Fotos von Frauen, die Frauen lieben
LGBTQ

Fotos von Frauen, die Frauen lieben

Die Fotografin Rita Braz kann den Satz "Du siehst gar nicht lesbisch aus!" nicht mehr hören – und will mit ihrem Buch "Q Revolt" die Diversität lesbischer Frauen zeigen.
28.3.17

Schwule Männer sind "weibisch", lesbische Frauen "Mannsweiber". So wenig in der Realität fußend diese Klischees auch sein mögen, sie halten sich in Teilen der Gesellschaft immer noch hartnäckig. Das hat zum Teil auch damit zu tun, dass viele Menschen nur dann mit Homosexualität und LGBTQ-Themen in Berührung kommen, wenn sie ihnen innerhalb der Popkultur als überzeichnete Stereotype präsentiert werden. Die Fotografin Rita Braz möchte das ändern und mit ihrem Buch Q Revolt "echte" lesbische Frauen in all ihrer Diversität zeigen.

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Für die 28-Jährige ist das Thema eine Herzensangelegenheit. Aufgewachsen im konservativen Portugal, lernte sie erst nach ihrem Umzug nach Berlin, wie bunt und vielfältig die queere Szene wirklich ist. Seit 2010 arbeitet sie als Art Director in der deutschen Hauptstadt, hat ihre analoge Kamera aber trotzdem immer mit dabei. Wir haben uns mit ihr über schlimme Stereotype und den Wunsch nach mehr Sichtbarkeit unterhalten.

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Broadly: Der Titel klingt ziemlich rebellisch. Wie könnte eine queere Revolution denn aussehen?
Rita Braz: Eine queere Revolution wäre die größtmögliche Diversität an Leuten. Geschlechter, Aussehen, Hautfarben, Style, Alter – nicht nur in Großstädten, sondern überall auf der Welt. Die Revolution stände für die Freiheit, einfach nur zu sein, so auszusehen wie du willst und zu lieben, wen du verdammt nochmal willst. Ohne, dass dich irgendjemand dafür verurteilt. Sie würde im Geschichtsunterricht unterrichtet werden und die Zeit würde in "vor der queeren Revolution" und "nach der queeren Revolution" gemessen werden.

Alle Fotos: Rita Braz

Du versuchst gerade, dein Buch über Kickstarter zu finanzieren. Wie war das Feedback bisher?
Es ist das erste Mal, dass ich eine Kickstarter-Kampagne gestartet habe und ich bin sehr aufgeregt deswegen. Ich habe schon sehr positives Feedback von vielen ehemaligen Kollegen, Freunden und meiner Familie bekommen. In der letzten Woche wurde der Link von vielen Leuten geteilt und ich hoffe, das Geld zusammenzukriegen. Es ist für mich aber fast genau so wichtig, dass ich mit dem Projekt überhaupt an die Öffentlichkeit gegangen bin und all diese Rückmeldung bekommen habe. Das zeigt mir, dass die Leute Interesse an solchen Projekten haben. Sie sind neugierig und unterstützen einen – auch wenn ich natürlich immer noch Personen brauche, die bereit sind, in das Buch zu investieren. Die Deadline ist der 25. April. Der Tag, an dem wir in Portugal den Tag der Freiheit feiern.

Berlin ist international dafür bekannt, eine sehr weltoffene, diverse Stadt zu sein. Welche Erfahrungen hast du mit der LGBTQ-Szene hier gemacht?
Berlin ist definitiv der Grund dafür, dass ich das Buch überhaupt mache. Also, vielleicht nicht der Grund, aber zumindest der Auslöser. Die Tatsache, dass ich aus so einem konservativen Land wie Portugal komme und die Chance habe, an so einem offenen Ort wie Berlin älter zu werden, ist wahrscheinlich meine größte Inspiration. Hier bin ich mit vielen verschiedenen Menschen in Berührung gekommen und habe erst richtig verstanden, was meine Geschichte ist. Als ich 2013 mit diesen Fotos angefangen habe, wollte ich lesbische Frauen abbilden, die genau wie ich sind. Aber als ich mich dann mit verschiedenen Frauen getroffen habe, um sie zu fotografieren, habe ich realisiert, dass da noch viel mehr ist.

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Was bedeutet es, eine lesbische Frau oder überhaupt eine Frau zu sein? Wurde ich als Frau geboren oder fühle ich mich wie eine Frau? Mag ich nur Frauen oder auch Männer? Ich habe ein bisschen gebraucht, um darauf zu kommen, welche Aussage ich transportieren möchte und was mir wirklich wichtig ist: Frauen, die Frauen lieben.

Wie findest du die Frauen für deine Fotos?
Es macht mir Angst, jemanden, den ich nicht kenne, zu fragen, ob er Teil meines Projekts sein möchte. Wenn ich auf bestimmte Frauen zugehe und auf andere nicht, dann nehme ich ja quasi aufgrund ihres Aussehens an, dass sie auf Frauen stehen – was heißt, dass ich auch in Stereotypen denke. Viele Kontakte sind über Hörensagen zustande gekommen. Ich hoffe, dass die Kickstarter-Kampagne auch dabei hilft, mehr Leute zu erreichen, die sich womöglich auch fotografieren lassen würden. Idealerweise in Berlin, weil ich hier lebe, aber auch in Lissabon, Amsterdam (wo meine Frau herkommt) oder in anderen Städten, die ich in Zukunft besuchen werde. Im April bin ich in New York – vielleicht hat da ja auch jemand Interesse?

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Welche Klischees über lesbische Frauen ärgern dich am meisten?
"Du siehst gar nicht lesbisch aus." Wenn ich das höre, werde ich richtig sauer. Zum Teil auch, weil ich nicht möchte, dass mein Aussehen meine Sexualität bestimmt. Wie ich aussehe, ist Teil meiner Persönlichkeit, wie ich mit der Welt interagiere und womit ich mich wohlfühle – nicht, mit wem ich ins Bett gehe. Außerdem würde die Tatsache, dass ich nicht „lesbisch" aussehe ja bedeuten, dass lesbische Frauen einem bestimmten Look entsprechen müssen. Heterosexuelle Frauen müssen sich ja auch nicht anhören, dass sie nicht „heterosexuell" aussehen, warum sollten wir das dann müssen?

Wieso gibt es diese ganzen Stereotype über lesbische, schwule und queere Menschen überhaupt noch? Wie können wir sie endlich hinter uns lassen?
Ich glaube, dass diese Klischees auf Angst fußen. Leute müssen anderen einen Stempel aufdrücken, damit sie sie einordnen können und wissen, wie sie sich ihnen gegenüber verhalten sollen. So fühlen sie sich sicherer und sie haben sich schon so daran gewöhnt, dass das kaum noch hinterfragt wird. Für mich persönlich ist es ein Start, zu zeigen, dass Frauen, die Frauen lieben, genauso aussehen können wie jede andere Frau auf der Welt auch.

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