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Tierisch autistisch
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AutistInnen zeigen Eigenschaften und Verhaltensweisen, die zwar nicht bei jedem autistischen Menschen in der gleichen Ausprägung vorkommen, sich aber zu allgemein gültigen Diagnosekriterien zusammenfassen lassen.
Im Affenlabor: Tierversuche an Primaten
Um eine Autismusdiagnose zu erhalten, müssen Probleme im Sozialverhalten vorliegen, also Schwierigkeiten beim Kontakt zu anderen Menschen, zum Beispiel beim Schließen und Halten von Sozialkontakten. Der Wunsch nach dem Alleinsein ist stärker ausgeprägt als bei neurotypischen Menschen—unter anderem, weil AutistInnen Probleme mit der Verarbeitung von Reizen haben. Sie erleben Sinneseindrücke jedweder Art ungefiltert und intensiv, was für das Gehirn sehr anstrengend ist und lange Erholungszeiten erfordert. Auch in der Kommunikation gibt es Auffälligkeiten. So neigen AutistInnen dazu, auf der Informationsebene zu kommunizieren, Nonverbales nicht zu verstehen und sprachliche Feinheiten wie Ironie und Sarkasmus weniger gut, manchmal gar nicht, zu beherrschen. Bezeichnend für Autismus ist zudem die Neigung zu Ritualen, gewohnten Verhaltensmustern und ausgeprägten Spezialinteressen.
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Tierisch schwer
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Tierisch schlecht
Wäre es nicht menschenwürdiger, AutistInnen als gleichwertig und ihr Leben als lebenswert anzuerkennen und weniger Energie in zum Scheitern verurteilte Heilungsmethoden dieser genetischen Diversität zu stecken? Wäre es nicht humaner, diese Ressourcen dafür zu verwenden, AutistInnen zu fördern und zu unterstützen? Ergäbe es nicht mehr Sinn, das vom Autismus verursachte Leid, das man durch die oft einseitige Berichterstattung vermittelt, zu lindern?Man könnte beispielsweise damit beginnen, AutistInnen zu fragen, welche Bedürfnisse sie haben und ihnen dann zuhören. Auch die Affen in den Käfigen der Forschungsinstitute hätten sicher ein Interesse daran.Marlies Hübner ist Autistin, Autorin, Bloggerin und twittert.