okkultismus

Die verstörend erotische Geschichte von Sex mit Dämonen

"Extrem fleischig", "gegabelt" und "kalt wie ein Stück Eis": Nicht nur die Kirche hatte ein außergewöhnliches Interesse an Satans Intimbereich.

von Diana Tourjée
01 August 2017, 7:00am

Bild: William Blake | Wikimedia | Public Domain

Ich war 13, als ich mich auf mein erstes Mal vorbereitete. Der Halbmond schien in mein Zimmer und warf dunkle Schatten auf meinen Körper. Ein Obelisk aus einem Souvenirshop stand auf meinem Nachttisch. "Lieber Satan", flüsterte ich, "bitte komm' und fick mich." Meine Eltern erzogen mich katholisch und es frustrierte mich zunehmend, dass meine Gebete unbeantwortet blieben. Ich bat Gott um unterschiedliche Dinge. Die einzige Antwort, die ich bekam, war allerdings von meinen Eltern: "Die Wege des Herrn sind unergründlich."

Satan hingen, schien mir sehr wohl auf die Wünsche seiner Anhänger einzugehen. Schließlich wurde mir immer wieder gepredigt, dass er mich in Versuchung bringen und durch fleischliche Sünden an meine Seele kommen wolle. Da ich damals Probleme mit meiner Sexualität hatte und mir sicher war, sowieso in die Hölle zu kommen, fiel mir die Entscheidung nicht schwer: Wenn Gott mir nicht dabei helfen würde, Sex zu haben und ein glücklicherer Mensch zu werden, würde ich es eben mit Dämonen und Luzifer selbst versuchen.

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Nach meiner Beschwörung kamen mir die anschließenden Minuten wie ganze Jahrhunderte vor und ich wartete mit klopfendem Herzen. Ich war mir sicher, dass Satan ein dämonisches, muskelbepacktes Feuerwesen zu mir schicken würde, um meine Sexfantasien zu befriedigen, oder dass ein blutrotes Pentagramm unter der Decke erscheinen und Luzifer höchstpersönlich bei mir im Bett auftauchen würde. Doch nichts dergleichen geschah. Satan hatte mir einen Korb gegeben.

Damals glaubte ich an den christlichen Gott und mein dunkles Gebet lastete schwer auf meinen Schultern. Es kam mir vor, als wäre ich die erste und gleichzeitig schlechteste Person, die je versucht hatte, dämonische Wesen für Sex heraufzubeschwören. Heute weiß ich, dass ich nicht alleine damit bin: Der Mensch versucht schon seit Jahrhunderten, Sex mit übernatürlichen Wesen zu haben. Tatsächlich werden erste bekannte Fälle davon bereits in der Bibel erwähnt. Eine besonders detaillierte Beschreibung ist in Genesis 6:4 zu finden. In der King James Version (KJV) heißt es darin: "Es gab in diesen Tagen Riesen auf der Erde; und danach, als die Söhne Gottes über die Töchter der Menschen kamen, und sie ihnen Kinder gebaren, wurden sie zu mächtigen Männern."

Der Penis des Teufels wurde 1485 von einem Inquisitor als "extrem fleischig" beschrieben, durch den Hexen "viele Tage später noch sehr erschöpft" seien.

In der New International Version (NIV) der Bibel wurde aus "Riesen" "Nephilim", die allgemein als hybride Nachkommen zwischen Engeln und Menschen gelten. Es ist ein kontroverser Abschnitt. Viele Interpretationen der Bibel versuchen deshalb, einen argumentativen Spagat zu machen, um die Option auszuschließen, dass es in der Bibelstelle um übernatürlichen Sex gehen könnte. "Söhne Gottes" bezieht sich laut dieser Interpretationen beispielsweise einfach auf überlegene Menschen. Und dennoch: Würde das Ganze nicht so sehr nach Dämonen-Sex klingen, würden auch nicht so viele Menschen über die Bedeutung dieser Textstelle diskutieren.

Während der Hexenjagd durch die Christen kam es immer wieder vor, dass Frauen vorgeworfen wurde, Sex mit Dämonen gehabt zu haben. Tatsächlich war die Unzucht mit dem Teufel eine der gängigsten Taten, derer Hexen beschuldigt wurden, wie der Historiker David M. Friedman in seinem Buch Cultural History of the Penis anmerkt.

Laut Dr. Hope Robbins, einer Expertin für Hexereigeschichte, die in Pagan Portals: Pan von Melusine Draco über die fragwürdigen Hexenprozesse gesprochen hat, war die diesbezügliche Neugier der Richter "unstillbar. Sie wollten alle Details erfahren und wurden für ihre harten Verhörmethoden mit expliziten Geschichten belohnt." Diese Geständnisse waren einer Situation geschuldet, in der lüsterne Inquisitoren auf "hysterische Frauen [trafen], die verbrannt oder gehängt werden sollten" – sich also in einer Foltersituation befanden, in der sie wahrscheinlich selbst nicht mehr wussten, was war ist und was nicht.

Bild: Francisco de Goya | Wikimedia | Public Domain

Selbst wenn Leute wirklich glaubten, Sex mit dem Teufel gehabt zu haben, gingen die Erfahrungsberichte darüber, wie befriedigend das Ganze war, doch recht auseinander.

Der Penis des Teufels wurde 1485 von einem Inquisitor als "extrem fleischig" beschrieben, durch den Hexen "viele Tage später noch sehr erschöpft" seien. Der Großteil der anderen Berichte klingen deutlich negativer. Die bekannte Hexe Temperance Floyd soll ein Geständnis abgelegt und gesagt haben, dass "der Teufel einen kalten Körper hatte und sie mehrere Male bestiegen hat." Eine andere Hexe, Rebecca West, beschreibt Satans Mund als "so kalt wie Lehm." Laut einer weiteren Frau sei sein Ejakulat "unglaublich kalt" gewesen, was zu einer Beschreibung aus A Cultural History of the Penis passt. In dem Buch zitiert Friedman die Deutsche Anna Pappenheimer, die behauptet hat, dass Satans Penis "so kalt wie ein Stück Eis" sei. Wieder andere beschrieben seinen Penis als gegabelt.

Die Bestrafungen dafür, sich mit den Gehilfen Satans vergnügt zu haben, waren ebenfalls alles andere als angenehm. The Witch in History: Early Modern and Twentieth-Century Representations erzählt die Geschichte von Goody Smith, die sich der Hexerei und des Mordes an Kindern schuldig bekannte. Angeblich hingen nach dem übernatürlichen Akt „Teufelchen […] in ihrem Intimbereich in einem Beutel und ihr Ehemann hat es gesehen, und diese Teufelchen waren an ihr festgesaugt."


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Diese Geständnisse wurden unter Folter erzwungen und waren Teil eines jahrhundertelangen, brutalen und frauenfeindlichen Kreuzzugs gegen Frauen, die sich den patriarchalen Normen nicht fügen wollten.

Gleichzeitig gab es allerdings auch regelrechte Anleitungen dafür, wie sich der Verkehr mit einem übernatürlichen Wesen am Besten genießen ließe. Das Book of Oberon zum Beispiel, ein Grimoire aus dem 16. Jahrhundert, also ein magischer Text, in dem Informationen über Zaubersprüche und Beschwörungen zu finden sind. Es wurde während der Zeit geschrieben, in der Hexen immer noch aktiv gejagt wurden, und beinhaltet unter anderem einen Zauberspruch, mit dem man drei spirituelle Wesen heraufbeschwört, um einen Ring der Unsichtbarkeit zu erhalten. Für Zauberer, die den Text benutzt haben, bedeutete der Zauberspruch nicht, dass die übernatürlichen Wesen Dämonen waren – es ist aber dennoch möglich, dass die damaligen Theologen sie als solche interpretiert haben.

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"Der Zauberspruch legt dem Leser nahe, sich selbst sowie das Bett, einen Tisch und einen Raum mit einem magischen Kreis und einem Zauberstab gut vorzubereiten", erklärt der Experte für Okkultismus und Grimoire-Übersetzer Joseph Peterson. "Drei Feen (namens Micoll, Titam und Burfex) werden herbeigerufen und mit Essen und Getränken unterhalten. Anschließend willigt eine von ihnen ein zu bleiben und die Wünsche zu erfüllen, einschließlich der Übergabe des Rings der Unsichtbarkeit."

Laut dieser Textstelle kann der Zauberer sich eine von den drei Feen aussuchen, die sich dann "in dem heiligen Bett ausruht." Aber zuerst wird sie "versuchen, dich auszutricksen und sagen 'ich kann dir deine Wünsche noch nicht erfüllen, aber wenn du mit mir schläfst, werde ich dich ausreichend zufriedenstellen.'" Nach dem Sex sei man nicht mehr in der Lage, seine Wünsche einzufordern, weil man danach unrein ist. Wer allerdings den Ring erhalten hat, kann danach „machen, was er will." ("Ich habe das schon mehrere Male ausprobiert", schrieb der Zauberer und fügte in einer Fußnote hinzu "und ebenso meine Kollegen.")

Bild: John Henry Fuseli | Wikimedia | Public Domain

"Die genaue Natur übernatürlicher Wesen wird nur selten klar definiert", erklärt Peterson Broadly. Oft seien sie als Feen dargestellt und somit magische, aber eben auch sterbliche Wesen. "Sie sollen angeblich auch nach Menschen suchen, mit denen sie sich kreuzen können, weil der Mensch eine unsterbliche Seele hat", so der Experte. Dafür gäbe es viele Beispiele. "Geschichten aus der mittelalterlichen Literatur, wie zum Beispiel die bekannte Melusine, die auf dem Starbucks-Logo zu sehen ist."

Die Details der Sage der Melusine sind unterschiedlich; typischerweise ist sie halb Fee, halb Mensch und entstand dadurch, dass ihre Mutter Pressina Sex mit einem Menschen hatte. Melusine strebt nach Beziehungen mit Männern, um so den Fluch zu brechen, der auf ihr lastet. Andere Sagen sind durch die Geschichte hinweg sehr ähnlich. Eine der Bekanntesten ist wohl die über ein Wesen namens Lilith, die das erste Mal im babylonischen Talmud erwähnt wird, der zwischen dem 3. und 5. Jahrhundert verfasst wurde.

"Es war toll. Ich habe alles gespürt. Ich bin gekommen und dann ist er davon geschwebt."

"Sie soll sich selbst mit den Spermien eines Mannes befruchtet haben, um so Dämonen zu erschaffen", erklärt es die Historikerin Natalia Klimczak. Die Liliths als Kategorie der Dämonen existiere schon seit mehreren tausend Jahren, schreibt Rebecca Lesses, Professorin für Judaistik am Ithaca College. Sie nennt ein weiteres Werk, in dem erklärt wird, dass lange Zeit vermutet wurde, die Lilith-Dämonen seien auf der Suche nach Sexpartnern. "In einem Text werden die Liliths beschrieben, 'die den Menschen erscheinen, den Männern in Form von einer Frau und Frauen in der Gestalt eines Mannes, und sie schlafen mit allen Menschen, nachts und tagsüber.'"

Das wunderschöne, vampirähnliche Wesen Yuki-Onna aus japanischen Legenden soll Sex mit Männern haben und ihnen so lange Lust bereiten, "bis sie sterben." Ein weiterer vampirähnlicher Dämon aus Griechenland, Lamia, soll hingegen ein "abscheulich hässlicher Dämon" sein, der mit Vergnügen Kinder tötet. Die Männer verführe sie durch ihre Fähigkeit, sich in eine schöne Frau zu verwandeln, sie „an abgelegene Orte zu locken, Sex mit ihnen zu haben und ihnen dann das Blut auszusaugen." Selbst der beliebte Zauberer Merlin soll von dieser unheiligen Verbindung berührt gewesen sein: Sein Vater war ein Dämon.

Ihr seht also: Dämonen-Sex ist nicht nur das Hirngespinst eines sexuell verwirrten Teenagers. Es gibt unzählige übersinnliche Wesen, denen sexueller Kontakt mit Menschen nachgesagt wird – und eines von ihnen ziert immerhin das Logo der größten Kaffeekette der Welt.

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In den letzten Jahren haben viele Promis von ihren Erfahrungen über Sex mit übernatürlichen Wesen berichtet – hauptsächlich mit Geistern. Sängerin Ke$ha (damals noch mit Dollarzeichen im Namen) erklärte 2012, dass sie Sex mit Geistern "sehr offen" gegenüberstehe und es wohl auch schon gehabt habe. Die mittlerweile verstorbene Anna Nicole Smith berichtete, dass vor langer Zeit ein "Geist mein Bein hochgekrochen ist und in einer Wohnung in Texas Sex mit mir hatte." Obwohl sie zuerst vor Angst wie gelähmt war, war sie am Ende dankbar für den "großartigen" Sex. Bobby Brown wiederum behauptete, in einem Geisterhaus gelebt zu haben, in dem "eines Abends einer der Geister herunterkam und Sex mit mir hatte."

Zu weiteren Promis gehören Dan Aykroyd, der einmal einen Geist in seinem Bett gespürt haben will; Ice-Ts Ehefrau Coco Austin, die angeblich viele Male von perversen Geistern aufgesucht wurde; Schauspielerin Paz de la Huerta, die in Graceland von Elvis' Geist zum Orgasmus gebracht wurde; Schauspielerin Natasha Blasick, die bereits zwei Mal lustvollen Sex mit Geistern gehabt haben will; und Lucy Liu, die auch mit einem Geist Sex hatte. "Es war toll. Ich habe alles gespürt. Ich bin gekommen und dann ist er davon geschwebt", erzählte sie.

Wenn ich nur damals mit 13 auch so viel Glück gehabt hätte.

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