bands in Deutschland gehört, dass so etwas bei ihnen nie möglich wäre, rein schon von der Grösse der Festivals her. Der Markt dort ist halt auch viel grösser als in der Schweiz. Du kennst hier schnell jemanden, der irgendwo dabei ist und Türen öffnen kann. Ich denke auch, dass sich das Greenfield die Förderung von Schweizer Bands ein wenig als Ziel gesetzt hat.
Ian: Um es kurz zu halten: Den Kontakt, welchen wir mit den Veranstaltern gehabt haben, war gut. Ich meine, sie haben eine Biographie für uns geschrieben, die bislang die beste Biographie ist, welche ich jemals über uns gelesen habe. Und da steckt schon viel Arbeit dahinter. Sie haben ja sonst auch noch die Greenfield Foundation, mit der sie ihren Bus anbieten, um junge Bands zu unterstützen. Ich glaube, das Herz von ihnen ist am richtigen Ort.



Wie ist es, als Schweizer Band in einer musikalischen Nische zu stecken?
Ian: Das ist eine komplizierte Frage. Auf der einen Seite muss ich sagen, die Art von Musik, die wir spielen, passt zum Glück in verschiedene Nischen innerhalb unserer Subkultur. Das heisst: Wir haben das Glück, dass wir an verschiedenen Orten spielen können und sind nicht mega begrenzt auf zum Beispiel Melodic-Punk. Wir können auch mit einer Metal-Band spielen und es ist völlig OK.
Vico: Dadurch dass man sich in der Schweizer Szene kennt, ist es sicher einfacher an Gigs zu kommen. Ob du im Ausland spielst, hängt von dir selbst ab. Du musst selber probieren, das auf die Beine zu stellen. Durch das wiederum lernst du Leute kennen und so entwickelt sich mehr daraus. Den ersten Schritt musst du selber machen. Und du musst bereit sein, vielleicht auch mal Geld zu verlieren. Wir selbst bewegen uns jetzt in einem Rahmen, der höchstens kostendeckend ist – wenn überhaupt. Von der Musik zu leben wird aber schwierig. Doch das ist wieder eine andere Geschichte.

Dementsprechend reichen die Giggs nicht aus, um die Band über Wasser zu halten? Wie schafft ihr das dann?
Vico: Mit den Gigs reicht es nicht, nein. Die Band ist eigentlich permanent bei uns als Privatperson verschuldet. Mit den Trips, die wir nach Übersee gemacht haben, haben sich grössere Beträge angesammelt, die wir schlussendlich aus dem eigenen Sack bezahlt haben, da die Band das halt einfach nicht zahlen kann.

Wie sieht das Tourleben von euch aus?
Ian: Es ist so, wie man sich eine Hardcore-Punk-Tour vorstellt – jeder Tag ist ein wenig anders. Natürlich kommt es darauf an, in welchem Land du unterwegs bist und wie die Jungs, welche die ganze Tour buchen, organisiert sind. In den meisten Fällen schläfst du bei jemanden von den Veranstaltern Zuhause. Dort hat es dann für drei Leute Matratzen und die restlichen zwei pennen am Boden. Der "Tourbus" besteht meistens aus mehreren kleinen Autos oder wir bringen unseren eigenen Bandbus mit. Der nützt halt schon etwas. Bis jetzt wurden wir noch nie in einem Fünfstern-Hotel einquartiert.
Vico: In Kuba fast, dort hatten wir lustigerweise die besten Hotels bis jetzt, da dort halt auch alles vom Staat abgesegnet werden muss. In Europa sind wir, wenn es geht, mit dem eigenen Bus unterwegs. Sonst sind wir abhängig von den lokalen Gegebenheiten und den Leuten dort.



Hat eure Band in den letzten Jahren Ups und Downs erlebt?
Vico: Das gibt es, glaube ich, immer. Manchmal sind es sehr persönliche und manchmal sind es zwischenmenschliche Probleme in der Band. Downs sind halt zum Beispiel die Schlagzeuger-Wechsel und das ist natürlich auch immer schwierig. Das ist dann ein Effort, jemand Neues zu suchen, der menschlich und musikalisch zu uns passt und wir müssen mit ihm wieder beim Zusammenspiel an den Punkt kommen, an welchem wir mit dem Vorgänger gewesen sind. Ups gibt es meistens, wenn wir zusammen unterwegs sind oder an so Geschichten wie dem Greenfield.

Was ist euer Ziel mit der Band? Gefällt es euch, wo ihr gerade steht oder möchtet ihr mehr Bekanntheit erlangen?
Ian: Nur schon die Aussage Bekanntheit ist völlig falsch. In unserer Band geht es darum, dass wir miteinander Spass haben und gleichzeitig spielen können. Wir hatten das Glück, dass es irgendjemanden interessiert. Uns geht's mehr um die Adventures, wir haben keine Aspirationen. Also nicht, dass du mich falsch verstehst. Wir finden es voll geil, dass die Leute uns cool finden und wenn wir mal auf einer Bühne wie dem Greenfield spielen dürfen, beschweren wir uns sicher nicht. Aber so wie wir im Moment touren und spielen, ist es eigentlich die Ideal-Vorstellung. Zum Beispiel ist auch die UK-Tour, die wir machen, aus purer Freundschaft entstanden. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, aber das gilt jetzt nur für mich. Jeder hat wahrscheinlich seine eigene Interpretation und Meinung. Musik machen, solange es noch Spass macht – für was macht man sonst Musik. Vor allem bei so einer Band wie bei uns wäre es unrealistisch zu glauben, dass man mit der Musik gross werden kann.
Vico: Das schöne und coole an der DIY-Szene ist eigentlich, dass du mit jedem Konzert und jeder Tour, die du spielst, neue Leute an verschiedensten Orten kennenlernst. Somit eröffnen sich auch Möglichkeiten, wieder an neuen Orten zu spielen. Ich glaube, das ist eine Motivation und ein Ziel, um weitergehen zu können – an Orte, an denen du noch nicht gewesen bist.
Ian: Wir wollen einfach, solange die Energie noch da ist, so viel Energie in die Band stecken, wie nur geht und allenfalls noch Teile der Welt erkunden, die ich sonst nie gesehen hätte. Viele neue Freundschaften entdecken und alte Freunde immer wieder sehen. Wir haben wirklich extrem viele gute Freundschaften geschlossen, an den vielen Orten.

Was sind die konkreten nächsten Schritte?
Ian: Die UK-Tour wird crazy. Ich hätte nie gedacht, dass wir eine UK-Tour spielen, das hört sich an, als wären wir eine richtige Band. Vorfreude aufs Bier.
Vico: Wir sind im Moment auch noch am Aufnehmen, von dort komme ich gerade. Alles Selfmade in unserem Bandraum, und ja, schätzungsweise werdet ihr diesen Winter oder im Frühling des nächsten Jahres neue Musik von uns zu hören bekommen.

Aus Erfahrung können wir sagen, dass die Zürcher Truppe live abgeht und alles abreisst, was du dir natürlich nicht entgehen lassen solltest. Deshalb verlosen wir mal so locker aus dem Handgelenk 3x2 Tickets. Wenn du dein Glück versuchen willst, schreib einfach ein Mail mit dem Betreff "Überyou" und deiner Postanschrift an noisey.schweiz@vice.com. Anmeldeschluss ist der 08.08.2017. Hier kannst du Tickest kaufen: https://v3.ticketino.com/v3/de...


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