10 Grafikdesigner, die gerade das Aussehen unserer Clubkultur verändern

Ob Alex Solman aus Hamburg oder Alberto “Mexican Jihad” Bustamante: das sind die Künstler hinter den charakteristischsten Designs der Dance-Welt.

|
04 November 2016, 10:38am

Trotz all den progressiven Klangexperimenten fühlt sich elektronische Musik nicht selten wie eine weiße Leinwand an. Hämmernde Kickdrums oder atmosphärische Synths sind von Natur aus abstrakt. Oft ist deshalb schwer (be)greifbar, was Produzenten und DJs eigentlich sagen wollen—jedenfalls im Vergleich zu Genres wie HipHop oder Pop, die mit Texten agieren.

Deswegen spielen in der Welt der elektronischen Musik Grafikdesigner und Künstler eine besonders wichtige Rolle. Sie helfen dabei, das Gefühl der Musik eines Produzenten oder die Atmosphäre einer anstehenden Party zu transportieren—und das oftmals eindringlicher, als es ein Pressetext oder ein Künstlerstatement jemals könnte. Über die Jahre hat sich wohldurchdachte Bildsprache wie Emil Schults Albencover für Kraftwerk oder Ninja Tunes eine 12" werfendes Maskenmännchen zu charakteristischen Referenzpunkten entwickelt, die beweisen, dass das Aussehen von Musik genauso durchdacht sein kann wie ihr Sound.

Um ein paar Einblicke in diesen Prozess zu bekommen haben wir zehn der produktivsten und aufregendsten Grafikdesigner und Künstler aus der ganzen Welt gefragt, was sie vom aktuellen Zustand des Visuellen in der elektronischen Musik halten—und was sie selbst tun, um sich von der Masse abzuheben. Einige der Menschen, mit denen wir gesprochen haben—darunter auch die Mitbegründer sozial engagierter, multidisziplinarischer Kollektive wie NON und NAAFI—sind die Architekten hinter der Ästhetik ihrer Crews. Andere, wie Studio Moross und Studio Remote, arbeiten kollaborativer mit Künstlern zusammen und sind mit einem Team aus Designern bestückt, die viele unterschiedliche Stile beherrschen und handgezeichnete Typographie, interaktive Musikvideos oder elaborierte Visuals für Shows kreieren. Sieh dir im Folgenden die Arbeit der Künstler an, die die Ästhetik der Clubmusik verändern, und lies, was sie zu sagen haben.

1. Chino Amobi, NON

Location: Richmond, Virginia

Stil: Amobis polierter, knalliger Stil und seine Verwendung sowjetisch anmutender Buchstaben für NON erinnern manchmal an Militärpropaganda, während seine Photoshop-Pinselstriche eine weichere, bisweilen unperfekte Seite offenbaren.

Erwähnenswerte Projekte: Mitbegründer und Art-Director von NON WORLDWIDE (Logo, Albumdesign, Merchandise, NON Quaterly Online-Magazin etc.); Albumdesigns für Angel-Ho, Rabit und Moro.

Ansatz: "NON WORLDWIDE verortet sich selbst genau im Mittelpunkt der Innovation innerhalb des Felds der Musik und des Musik-Grafikdesigns. Die Raison d'Être von NON ist es, die Sprache der Herrschaft zu eliminieren. Die Funktion unserer Gestalt ist es, unsere Bürger ästhetisch wie spirituell zu vereinen und die Großartigkeit des NON State in der ganzen Welt zu verkünden. NON Shall Rise Above."

2. Alberto Bustamante (aka Mexican Jihad), NAAFI

Location: Mexico City, Mexiko

Stil: Bustamantes Output ist ein gutes Beispiel für totales Design. Er fotografiert regelmäßig reale Objekte, die er selbst erschaffen hat.

Erwähnenswerte Projekte: Mitbegründer, kreativer Leiter und Designer bei NAAFI (Plattencover, Flyer, Kleidung, etc.); Shirts und Poster für die queere Party Traición in Mexico City.

Ansatz: "Es gibt momentan eine Menge Flyer mit einfacher Schrift. Markenevents sehen immer sehr brav aus. Sie sollten sich mehr mit dieser 90er-Jahre-MTV-Ästhetik befassen und abgefahrene Künstler und Illustratoren einstellen. Vergesst In-House-Design. Der NAAFI-Look ist sich seiner Umwelt sehr bewusst oder bezieht sich zumindest darauf. Wir produzieren keine Bilder mithilfe von Computern. Ich bevorzuge es, Objekte oder Situationen zu erschaffen und sie dann zu fotografieren. Manchmal geht es in den Bildern mehr um den Prozess als um das Endresultat. Und es hat viel mit Kollaboration zu tun.

Aber du musst stets sehr vorsichtig mit der Musik umgehen. Manchmal kann das Hinzufügen einer visuellen Ebene ihr wirklich schaden oder sie für immer in eine bestimmte Schublade stecken. Es kann ihr auch das Element einer Identität hinzufügen; du kannst Menschen das Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln. Mir gefällt das soziale Element von Design und, natürlich, die politische Instrumentalisierbarkeit, die damit einhergeht."

3. Jane Eastlight, 555-5555

Location: London, Großbritannien

Stil: Eastlights Bildsprache, die voller Anspielungen auf das Goldene Zeitalter des Rave und durchdachter Typographie ist, wird dank ihres Eifers, mit analogen und digitalen Medien zu experimentieren, auf das nächste Level gehoben.

Erwähnenswerte Projekte: Mitbegründerin des Kreativkollektivs 555-5555 (zusammen mit der Band patten); Design für pattens Label Kaleidoscope; Plattencover, Musikvideos und Kleidung für Daphni; Limited Edition Gatefold Vinyl für Caribou; Artwork für Giorgio Moroders Soundtrack für das Tron-Computerspiel.

Ansatz: "Die Dinge sind momentan sehr aufregend und es nimmt noch zu. Es entstehen diese seltsamen Kombinationen aus Print und Bildschirm, Kunst und Design, statisch und animiert, klanglich und visuell... es ist einfach abgefahren, wie ein einziges Set an Ideen durch all diese verschiedenen Darstellungsarten schwirren kann. Das inspiriert uns hier im Studio sehr. Ich finde außerdem, dass sich die ganzen Welten überlappen. Warum sich also entscheiden? Die Dinge werden unvorhersehbar und überraschend, wenn es Reibung zwischen all diesen Elementen gibt.

Alle wirklich inspirierenden Momente in der Musik scheinen stark mit der Energie des Wechselspiels zwischen Sound und Grafik verbunden zu sein. Videos, Clubs und auch Kleidung—von etwas wie der Hacienda und Factory Records bis hin zu Metalheadz. Alles bei 555-5555 ist tief in dieser Perspektive verwurzelt. Wir machen diese Art von Mikro-Umwelten aus Sound, Bild und Texturen. Sobald wir eine erschaffen haben, können wir sie freilassen und dabei zuschauen, was sie tut."

4. Guy Field, Studio Moross

Location: London, Großbritannien

Stil: Bekannt wurde das Studio durch den schnörkelig-kräftigen Handschriftstil seiner Gründerin Kate Moross. Als Team sind sie mittlerweile in der Lage, elegante Layouts für Plattencover, individuelle Tourvisuals und mehr zu erschaffen—alles mit dem gleichen Gefühl für Spaß und einer meisterhaften Verwendung lebendiger Farben.

Erwähnenswerte Projekte: Albumdesigns, Live-Visuals und Musikvideos für Künstler wie Disclosure, Redlight, Tala, Jonas Rathsman, Simian Mobile Disco, Totally Enormous Extinct Dinosaurs, Odesza, Buraka Som Sistema, L-Vis 1990, Craig David, Eats Everything, B. Traits und MK.

Ansatz: "Grafikdesign ist zugänglicher denn je—genau wie Technologie. Dinge wie Musikvisuals sind etwas, mit dem sich heutzutage mehr Menschen befassen können als früher. Und das ist gut so. Ich schätze, dass ich komplett Teil der Musikwelt bin, da ich in einem Designstudio arbeite, das sich auf Musik spezialisiert hat. Wir versuchen allerdings, die Dinge nicht zu sehr zu überdenken, uns nicht zu sehr daran aufzuhalten, ob wir zu ähnlich oder zu anders sind. Wir machen einfach das, was wir machen, und setzen es dann in die Welt! Projekt für Projekt, Track für Track.

Design ist unglaublich wichtig. Es hilft, Tickets zu verkaufen und bringt die Menschen in die Clubs. Sachen wie Flyer, Poster, Branding, die Stempel, Logos, Facebook-Banner und so weiter werden oft vernachlässigt—du kannst aber nicht einfach nur eine Party schmeißen. Sie muss angemessen präsentiert werden. Der visuelle Aspekt verleiht einem Club oder einem Event eine ganz neue Tiefe. Außerdem gibt es Platten, Merch und den ganzen anderen Kram, der für die Gesamterfahrung nur zuträglich sein kann—als Teil eines großen Ganzen."

5. Sam Rolfes

Location: Chicago, Illinois; New York, New York

Stil: Rolfes scheint uns Botschaften aus der Zukunft zu schicken. Durch seine gemäldeartigen Standbilder wird sein Hintergrund in der bildenden Kunst deutlich sichtbar. Seine Videos zeigen stolz seinen einzigartigen Sinn für verdrehte und bewusstseinsverändernde Experimente.

Erwähnenswerte Projekte: Video- und Standbild-Projekte für Künstler wie Amnesia Scanner, Danny L. Harle und Caroline Polachek; Albumdesign und Animationen für Kingdom; Live-Visuals für Lafawndah, Squarepusher und einen Teil von Rihannas 2016er VMA-Performance; EP-Cover für Dawn Richard, Nick Léon, Kai Whiston, DJ Orange Julius und Nobel; Live-3D-Sculpting/Visuals für Evian Christ, Mumdance, Lightning Bolt und Teengirl Fantasy.

Ansatz: "Ich lasse mich nur von meinen Gefühlen leiten und ich habe den Eindruck, dass momentan mehr mit typografischen oder collagierten Designs gearbeitet wird als mit jeder Form von objektbasierter Bildsprache—abgesehen vom generischen Hochglanz-Eyecandy, der in der vermeintlich geschmackvollen Seite der Welt der Neuen Medien seit ein paar Jahren vorherrscht (wenn nicht länger).

Ich bin momentan definitiv eher Teil der visuellen Sphäre der elektronischen Musik als der Kunstgalerieszene. Zum Teil auch weil meine Arbeit und Weltsicht so viel mehr mit der der Musiker harmoniert als mit der eines schicken Galeriekurators. Ich versuche, mich selbst von der Masse abzuheben, indem ich meinen kreativen Pfad möglichst in einem Fluss angehe. Ich fließe die Szenen und Industrien, die mir am wenigsten künstlerischen Widerstand und die größten Freiheiten bietet. So kann ich gleichermaßen herausfordernde Arbeit machen und muss mich nicht mit meiner kurzen Aufmerksamkeitsspanne für Szenen rumschlagen.

Gerade im Bereich der Clubmusik bedeutet das, dass das visuelle Element aufgrund der implementierten Abstraktheit und der Art, wie es mit einer gewissen kreativen Freiheit innerhalb deines Kopfs operiert, unheimlich wichtig dafür ist, dem Hörer eine Narrative oder einen emotionalen Kontext nahezubringen. Es ist mehr als als ein bloße Werbemethode, als die es oft angegangen wird. Die visuelle Betonung eines Musikstücks erlaubt, zusätzliche Nuancen zu der klanglichen Botschaft hinzuzufügen, und bietet Orientierung. Ohne die Ankerpunkte des Visuellen rutscht man vielleicht nur auf der Oberfläche eines Songs, anstatt tatsächlich die Tiefen seiner emotionalen oder konzeptuellen Implikationen erkunden zu können."

6. Luca Lozano

Location: Berlin, Deutschland

Stil: Lozano ist der König des absichtlich ungeschliffenen Designs. Seine kantig-pixelige Schrift, seine kaputten Cartoon-Figuren und das klassische Graffiti-Lettering mögen vielleicht naiv aussehen, genau so will er es jedoch auch haben.

Erwähnenswerte Projekte: Mitbegründer und Art-Director von Klasse Recordings, Grafiti Tapes und Zodiac44 (Plattencover, Kleidung, Poster, Flyer und Logos); Albumdesigns und Flyer für diverse internationale Labels und Partys.

Ansatz: "Es gibt eine gute und gesunde Szene—zumindest für die Art von Kunst, für die ich mich interessiere—in der ein DIY-Ethos unterstützt wird. Und ich bin glücklich darüber, dass die Dinge einfacher und zugänglicher für alle werden, die dazu beitragen wollen. Ich bin definitiv Teil irgendeiner Welt, aber ich versuche, nicht zu viel von dem mitzubekommen, was sonst noch so passiert. Ignoranz kann ein Segen sein und es ist leichter, eine einzigartige Identität aufzubauen, wenn du nicht ständig damit beschäftigt bist, was sonst noch so um dich herum passiert.

Ich denke, das Design der Plattenhülle oder des Labels der Platte ist für gewöhnlich das Erste, was eine Veröffentlichung als interessant kennzeichnet, besonders in Plattenläden. Es gibt auch eine 'Sammlermentalität', wenn es ums Platten kaufen geht—die Eigenarten des Artworks und kleine Details können das um einiges spaßiger machen. Meiner Meinung nach kann das Artwork dabei helfen, die Musik dem Publikum näher zu bringen und kann ihr in manchen Fällen auch zu Kultstatus verhelfen, manchmal einfach nur durch simple Wiederholung."

7. Adam Rodgers, Studio Remote

Location: Glasgow, Schottland; Somerset und London, Großbritannien

Stil: Studio Remote schafft es, sich auf die Essenz eines Musikers zu konzentrieren und dabei zu helfen, seine Identität im Kopf der Zuhörer durch futuristische Videos und sensorische 360-Grad-Experimente zu formen. Durch die Verwendung der neuesten Technik sind sie ganz vorne mit dabei.

Erwähnenswerte Projekte: Mitbegründer und Art-Director von Numbers; zu den Klienten und Kollaborateuren gehören Brian Eno, brilliant corners, Craig Armstrong, Darkstar, FKA Twigs, Hudson Mohawke, Jessie Ware, Offshore, Redinho, Rustie, SBTRKT, SOPHIE.

Ansatz: "Bei den Leuten findet derzeit ein kreatives Umdenken statt, um sich an die aufkommenden Technologien und das sich immer wieder verändernde Social-Media-Klima (und Beschränkungen bei der Promo) anzupassen. Das ermöglicht die Erschaffung neuer Formen von Visualität als Begleitung zur Musik. Bei Numbers arbeiten wir seit Kurzem mit einer Reihe an visuellen Künstlern, die alle mit sehr unterschiedlichen Prozessen und Ergebnissen herausragende und einzigartige Arbeit abliefern.

Ich bevorzuge externe Referenzen, anstatt auf das zu schauen, was andere in der Welt des Grafikdesigns machen. Ich habe mich immer ein bisschen isoliert von dem gefühlt, was 'aktuell' ist, woher zum Teil auch der ursprüngliche Name des Studios—Remote Location—stammt. Trotzdem gefallen mir die Arbeiten vieler zeitgenössischer Grafikdesigner, die ihre eigenen visuellen Pfade erschaffen, was etwas ist, das ich definitiv respektiere und wonach ich selbst strebe.

Gutes Grafikdesign sollte wie angegossen zur Musik passen, sodass das Visuelle und die Klänge im Kopf des Konsumenten unzertrennbar werden. Ich bin daran interessiert, über die traditionellen Beziehungen zwischen Grafikdesign und Dance-Musik hinauszuschauen und alternative Methoden des Visuellen zu erforschen. Das kann auf unerwartete Weise ein neues Publikum ansprechen und dabei helfen, ihnen neue Klänge und Ideen näherzubringen. Interaktive Musikvideos, auf Klang reagierende Installationen, generative Identitäten und Echtzeit-Dokumentationen des kreativen Prozesses gehören zu den verschiedenen Ansätzen, die wir im letzten Jahr in Zusammenarbeit mit diversen Musikkünstlern erforscht haben."

8. Dima Shiryaev

Location: St. Petersburg, Russland

Stil: Shiryaevs Poster und Flyer sind geprägt von seiner offensichtlichen Liebe zu Typografie, ob es nun eine cleane, gut gesetzte, serifenlose Schriftart ist oder eine wild ausgedehnte Schrift, die den Buchstaben erlaubt, eine ganze Leinwand zu füllen. Außerdem hat er eine Vorliebe für Collagen und das Spiel mit Formen.

Erwähnenswerte Projekte: Poster und Flyer für das Event-Kollektiv/Label Roots United in St. Petersburg sowie für die Veranstaltungen Capital Bass und Hyperboloid in Moskau und diverse Clubs in Russland und Europa.

Ansatz: "Heute wird so viel unterschiedliche Musik produziert und man muss nach neuen und innovativen Wegen suchen, um sie visuell zu repräsentieren. Es gibt recht interessante, ungewöhnliche und sogar (im positiven Sinne) merkwürdig Ansätze. Es ist spannend, die Entwicklung dieser Techniken zu beobachten und gleichzeitig ein Teil davon zu sein. Ich würde gerne nicht nur für Dance-Musik designen sondern auch für andere Stile (Shoegaze, Ambient, Drone), doch leider gibt es [dort] keine Nachfrage nach solchem Design.

Grafische Formalisierung verleiht der Musik Volumen. Es ist eine zusätzliche qualitative Dimension. Ich denke, Design sollte dich dazu stimulieren, es längere Zeit zu erforschen, dir all die Details anzusehen."

9. Alex Solman

Location: Hamburg, Deutschland

Stil: Solmans Arbeit beinhaltet oft dünne schwarze Linien, mit denen die Gesichter der besten Elektro-Musiker der Welt gezeichnet werden, manchmal werden Felder mit knalligen Farben hinzugefügt, um sie hervorzuheben.

Erwähnenswerte Projekte: Illustrationen für FACT-Mixe; Flyer für den Golden Pudel in Hamburg und Kompakt Records; Albumartwork für Demdike Stare.

Ansatz: "Ich denke nicht, dass Illustration und Grafikdesign, das für Dance- und elektronische Musik gemacht wurde, anders ist als die Arbeiten für irgendein anderes Musikgenre. Cover, die für Techno-Alben designt wurden, sehen aus wie die Veröffentlichungen von Goth-Bands und Black-Metal-Typen haben farbenfrohe Cover mit Einhörnern und Delfinen, die über Regenbogen fliegen. Das ist mehr als in Ordnung, weil es eine Menge Freiheit bietet.

Aus meiner Sicht gibt es keine Grenzen mehr beim Design—falls es sie jemals gab. Kunst/Design und Grenzen sind Dinge, die nicht gut zusammen passen. Dasselbe gilt natürlich für Mode und Musik selbst. Es gibt immer ein paar Stile, die angesagt sind, aber in den letzten zwei Jahrzehnten ist alles zu einer Mischung aus Zutaten geworden, die es schon seit einer Weile gibt. Vielleicht ist das der Grund, warum es immer schwerer (wenn nicht gar unmöglich) wird, etwas vollständig Neues und Einzigartiges zu erschaffen. Es gibt also keinen Grund oder Bedarf, sich selbst von dieser 'Welt' abzugrenzen.

Es gab in den Anfangstagen von Techno diese Idee, dass die Musik für sich selbst sprechen sollte und niemand an der Person interessiert sein sollte, die sie spielt. Ich denke, das hat nicht sonderlich gut funktioniert, auch wenn die Idee nicht so schlecht war. Das Gleiche gilt für Plattencover. Ich mag Standard-Cover, aber ich mag es sogar noch mehr, wenn eine Platte auch ein schönes und passendes Cover hat. Doch Cover machen die Musik nicht wirklich besser, auf der anderen Seite ruiniert ein schlechtes Artwork sie aber auch nicht. Es gibt einige Platten in meiner Sammlung, die ich für die Musik liebe, die aber ein furchtbares Artwork haben. Das hält mich aber nicht davon ab, diese Platte zu lieben. Und vielleicht mag jemand anderes dieses 'furchtbare' Artwork. Das hängt alles vom persönlichen Geschmack ab."

10. Bráulio Amado

Location: Brooklyn, New York

Stil: Psychedelisch-knallige Farben, digitales Airbrush und Fotokopier-Verzerrungen treffen auf handgezeichnete Typografie mit Amados eigenwilliger Ikonografie.

Erwähnenswerte Projekte: Poster und Logo für Good Room in Brooklyn; Poster für Musicbox Lissabon, LUX und Lounge und Lissabon; Plattencover für Discotexas und Fool's Gold.

Ansatz: "Ich denke nicht wirklich, dass ich Teil der Welt elektronischer Musik bin. Ich meine, ich gehe recht viel in Clubs und höre einiges von der Musik, aber ich schätze, ich bin mehr in der Punk-/Noise-/Weird-Szene unterwegs. Ich habe angefangen, Poster für elektronische Musik zu machen, weil eine Freundin von mir all diese Partys im Good Room gebucht hat und mich bat ihr zu helfen. Ich hatte so viel Spaß daran, an etwas zu arbeiten, das anders war als das, was ich machte, sodass ich einfach weiter gemacht habe.

Es gibt im Moment so viele Leute, die so viele verschiedene Sachen machen, und das Internet bietet so eine überwältigende Menge an visuellen Informationen, sodass ich nicht denke, dass es etwas Spezifisches gibt. Ich denke, dass Vielfalt gut und wichtig ist. Ich versuche, [eine Art] DJ zu sein, wann immer ich ein Poster designe. Verschiedene Stile zu vermischen, neue Sachen auszuprobieren, merkwürdige Referenzen aufzugreifen und sie neu und frisch zu machen. Für mich bedeutet in einen Club zu gehen, neue Musik zu finden, neue Leute zu treffen, Spaß zu haben—ich denke, das Grafikdesign muss dasselbe widerspiegeln."

Folge THUMP auf Facebook und Instagram.

Mehr VICE
VICE-Kanäle