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Popkultur

'Stillleben' ist mehr als Soap&Skins Busen

Manisch-Depressives über Missbrauch und Europop. Dann noch ein paar Diktatorenwitze.
13 Mai 2012, 11:00am

Fritz Hörtenhubers Gesicht in Stillleben vereint perfekt unfreiwillige Empathie mit österreichischer Schaurigkeit einer vielleicht zu tiefen Seele. Es sind Bilder aus der Kindheit der eigenen Tochter, die stumme Zeugen seiner latent-sexuellen Schuld werden. Wie verurteilbar ist eine extreme Perversion, wenn sie nie ausgelebt wird, wenn niemand jemals dabei verletzt wurde? Keine Schockereien, keine Penetration, keine Hot Carls, nur tonnenschwere Atmosphäre tragen diesen Film. Ganz fürsorglich (für manche vielleicht sogar zu langsam und kompromissbereit) wird eine Familiengeschichte erzählt, irgendwie verdammt vertraut in ihrer Kommunikationslosigkeit. Hörtenhuber ist, um es noch einmal zu betonen, perfekt und ich seufze bei den Credits auf, cineastisch mal wieder etwas zufrieden gestellter.

Es ist ein Mini-Einblick hinter die Grenzen der ausgestorbenen Familiebande und hinein in deren zig Schichten an Wahrheiten, aus denen nur die Spitze eines pädophilen Eisbergs ragt. Die bereits erwachsenen Sohn und Metaopfer-Tochter beherrschen ebenfalls perfekt das inter-familiäre Nichtssagen und lassen den armen aber naiven Muttercharakter ahnungslos wie einen Wischfetzen in der Ecke liegen. Anja Plaschg (more like Soap&Skinny) ist vielleicht nicht zur Schauspielerei geboren, aber gerne anschauen tut man sie trotzdem, gerade wenn sich die Emo-Troubatöse oben ohne zeigt. Musiker im Film, vielleicht hilfts. War das nicht auch Sir Tralala in der Szene mit den Anonymen Alkoholikern?!

Allen Mitgliedern des Medienschreibervolks wurde bei dieser Pressevorführung ein Batzen Wadiya-Geldscheine in die Hand gedrückt mitsamt eines Schreibens von General Aladeen persönlich, über sein Kino-Debut doch bitte äußerst positiv zu berichten. Die Bestechung funktioniert wie auch die gesamte Marketing-PR-Finesse des Films und ich sage aus komplett freien Stücken, schaut euch ab Dienstag The Dictator an.

Sacha Baron Cohen bringt uns fein geschriebene und gut ausgeführte politische Inkorrektheits-Dialoge. Der fiktive aber omnipotente Staats-Rapist fickt uns alle für ein Beweis-Polaroid, von Lindsay Lohan über Katey Perry bis Megan Fox - und etwa sogar die steirische Eiche? Kein Doku-Style ist passé, Sacha redet Leute auf der Straße nicht mehr in irgendwelche Peinlichkeiten hinein, alles ist gescripted und ergibt dabei ein bisschen besseres Adam-Sandler-Filmformat. In der Mitte denkt man vielleicht sogar einmal zurück an You Don't Mess with the Zohan - obwohl es der General ja nicht gerne hat, mit Juden verglichen zu werden.

Aladeen spuckte auch Old School Hebrew Larry King im Interview auf den Teppich. Tja, Anitsemitismus zu persiflieren ist für Sacha ein wenig zur Sportart geworden. Auf der Wii spielt er Munich Olympics und schießt Israelis nieder und bei seinen Ansprachen versichert er das angereicherte Uranium niemals für Lächerlichkeiten zu verwenden, wie zum Beispiel Bomben aufs Gelobte Land. Lachhaft. Aber eigentlich bekommen eh alle was ab, auch die Ultra-Left-Wing-Feministen-Vegetarierinnen wie im Videochen unten zu sehen. Solider Film, auch wenn wir ja mittlerweile immer schwieriger zu schocken sind, nicht wahr.

Screenshots aus den Filmen

Josef auf Twitter: @theZeffo