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Thump

Forscher haben die Vinyl-Schallplatte revolutioniert

Der österreichische Digitalvertrieb Rebeat hat vergangene Woche ein Patent auf „High Definition Vinyl“ eingereicht.
18.3.16

Die neue Schallplatte wird wie ihr hier zu sehender Vorgänger ebenfalls in allen Farben erhältlich sein. Foto: Imago

Vinyl in HD. Muss das sein? Der österreichische Digitalvertrieb Rebeat hat vergangene Woche ein Patent auf „High Definition Vinyl“ eingereicht. Entwickelt wurden es zusammen mit dem Institut für Oberflächentechnologien und Photonik der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH in Weiz. Laut Institutsmitarbeiter Dr. Volker Schmidt wird das just patentierte HD Vinyl die konventionelle Fertigungsmethode für Schallplatten revolutionieren.

Wie das funktionieren soll? Zunächst ist wichtig, sich den gewöhnlichen Herstellungsprozess von Vinyl zu vergegenwärtigen. Die Produktionstechnik von Vinyl hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht wesentlich geändert. Nachdem die Musik speziell für das Material gemastert wurde, wird sie im Presswerk mittels eines Schneidstichel genannten Diamanten auf eine Kupferfolie überspielt. Von dieser wird nun ein Negativ erstellt, die Pressmatrize.

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Diese Vorgehensweise hat ein Problem: Die hohen Frequenzen eines Tracks müssen leicht abgeschnitten werden*, weil der Schneidstichel beim Ritzen der Kupferfolie sonst zu heiß wird. Außerdem umfasst die Produktion mehrere Arbeitsschritte. Der sogenannte „warme Klang" von Vinyl hat hier zum Teil seinen Ursprung: Da der Schneidstichel bei Folienbearbeitung über- und unterschwingt, entstehen kleine Phasenverschiebungen, die das menschliche Gehör als angenehm empfindet.

Wie funktioniert aber die neue HD-Methode? Mit Hilfe eines Lasers wird die Toninformation, sprich: Musik, direkt auf die Pressmatrize geschrieben. Die hohen Audio-Frequenzen müssen dafür nicht abgeschnitten werden, wodurch die Klangqualität im Endergebnis besser sein soll. Da der Laser präziser als ein Schneidstichel arbeiten kann, passen zudem bis zu 30% mehr Informationen auf die spätere Platte. 25 Minuten Musik bekäme man so bei 33 rpm auf eine 12"-Seite. Zudem wäre das Laserverfahren materialschonender und deutlich schneller in der Matritzenproduktion, wodurch die vielseitig beklagten Wartezeiten in den Presswerken etwas verringert werden könnten.

Im Gegenzug wird der Klang etwas weniger „warm“, wobei dieser Effekt nicht nur auf der Schallplattenproduktion, sondern vor allem ihrer Wiedergabe beruht: Gerade billige Tonabnehmer schwingen ebenfalls beim Abspielen gegen das Vinyl an und ruft somit erneut Phasenverschiebungen hervor. Dieser Effekt würde auch bei einer HD Vinyl auftreten. Trotz größerem Frequenzbereich klänge sie also auf weniger hochwertigen Systemen noch immer anders als eine CD.

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Würde es Liebhabern des schwarzen Goldes allerdings um einen ähnlichen Klang wie zur CD gehen, wären sie keine Sammler von Vinyl. Ob tatsächlich so viele von Vinyl auf HD Vinyl wechseln wie es im Bereich der TV-Geräte geschehen ist, bleibt abzuwarten. Ein genaues Datum für die Produktion der ersten Platten in HD gibt es allerdings noch nicht. Der Rebeat-Gründer und Mit-Erfinder von HD Vinyl, Günter Loibl, sucht aktuell noch nach Investoren, um das Patent zur Marktreife zu führen.

*Theoretisch hat Vinyl einen höheren Frequenzumfang als die CD. Allerdings lässt sich dieser technisch bisher nicht umsetzen und ist für das menschliche Ohr nicht vollständig hörbar.

Dieser Artikel ist zuerst auf THUMP erschienen.

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