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​Rechtsextreme rufen dazu auf, Holocaust-"Stolpersteine" zu überkleben

Nach der "Halal-Challenge" will man jetzt das Andenken an ermordete Juden schänden.
27.6.16
Foto: James Steakley | Wikimedia | CC BY-SA 3.0

Vor ein paar Monaten machte auf Facebook der Aufruf einer rechtsradikalen Seite namens "Halal Challenge" die Runde: Fans sollten im Supermarkt heimlich Schweinefleisch auf Halal-Produkte legen, sich dabei filmen und die Filme einsenden. Das Ganze sollte dazu dienen, seine "Ablehnung der Halal-Schlachtung gegenüber" zum Ausdruck zu bringen, sorgte aber hauptsächlich dafür, dass die Gruppe vom ganzen Internet ausgelacht wurde.

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Nachdem es dann eine Weile still um die Gruppe geworden war, hatte sie sich am Mittwoch mit einer neuen "Challenge" zurückgemeldet: "Stolpersteine" überkleben. Die "Stolpersteine" sind ein Kunstprojekt von Gunter Demnig, der 1992 anfing, goldene Pflastersteine in die Bürgersteige vor Häusern einzulassen, aus denen die Nationalsozialisten Menschen deportiert und anschließend umgebracht haben. Mittlerweile gibt es über 56.000 Steine in ganz Europa.

Das geht den Leuten von "Halal Challenge" offenbar so gegen den Strich, dass sie sich diese neue Aktion ausgedacht haben. Die Steine sollen aber nicht mit irgendwas "umdekoriert" werden, sondern mit Zetteln, auf denen an "Deutsche Opfer aus dem hier und jetzt" erinnert werden. "Seit 1990 starben mehr als 3700 Deutsche durch Ausländer", hieß es in dem Post, und: "Multikultur tötet".

Darum geht es also: Das Gedenken an die Opfer eines systematischen, staatlich organisierten Massenmordes durch fremdenfeindliche Propaganda zu ersetzen."Macht alle mit", forderte der Post, und wieder: "Schickt die Fotos und Videos zu!" Neben der "Halal Challenge" postete auch noch die wegen Volksverhetzung verurteilte Rechtsextreme Melanie Dittmer und die "Identitäre Aktion Aachen und Euregio" den Aufruf. Dazu gab es noch einen praktischen Hinweis: "Benutzt doppelseitiges Klebeband. So ist es keine Sachbeschädigung."

Strafrechtlich könnte eine solche Aktion trotzdem relevant sein. Zumindest sah das sie Berliner Polizei so, die sich relativ bald unter dem Original-Post zu Wort meldete und warnte, dass das Bekleben zu Ermittlungen wegen "Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener" führen könnte. Das machte offenbar Eindruck, denn kurz darauf verschwand der Aufruf deshalb wieder von allen drei Seiten, auf denen er gepostet worden war.

Melanie Dittmer war an der Idee offenbar beteiligt, berichtet die Webseite mimikama, die auf dem Beispielfoto nämlich ihren Unterarm erkannte. Der Aufruf, das Gedenken an die Opfer des Holocaust zu überschreiben, würde auf jeden Fall zu Dittmer passen. Sie war Mitglied der "Jungen Nationaldemokraten" und erklärte 2014 in einem Interview mit Spiegel TV, es sei für sie "völlig unerheblich, ob es den Holocaust gegeben hat". Wie der Aufruf zeigt, ist ihr das Thema doch nicht so ganz egal: Am liebsten würde sie die Erinnerung daran überkleben.


Titelfoto: James Steakley | Wikimedia | CC BY-SA 3.0