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Kleinvieh macht zu wenig Mist

Immer mehr Spezies sterben aus und damit fehlt auch ihr Kot im globalen Nährstoffkreislauf.
12.4.16
Titelfoto mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto

Kuh-Foto mit freundlicher Genehmigung von iStockphoto

Aus der Up in Flames Issue

Laut einer Studie vom Oktober leidet die Welt an einem akuten Mangel an Tierscheiße. In der Studie zeigt ein internationales Forscherteam, wie in der Natur Nährstoffe durch den Stuhlgang von weitgereisten Tieren umverteilt und verwertet werden. Doch da viele Spezies ausgestorben und andere aufgrund des menschlichen Einflusses bedroht sind, funktioniert diese globale Nährstoffmühle nicht länger richtig, was in der Folge die Fruchtbarkeit des Planeten einschränkt.

Auch wenn diese Theorie intuitiv Sinn ergibt, ist sie wissenschaftlich revolutionär. Forscher haben lange geglaubt, Tiere würden in der Nährstoffumverteilung nur eine geringfügige Rolle spielen—verglichen mit Bodenerosion zum Beispiel. Doch die Autoren glauben, wir hätten die Macht des Mists unterschätzt, weil wir in einer tierarmen Epoche mit der Erforschung der Nährstoffverteilung begonnen hätten. Die Studie schätzt, dass das weltweite System nur mit sechs Prozent seiner möglichen Leistung arbeitet, in manchen Regionen noch weniger. Der tatsächliche Einfluss auf die globale Fruchtbarkeit ist nur schwer messbar, doch er ist wahrscheinlich signifikant und wird mit dem Rückgang der Tierbestände weiter wachsen.

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Diese Forschungsarbeit könnte Umweltschützern helfen, den Nutzen des Kots verschiedener Spezies besser zu bewerten. Da leicht zugängliche Nährstoffe im Boden Mangelware sind, meint Chris Doughty, Dozent an der University of Oxford und Hauptautor der Studie, es sollte auf der Hand liegen, dass die Vorteile eines natürlichen, nachhaltigen Nährstoffkreislaufs die Kosten des Tierschutzes wert sind.

Hiervon könnte vieles angeregt werden, von neuen Naturschutzgebieten bis hin zu geklonten Mammuts in Sibirien (solche Pläne existieren), um Glieder in der Nährstoffkette zu stärken oder wiederherzustellen.

Doch selbst wenn wir den Kot-Kreislauf wieder auf seinen besten Stand brächten, sähe sich die Erde noch Herausforderungen in der Nährstoffversorgung gegenüber, so der Mitautor der Studie Professor Joe Roman von der University of Vermont.

„Unser aktueller Einsatz von Phosphor [ein wichtiges Element in der Ernährungssicherung] ist nicht nachhaltig", sagte er. „Große Tiere zu schützen würde zwar viel bringen, doch wir müssen beim Einsatz dieser Ressource vorsichtiger sein."

Wir wissen nun, dass Scheiße mehr als einen feuchten Dreck wert ist—doch sie kann nicht all unsere Probleme lösen.