Foto: Gabriel Uchida

Illegale kubanische Tattoos

Alles, was man zum Tätowieren braucht, ist in Kuba illegal. Doch das bedeutet nicht, dass man nicht trotzdem heruntergekommene Tattoo-Studios und eine Menge Tattoos findet.

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11 August 2015, 11:51am

Foto: Gabriel Uchida


In Kuba lehrt niemand die Kunst des Tattoo-Stechens, es gibt keine Bücher darüber, es gibt keine Tätowiermaschinen oder Tintenherstellung und auch kein legal importiertes Zubehör. Tätowieren ist dort nicht einmal offiziell ein Beruf—denn in Kuba sind Tattoos eigentlich illegal.

Foto: Gabriel Uchida

Doch wenn etwas illegal ist, dann wird es nur noch verlockender, wie Castro eigentlich wissen sollte. Auf den Straßen von Havana findet man schnell junge und alte Menschen mit Tattoos, und sogar einige Studios—auch wenn sie von außen meist ziemlich dubios aussehen. Nachdem ich etwa einen Monat in der Stadt verbracht hatte, traf ich einen Dealer, der auf allen wichtigen Partys auftauchte und die coolsten Tattoos hatte. Er empfahl mir ein Studio im Viertel El Vedado. „Sag ihnen, du bist ein Freund von mir", sagte er. Das hilft immer.

Der gesamte Rum Kubas würde nicht ausreichen, um sich den Mut anzutrinken, sich hier ein Tattoo stechen zu lassen. Foto: Gabriel Uchida

Als ich dort ankam, traf ich den 23-jährigen Rioger Martinez, der seit zwei Jahren als Tattoo-Künstler arbeitet. Er lernte Zeichnen und fing an, wie alle anderen Tätowierer in Kuba: „Ich hatte eine selbstgemachte Maschine und behelfsmäßige Tinte. Das haben hier alle durchgemacht." Das große Problem, sagte er, sei es, an das Zubehör und die Tinte ranzukommen, denn die müsse jemand aus dem Ausland mitbringen. Das Zeug online zu bestellen, ist in Kuba keine Option.

Rioger Martinez. Foto: Gabriel Uchida

In seinem Studio tätowiert Rioger im Durchschnitt zwei Kunden pro Tag, meist für etwa 23 Dollar, je nach der Größe des Motivs und je nach Kunde oder Kundin—Touristen zahlen meist mehr. Nachdem er den Vogel auf dem Rücken einer jungen Frau in Folie gepackt hatte, war sein Studio leer, also bat ich ihn, mir etwas zu stechen.

Foto: Yoel Mayor

Ich bin in einer extrem konservativen Familie aufgewachsen. Man sagte mir, wenn ich mir jemals ein Tattoo stechen ließe, würde man mich aus dem Testament streichen, auch wenn es dieses Testament vermutlich nicht einmal gibt. Da ich mir zu Hause in Brasilien schon ein paar Kritzeleien stechen lassen hatte, darunter ACAB, tätowiert von dem Vizepräsidenten einer fußballfanatischen Torcida-Gruppe, war ich mir ziemlich sicher, dass ich von meiner Familie ohnehin nichts erben würde. Es gab also keinen Grund, sich ein Tintensouvenir aus Kuba entgehen zu lassen. Da ich etwas typisch Einheimisches wollte, suchte ich mir Inspiration in Castros revolutionärer Propaganda und dem Motto „Studium, Arbeit, Gewehr". Ich wählte Letzteres und ließ mir die berüchtigte und bei Guerrilla-Kämpfern so beliebte Kalaschnikow stechen.

Foto: Yoel Mayor

Während er stach, erklärte mir Rioger, kommunistische oder revolutionäre Motive seien heutzutage in Kuba nicht mehr gefragt, außer bei Touristen. „All die Che-Guevara-Tattoos, die ich Ausländern schon gestochen habe. Kubaner interessieren sich nicht mehr für diese Geschichten, sie wollen andere Dinge."

i-D weiß, warum ein Tattoo-Shirt von Ed Hardy kein würdiger Ersatz für ein echtes Tattoo ist.

Sieh dir einige Tattoos von Einheimischen an, damit du nicht ein typisches Touristenmotiv wählst, wenn du in Kuba bist:

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